Stendal l Stellen Sie sich vor, Sie schalten den Fernseher ein, es ist die Hauptsendezeit und auf einmal sehen Sie sich selbst über den Bildschirm flimmern. Genau das ist Jörg und Christiane Helmeke aus Stendal passiert. Freunde, Bekannte und Fremde sprechen das Ehepaar von der Bau- und Kunstglaserei G. Helmeke aus Stendal mittlerweile auf den Werdbefilm von Google an.

Vor einiger Zeit erhielt Christiane Helmeke in dem Geschäft in der Marienkirchstraße einen, aus ihrer Sicht, dubiosen Anruf. „Als der Anruf kam, dachte ich, na was wollt denn ihr“, sagt Christiane Helmeke. Sie verwies direkt auf ihren Mann Jörg, dem das Ganze auch etwas seltsam vorkam.

Beim Rechtsanwalt abgesichert

„Der Anruf kam aus England und der Mann am Telefon erzählte mir in gebrochenem Deutsch etwas von einer Werbekampagne von Google und dass er bei seiner Recherche auf uns gestoßen sei. Mir kam das seltsam vor und ich ließ mir die Details per Mail schicken. Darin war dann gleich die Rede von einer Gage.“ Auch die Referenzen, die der Engländer angab, machten Helmeke stutzig.

Was sollte ein kleines Unternehmen wie seins neben großen Firmen wie Edeka oder der Allianz für Google interessant machen? Um sich abzusichern zeigte der Glaser die Mail seinem Schwiegersohn, der Rechtsanwalt ist. „Er meinte daran sei nichts faul. Solange sie nicht irgendwann schrieben, dass sie mit ihrem Kameraequipment nicht über die Grenze kämen und jetzt erst einmal Geld von mir bräuchten, sei alles in Ordnung“, sagt der Stendaler mit einem Lachen.

Kampagne von Google und Handelsverband

Kurz nach dem ersten Mailkontakt nach London meldete sich dann eine Hamburger Werbefirma bei dem Stendaler. Sie erklärten, dass es sich um einen Kampagnenfilm von Google und dem Handelsverband Deutschland handelt. Bei der Kampagne steht die Digitalisierung von kleinen Unternehmen im Fokus. So soll etwa gezeigt werden, wie einfach und kostenlos Öffnungszeiten bei Google angepasst werden können. „Die Hamburger Werbefirma kam dann für einen ersten Gesprächstermin vorbei, plante alles mit uns. Sie waren sehr zuvorkommend“, sagt der 55-Jährige.

Wenig später stand dann der Dreh vor der Tür: „Mit sieben Autos und zwölf Leuten kamen sie hier an, die Straße musste teilweise gesperrt werden, das war schon ein großer Aufriss.“ Mit dabei sei ein Mitarbeiter gewesen, der ausschließlich auf die Einhaltung der Corona-Bestimmungen geachtet hätte. „Alles hochprofessionell.“ Vier Stunden hätten die Aufnahmen insgesamt gedauert.

Der Werbefilm für Google

Das Besondere an dem Dreh: es hätte kein Drehbuch gegeben. „Es sollte alles so natürlich wie möglich sein“, sagt der Glaser. So sei auch der Anfang des Werbefilms eigentlich ein sogenanntes Outtake gewesen, eine Nebenaufnahme, die gar nicht geplant war. „Eigentlich sollten wir dort für ein Foto posieren. Wir hatten gerade darüber gesprochen, dass ich und meine Frau seit 37 Jahren glücklich verheiratet sind“, so Helmeke. Daraus entstand die Eingangssequenz, in der Christiane die Mitarbeiter der Werbefirma fragt, ob sie und ihr Mann sich nun küssen sollen.

Fernsehen, Zeitungen und Facebook als Plattfo

Nun ist das Ehepaar regelmäßig im Fernsehen zu sehen. Häufig sogar in der Primetime. „Das ist wirklich ein Geschenk, wir hätten uns eine solche Werbung nie träumen lassen“, sagt der 55-Jährige. Neben den Fernsehspots hat Google auch Anzeigen in überregionalen Zeitungen geschaltet. „Eine halbe Seite, sowas hätten wir uns sonst nie im Leben leisten können.“ Auch auf Facebook wird der Werbefilm gezeigt.

Der Fernsehauftritt hat die beiden Stendaler bekannt gemacht. „Wenn wir auf der Straße unterwegs sind, sieht man schon, dass die Leute auf einen zeigen oder einen ansprechen. ‚Das ist doch der aus der Werbung‘ heißt es jetzt regelmäßig.“ Die neue Aufmerksamkeit ist ungewohnt für das Ehepaar. „Aber solange es nicht zu aufdringlich wird, ist es okay.“

Bis Mitte Dezember ist die Kampagne von Google noch im Fernsehen zu sehen. Neben der Bau- und Kunstglaserei G. Helmeke aus Stendal sind auch andere handwerkliche Betriebe gefilmt worden, etwa ein Blumenladen aus Berlin und ein Unverpacktladen aus Hamburg. „Das war wirklich ein glücklicher Zufall, dass wir dort mitmachen konnten“, sagt Jörg Helmeke.