Stendal l Eine kaputte Hauswand, vier kaputte Autos und ein geschrottetes Verkehrsschild dokumentieren das Ende einer laut Amtsgericht „klassischen Verfolgungsjagd“ zwischen einem Autofahrer und der Polizei. Dafür gab es am Ende für den 34-jährigen Tangermünder wegen Straßenverkehrsgefährdung 90 Tagessätze zu je 10 Euro (900) Euro Geldstrafe.

Der Klassiker schlechthin und Schrecken aller Autofahrer: ein Unfall mit einem Auto, das nicht zugelassen und daher auch nicht versichert ist, dessen Fahrer keine Fahrerlaubnis hat, dafür aber unter Alkohol und/oder illegalen Drogen steht und der weder Arbeit noch Geld hat. Fehlt eigentlich nur noch, dass das Auto geklaut ist.

So geschehen am Abend des 2. August vorigen Jahres in Tangermünde. Einer Polizeistreife fiel im Zusammenhang mit Ermittlungen in einer anderen Strafsache in Tangermünde ein Renault Twingo auf, weil er keine Kennzeichen hatte. Die Beamten nahmen die Verfolgung auf.

Hoher Schaden, den keine Versicherung zahlt

Der Twingo raste mit überhöhter Geschwindigkeit davon und fuhr bei Rot über eine Kreuzung. In der Luisenstraße/Ecke Bebelstraße verlor der Fahrer die Gewalt über sein Fahrzeug und setzt es zunächst gegen eine Hauswand. Sodann prallte er mit vier geparkten Autos zusammen. Der Angeklagte wurde dabei verletzt. Ein Hyundai hat nur noch Schrottwert (11.400 Euro Schaden), die Reparatur eines Mazda kostet über 3000 Euro und die eines Mitsubishi 2000 Euro. Geld, das keine Versicherung zahlt und das der Angeklagte als Hartz IV-Empfänger nicht hat.

„Wer soll das bezahlen?“, fragte ihn Richter Thomas Schulz. „Da knabbern Sie Ihr Leben lang.“ Ein Achselzucken folgt. Und das Versprechen, das „nie mehr“ zu machen: „Ich schwöre.“ Vom Twingo blieb übrigens auch nicht viel übrig. Der spielte am selben Tattag schon in einem anderen Verfahren eine Rolle, über das die Volksstimme im Dezember berichtete. Und in dem ein anderer Tangermünder wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Urkundenfälschung verurteilt wurde, weil er am Twingo geklaute Kennzeichen angebracht hatte.

Stunden später noch 1,94 Promille

Ein Polizist sagte als Zeuge aus, dass er bei der Unfallaufnahme noch mindestens einen weiteren kaputten Pkw festgestellt hatte – einen Citroen. Der stand aber nicht in der Anklage. Zur Tat selbst gab der 34-Jährige an, dass er wegen „familiärer Probleme abgestürzt“ sei und schon am frühen Morgen Alkohol konsumiert hätte. 1,94 Promille Alkohol hatte er noch Stunden später im Blut. Dazu fand die Rechtsmedizin auch noch Amphetamine und Cannabis.

„Ich weiß nicht, was ich da gemacht habe“, gab er an. Warum die Flucht vor der Polizei? – „Ich wollte nur noch weg.“