Stendal l „Still – Augenblicke & Ansichten“. Der Titel der Ausstellung im Altmärkischen Museum Stendal löst sich in Fotografien der Journalistin, Autorin und Fotografin Nora Knappe auf bewegende Art ein. Nach einem Gespräch mit ihr und Museumsleiterin Gabriele Bark in der Katharinenkirche konnten die Besucher der Vernissage in einem Rundgang die 35 Werke im Museum kennenlernen. Musikalisch stimmte Claudia Honscha von der Musik- und Kunstschule am Flügel mit sensibel ausgewählten Stücken ein. Sie spielte „Andrea“ von Manfred Schmitz und „Träume von besseren Tagen“ von Christof Frankhauser.

Hintersinnige Bildbetitelungen

Nora Knappe fängt mit der Kamera ein, woran andere achtlos vorübergehen. Kleine Dinge des Alltages bekommen in ihren Bildern Aufmerksamkeit und ästhetische Gestalt. Sie sind eine Reise an ferne Orte, auch fern von uns, wenn wir sie jeden Tag sehen könnten. Zum Verweilen und zum „Eintauchen“ lud die Fotografin ein und wünschte jedem individuell seine kleinen schönen Momente. Und schnell verteilten sich die zahlreichen Besucher im eng gehängten Museum und ließen sich sofort von einzelnen Fotos in Bann ziehen. Jedes zwingt zum Innehalten und baut einen persönlichen Bezug auf. Sie alle öffnen Zeit und Raum.

Gabriele Bark hat ihr Lieblingsbild schon gefunden. Es heißt „Steinalt“ und zeigt mittelalterliche Wölbungen aus Natursteinen über einem schmalen Durchgang in Südfrankreich, eine Spielerei mit architektonischen Formen. Die Museumsleiterin empfiehlt, die Ausstellung zu verschiedenen Tageszeiten zu besuchen, da die wechselnden Lichteinfälle den Bildern immer wieder neue Geschichten entlocken.

Bilder

Kleine Augenblicke, große Ansichten

Und diese Geschichten entstanden sofort und wurden rege ausgetauscht. Besondere Freude machten auch die hintersinnigen Bildbetitelungen, die oft eine weitere Sichtweise erschließen oder einfach nur lustig sind. Eine Schnecke, die eine altmärkische Backsteinmauer hochklettert, wird als „Freeclimber“, ein aus dem Wasser herausragender Stein am Ostseestrand als „Stoiker“ oder eine isländische Mooslandschaft als „Trollteppich“ bezeichnet. Eine Besucherin spricht von „leisem Humor“ – da ist sie wieder, die Stille.

In Myanmar steht ein Mann mit einem großen Strohhut und einer Angel tief im Wasser und bewegt sich nicht. Im glatten Wasser spiegelt sich der große asiatische Baum hinter ihm in gespenstig skurriler Weise. Das Bild heißt „Geduld“. Ein Fenster in Amsterdam spiegelt eine beleuchtete bunte Häuserfassade wie eine Puppenstube. Man stellt sich die gemütlichen Gespräche in den vielen kleinen Wohnungen vor. Eine schwarz-weiß fotografierte altmärkische Werkstatt mit alter Werkbank, schwerem Schraubstock und sorgfältig abgelegtem Werkzeug lässt den Blick auf die einen Spalt geöffnete Holztür fallen, durch die gleißendes Sonnenlicht hinein fällt. Hier erzählt die Stille als Pause zugleich die vergangene oder kommende laute und schwere Arbeit mit.

Und so werden viele kleine stille Augenblicke von Nora Knappe beim Betrachter zu großen bewegenden Ansichten. Wer der Hektik allgemeiner Geschäftigkeit entgehen und in der Stille Neues sehen möchte, kann die Ausstellung noch bis zum 24. September von Dienstag bis Sonntag im Altmärkischen Museum in Stendal besuchen. Es lohnt sich.