Premiere am 28. Oktober am TdA

„Zwölf heißt: Ich liebe dich“ ist ein Theaterstück von Jochen Gehle frei nach dem gleichnamigen Buch von Regina Kaiser und Uwe Karlstedt, deren Geschichte hier in einer Uraufführung erzählt wird.

Anhand der Buchvorlage beschäftigt sich die Inszenierung mit Täter-Opfer-Beziehungen im Stasi-System der DDR und der Erinnerungskultur heute. Jenseits von Kitsch oder Beschönigung nähert sich das Stück seinen Hauptfiguren und ihrer widersprüchlichen Liebesbeziehung.

Inszenierung: Yaron Goldstein

Besetzung:

Christiane 1: Carolin Wieden­bröker

Christiane 2: Michaela Fent

Jens 1: Carsten Faseler

Jens 2: Jochen Gehle

Hanna: Michaela Maxi Schulz

Premiere: Freitag, 28. Oktober, 19.30 Uhr, Kleines Haus des TdA

Weitere Vorstellungen: 10. November, 10 Uhr; 12. November, 19.30 Uhr; 14. November, 10 Uhr; 20. November, 18 Uhr.

Karten: Tel. 03931/63  57  77

Stendal l „Ein Verhör, ein Stasi-Beamter, eine Gefangene, ein Verhörraum, ein Tisch, eine Schreibmaschine, ein Papierblock, Zigaretten, vier Hände, vier Augen – die Topographie einer Liebe!“ Mit diesen knappen Worten beschreibt Regisseur Yaron Goldstein lakonisch und doch wirkungsvoll die Szenerie einer irgendwie unglaublichen Geschichte. Es ist die Geschichte von Regina Kaiser und Uwe Karlstedt – er war Stasi-Offizier, sie Oppositionelle; Anfang der 1980er Jahre wird sie wegen angeblicher Westkontakte im Stasi-Untersuchungs-gefängnis Hohenschönhausen von dem aufstrebenden Beamten über Monate vernommen – und schließlich in Haft gebracht.

Und es geschieht das Unglaubliche: Sie verlieben sich ineinander. „Unfassbar“, möchte man da ausrufen und gleich hinterher ein „Wie kann sie nur?“ Zumal das Bizarre daran ja noch gesteigert wird: Nach der Wende macht sich Regina Kaiser – die mittlerweile in der Gedenkstätte Hohenschönhausen arbeitet – auf die Suche nach ihrem damaligen Vernehmer. Findet ihn und verliebt sich erneut. Bis heute sind Regina und Uwe Karlstedt ein Paar. Ihre Geschichte haben sie in einem Buch aufgeschrieben, ein Film entstand ebenfalls.

Immer wieder rechtfertigen

Wäre da nicht dieser Kontext Stasi, würde man wohl ins Schmachten geraten ob dieses Wiederfindens nach 16 langen Jahren. „Natürlich gab es in der Vernehmung eine Abhängigkeit“, räumt Jochen Gehle ein. Er hat für die Theater-Uraufführung am TdA in Stendal die Bühnenfassung geschrieben, basierend auf dem Buch von Kaiser und Karlstedt. Aber es gab eben auch die Liebe auf den ersten Blick. „Völlig unabhängig von den Umständen.“

Bilder

Dennoch sei es keine Verharmlosung und keine Reduktion der Stasi-Opfer und der DDR-Schattenseiten auf eine Liebesgeschichte – wie es den Protagonisten oft vorgeworfen werde. „Die beiden sind immer wieder gezwungen, sich dafür zu rechtfertigen, das ist das Traurige an ihrer Geschichte“, sagt Jochen Gehle.

Kein nostalgischer Abend

Für ihn und Goldstein steckt darin gleichwohl mehr als „nur“ eine Liebesgeschichte. Es geht um den Umgang mit Geschichte, die Aufarbeitung der Vergangenheit und ihre Instrumentalisierung, um Erinnerungskultur, und auch um Täter-Opfer-Beziehungen. Wohlgemerkt, es solle „kein nostalgischer Abend“ werden, sagt Gehle, „wir wollen die Köpfe aufmachen und die Zuschauer ermuntern, sich mit der Perspektive des Täters wie auch des Opfers auseinanderzusetzen“.

Und darum wird auch die Frage aufgeworfen, „wie in dem neuen System nach der Wende mit dem alten System umgegangen wird, das wird ja oft einfach in eine Schublade gesteckt und verschlossen“, empört sich Goldstein darüber, wie die BRD das System DDR in ihrem Sinne weiterführt und benutzt. „Als rauskam, dass Regina Kaiser als Mitarbeiterin der Gedenkstätte eine Beziehung zu dem ehemaligen Stasi-Offizier hat, hat man sie rausgeworfen!“ Das empfindet Goldstein, der sich selbst als Zaungast in diesem Land bezeichnet, nicht als gelungene Auseinandersetzung mit Geschichte und Geschehnissen.

"Sie waren sehr offen"

Gehle und Goldstein haben sich mit Regina und Uwe Karl­stedt, die inzwischen verheiratet sind, getroffen. „Sie waren sehr offen und ehrlich“, war beider Eindruck. Und sie wollten dem TdA-Team die künstlerische Freiheit lassen, derer es bei aller Realitätstreue bedarf.

Die Auseinandersetzung mit ihrer persönlichen Vergangenheit und Geschichte, mit ihren Überzeugungen dauert beim Paar Karlstedt bis heute an. „Sie lernen sich immer noch kennen“, ist Goldsteins Eindruck. „Und sie haben viel gelitten.“

Premiere der Uraufführung ist am 28. Oktober um 19.30 Uhr im Theater der Altmark. Regina und Uwe Karl­stedt werden dabei sein.