Tangermünde l Es sollte ein Traum werden. Eine Woche Karibikkreuzfahrt, türkisblaues Meer, puderzuckerweiße Strände, wärmende Sonne, während in der Heimat die Pudelmützen aufgesetzt werden. Doch was die Tangermünder Familie Hübner (Name geändert) erlebte, glich dann eher einem Albtraum.

„Wir haben die Reise im Juli vergangenen Jahres gebucht“, begann Yvonne Hübner das Gespräch in der Volksstimme-Redaktion. In die südliche Karibik sollte es gehen. Schwiegereltern und Schwägerin hatten die Reise schon im Internet gebucht. Zusammen mit der dreiköpfigen Familie Hübner sollte es ein Familienausflug der ganz anderen Art werden. Reisebestätigung und Check-in-Liste flatterten ganz pünktlich in den Postkasten, allerdings fehlte der Sicherungsschein. „Ich habe dann bei dem Veranstalter angefufen und den Sicherungsschein angemahnt“, erzählte sie. Er wurde zugesichert, kam jedoch nie an. 800 Euro hatte die Familie im Juli angezahlt, die Restzahlung von 2500 Euro im Dezember geleistet.

Auch ohne den Sicherungsschein stieg die Vorfreude. „Man hört immer von Reiseveranstaltern, die pleite gehen, denkt doch aber immer, dass das nur den Anderen passiert“, schilderte die 36-Jährige die Gefühlslage. Die Impfungen wurden absolviert, Reisepässe erneuert, Visa beantragt. Da kam der erste Wermutstropfen. Der dreijährige Sohn war zwar auf der Teilnehmerliste, aber nicht berechnet worden. So wurden noch einmal 1045 Euro fällig.

Bandansage am Telefon

Sie fragte noch einmal nach dem Sicherungsschein, wieder wurde versprochen, dass er geschickt würde, dann war vom Reiseveranstalter nichts mehr zu hören. Das Gerücht ging um, dass Glückskäfer Reisen, zu denen auch Mein Kapitän gehört, über den die Hübners die Reise gebucht hatten, pleite sein soll. Yvonne Hübner griff wieder zum Telefonhörer. „Es tut uns leid, unser Unternehmen befindet sich gerade in einer Umstrukturierung“, lautete es vom Band. Der Schock saß tief. Kein Reiseveranstalter, keine Reise und vor allem – würden sie je etwas von den über 4000 Euro wiedersehen, ohne Sicherungsschein.

Und nun fiel ihr auf, dass die Auskünfte am Telefon irgendwie immer inkompetent wirkten, die Aussagen nur sehr schwammig waren. Bei der Brandenburger Verbraucherzentrale waren beispielsweise im vergangenen Jahr zahlreiche Beschwerden über das Berliner Reiseunternehmen eingegangen, unter anderem wegen nicht pünktlich verschickter Reiserunterlagen. In den Internetforen wurde kaum ein gutes Haar an dem Veranstalter gelassen. Doch all die Erkenntnisse im Nachhinein halfen nichts. Dann ein Lichtblick. Die Versicherung, die den Schwiegereltern den Sicherungsschein ausgestellt hatte, verbreitet Mitte Januar auf ihrer Internetseite eine Mitteilung an alle von der Insolvenz Betroffenen. Darin wird die Erstattung der Reisekosten zugesichert. Ganz oben auf der Liste der einzureichenden Unterlagen: der Sicherungsschein. Nach mehreren Telefonaten ist aber klar, dass auch Familie Hübner ihr Geld zurückbekommt. Mittlerweile ist es auch eingetroffen – und eine Kreuzfahrt in weite Ferne gerückt.