Stendal l Manchmal sind es „nur“ Treuebekundungen von Fußballfans – etwa für den Drittligisten 1. FC Magdeburg. Andere Aufkleber stehen für politische Botschaften wie „Fair-Kehrswende für alle“. Und wieder andere haben links- oder rechtsextremistische Inhalte. So unterschiedlich die Aussagen der Aufkleber auch sind, allen gemeinsam ist: Solche Botschaften sind keine bloßen Meinungsäußerungen – sondern eine Straftat, noch genauer: eine Sachbeschädigung.

Der Umgang damit ist jedoch unterschiedlich. „Sollten mehrere Aufkleber ein Verkehrsschild oder eine Ampel so stark in ihrer Deutung beeinträchtigen, in dem zum Beispiel die rote Farbe nicht mehr zu sehen ist, dann ist das ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr“, erläutert Beatrix Mertens von der Polizeiinspektion Stendal.

Aufkleber führt zu Haftstrafe

Dann werden die Aufkleber sofort entfernt, die Polizei leite zudem ein Strafverfahren ein. Werde ein Täter erwischt, droht ihm im schlimmsten Fall eine bis zu zweijährige Haftstrafe. Auch bei extremistischen Inhalten schreiten Mitarbeiter von Polizei und Stadt so schnell wie möglich ein, um die Aufkleber zu entfernen.

Etwas „großzügiger“ ist der Umgang mit Werbeaufklebern oder Forderungen nach der „Fair-Kehrswende“: Sie werden meist nur entfernt, wenn sie Schilder oder Ampeln „unsichtbar“ werden lassen.

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Keine "Aufkleber-Statistik" in Stendal

Für die Reinigung müssen die Täter meist nicht aufkommen, teilt die Stadtverwaltung Stendal mit; städtische Mitarbeiter seien mit der Reinigung beauftragt. „Dass Kosten dafür entstehen, ist nicht abzustreiten“, bestätigt Jörg Stephan vom Stendaler Bauamt. Genaue Zahlen kann er jedoch nicht liefern – die Verwaltung führe keine „Aufkleber-Statistik“. Doch eines haben er und seine Kollegen beobachtet: „Mitunter ist es tatsächlich so, dass eben entfernte Sticker kurze Zeit wieder ,erneuert‘ werden.“

Doch wie sehen Passanten die vielen Aufkleber, etwa in der Breiten Straße als der Haupt-Einkaufsmeile Stendals? Leonie Eggert (16) aus Stendal sieht die Flut der Botschaften eher gelassen: „Es schadet doch niemandem, solange die Sticker nicht zu groß sind.“ Andere wie Markus Lincke (27) fordern hingegen, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen und zumindest für die Reinigung zahlen zu lassen. Doch wenn Behörden die „Kleber“ erwischen, dann sind es eher zufällige Erfolge - zumal Jörg Stephan offen einräumt, dass die Verwaltung andere Prioritäten habe als wild angebrachte Aufkleber behördlich zu ahnden.