Tangerhütte l Die Stendaler Polizei hat am Dienstag bestätigt, dass ein 27-jähriger Mann am Montagabend in einem Netto-Markt in Tangerhütte stark verwirrt aufgetreten sei.

Den dramatischen Übergriff auf die Marktleiterin des Netto-Marktes hat Kundin Jana Schlosser miterlebt. Weil der Mann mit herausgerissenen Tunneln (Ohrschmuck), angetrockneten Blutresten am Hals und ausgeleiertem T-Shirt von Anfang an einen bedrohlichen Eindruck machte, hatten Zeugen den Notruf gewählt. Laut Schlosser hatten sie und weitere Zeugen mehrfach die Polizei gerufen, die sich zunächst gar nicht zuständig sah und einen Arzt empfahl. Erst auf wiederholtes Drängen wurde ein Streifenwagen losgeschickt, erzählt die Zeugin. Der scheinbar unter Drogen stehende oder alkoholisierte Mann, der stark gerötete Augen und einen starren Blick gehabt haben soll, habe gerufen: "Helfen Sie mir! Der will mich töten!"

Kunden versuchten Mann zu beruhigen

Während die Marktleiterin versuchte, den Mann zu beruhigen und ihm sagte, es drohe keine Gefahr, schien dieser sich aber immer mehr aufzuregen, drohte dann die Marktleiterin und den zwei Frauen, die ihr zur Seite standen, umzubringen. "Ich habe selbst schon in einer geschlossenen Psychiatrieeinrichtung gearbeitet und wusste, dass es in Sekunden dramatisch werden kann", sagt Jana Schlosser, der die Angst noch in den Beinen steckt. Gemeinsam brachten die Frauen den Mann in den Personalraum, versuchten ihn zur Ruhe zu bringen und warteten auf die Polizei. Von den Passanten, die sie angesprochen habe, wollte kaum einer helfen, sagt Jana Schosser. Immer wieder lief sie nach vorne, um nach der Polizei zu sehen. "Die Zeit vergeht ja in solchen Situationen wie in Zeitlupe", beschreibt sie.

27-Jähriger würgte Marktleiterin

Plötzlich wurden Hilferufe und Rufe nach einen Notarzt laut. Der aufgebrachte Mann hatte sich mit der Marktleiterin verbarrikadiert und diese zu würgen begonnen. Daraufhin schlugen zwei Kunden auf die Tür ein und schrien, er solle öffnen. Irgendwann riss der Täter die Tür auf und flüchtete in Richtung Innenstadt. Jana Schlosser rief einer Gruppe von Jugendlichen zu, sie sollten von Weitem schauen, wohin der Mann unterwegs ist. Die verletzte Marktleiterin musste von den Rettungskräften behandelt werden.

Erst nach der Flucht sei auch die Polizei aus Stendal eingetroffen, die dann später zur Suche Verstärkung bekam. Am Friedhof soll der Täter später festgenommen worden sein, sie selbst habe ihn in Handschellen gesehen, sagt Jana Schlosser. Die Polizei bestätigte das. Bereitschaftsarzt und Ordnungsamt hätten die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik veranlasst. Der Mann habe auch bei seiner Festnahme stark verwirrt gewirkt und hätte sich nicht in zusammenhängenden Sätzen äußern können. Bei dem 27-Jährigen handelt es sich laut Polizeiangaben um einen Stendaler, der bisher noch nicht polizeilich in Erscheinung getreten war.