Stendal l Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung – all das, begangen an einem einzigen Abend am Hafen von Tangermünde, wurde einem 30-Jährigen aus Haldensleben vorgeworfen.

Am Ende wurde der bislang einmal Vorbestrafte in dieser Woche vom Amtsgericht wegen fahrlässigen Vollrausches zu einer Geldstrafe in Höhe von 40 Tagessätzen zu je zehn Euro (400 Euro) verurteilt. Lautstark soll er gemäß Anklage und Angaben eines Zeugen am Abend des 24. August vorigen Jahres im Zustand verminderter Schuldfähigkeit erst mehrfach „Sieg heil“ gebrüllt und den sogenannten Hitlergruß entboten haben.

Polizisten beleidigt

Als ein von Zeugen alarmierter Streifenwagen mit einem Beamten und einer Praktikantin eintraf, soll er beide Polizisten mit übelsten Schimpfworten belegt haben, wovon „Hurensohn“ und „Scheißbullen“ noch die harmlosesten waren. Als der offenbar sturzbetrunkene Angeklagte (2,05 Promille eine Stunde später) sich weigerte, seine Personalien anzugeben und gegenüber dem Beamten leicht zudringlich wurde, brachten ihn die beiden Polizisten gemeinsam mit einem um Hilfe gerufenen jungen Mann zu Boden und legten ihm Handfesseln an.

Mit Hilfe einer weiteren Streifenwagenbesatzung, die vom Angeklagten ebenfalls beleidigt wurde, gelang der Abtransport zum Polizeirevier in Stendal. Hier verschlimmerte sich der Zustand des Angeklagten offenbar. Er musste von mehreren Beamten an Händen und Füßen gefesselt und sein Kopf gehalten werden, damit er sich nicht selbst verletzt.

Selbst seine aus Haldensleben herbeigerufenen Eltern erkannte er nicht mehr, wie ein Polizist und der Vater des 30-Jährigen aussagten. Aus Sicherheitsgründen wurde er nach Uchtspringe in die Psychiatrie gebracht.

Urteil sofort akzeptiert

Rechtsmediziner Dr. Norbert Beck errechnete für die Tatzeit einen Blutalkoholwert von bis zu 2,46 Promille und attestierte dem Angeklagten verminderte Steuerungsfähigkeit. Er schloss eine aufgehobene Steuerungsfähigkeit aber nicht aus. Ins Juristendeutsch übersetzt: Der Angeklagte war laut Urteil infolge des Alkoholkonsums schuldunfähig. Er gab an, sich an gar nichts erinnern zu können.

Er sei auf einer Hochzeitsfeier gewesen, wo heftig „in großen Gläsern“ dem Schnaps zugesprochen wurde. Sonst trinke er nur ab und an mal Bier gab er an, was sein Vater bestätigte. Er hätte auch keine rechte Gesinnung. Der Verteidiger sprach von einer „Druckbetankung“ und forderte Freispruch. Doch Staatsanwaltschaft und Gericht sahen den Tatbestand des fahrlässigen Vollrausches als gegeben an. Der Ange- klagte nahm die Geldstrafe sofort an.