Rostock l Sie hatten den Wasserweg von Osterburg nach Rostock unters Paddel genommen, wollten das Wasser des Stadthafens während der Eröffnungsfeier zu ihrer großen Bühne machen – und dann waren es Unmengen Wasser von oben und Sturm, die der achtköpfigen Crew einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht haben. Wegen des Unwetters wurde die Eröffnungsfeier am Donnerstagabend, bei der auch historische Schiffe hätten einlaufen sollen, abgesagt.

„Natürlich sind wir ein bisschen enttäuscht“, sagte Osterburgs stellvertretender Bürgermeister Detlef Kränzel, der mit an Bord war. „Aber es war eine schöne Tour, die Bedingungen waren hervorragend“, resümierte Kapitän Ronald „Pitt“ Krüger. Er hatte im vergangenen Jahr während des Hansetages im niederländischen Kampen die Idee, von Osterburg nach Rostock zu paddeln. Im letzten halben Jahr hatte er mit seiner Crew alles vorbereitet, das Mehrpersonen-Kanu sogar mit einem Mast zum Segeln ausgerüstet, gemeinsam wurde trainiert.

200 Kilometer gepaddelt

Am 13. Juni war das Boot unter der Flagge des Altmärkischen Hansebundes auf der Biese in Osterburg gestartet. 208 Kilometer sind sie gepaddelt, gut 30 Kilometer lang war die längste Tagesetappe. In den Orten, in denen Pause gemacht oder die Nacht verbracht wurde, kamen die Altmärker mit vielen Menschen ins Gespräch, rührten die Werbetrommel für Rostock. Davon können die acht Mitpaddler ebenso berichten wie über die kurze Fahrt auf einer Wildwasser-Strecke oder so gute Wetterbedingungen, dass auf der Warnow bis nach Rostock sogar richtig gesegelt werden konnte. Am Mittwoch waren die Osterburger angekommen, am Donnerstag wurde das Boot dann noch einmal auf Vordermann gebracht, wurde es gewaschen und für den großen Auftritt vorbereitet – der allerdings ins Wasser fiel. „Schade, das wäre die Krönung unserer Tour gewesen“, sagte Ronald Krüger, der gestern mit Detlef Kränzel sowie Elke und Christian Ohnesorge in historischen Kostümen als Vertreter der Hansestadt Osterburg auf dem Festgebiet unterwegs war.

Bilder

Eine ihrer Stationen war das Kröpeliner Tor. Dort spielte nicht nur „Biese-Brass“, die kleine Formation der Osterburger Blasmusikanten auf, direkt daneben wird während des Hansetages die Fotoausstellung „Stadt der Zukunft“ gezeigt. In zwei Containern und mit großen Fotos auf dem Platz davor zeigen 18 Künstler aus 16 Hansestädten ihre Arbeiten. Darunter die gebürtige Seehäuserin Malina Bura, die in Berlin lebt und für die Stadt Osterburg Arbeiten eingereicht hat. Sie selbst konnte gestern nicht zur Eröffnung der Ausstellung kommen.

Zeigen, wie die Menschen leben

Nicht auf die monumentalen Bauwerke schauen, sondern die Menschen zeigen, wie sie leben, und die Städte, wie sie sich entwickeln können – das war die Aufgabenstellung an die Fotokünstler. Und die sei sehr gut umgesetzt worden, sagte der Lübecker Hanse-Vormann Jan Lindenau.

Malina Bura hat sich bei der Motivwahl für verlassene Gebäude in Osterburg entschieden, die vor dem Abriss stehen. Damit wolle sie „keine Verklärung ruinöser Orte“ vornehmen, heißt es im Text der Ausstellung, sondern vielmehr den Blick auf einen „geschichtsbewussten Umgang mit der Bausubstanz der jüngeren Vergangenheit“ richten. „Die Zukunft erwächst aus einer breiten gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der Geschichte und der Architektur der DDR, nicht aus der Tilgung dieser Vergangenheit aus dem Stadtbild“, schreibt die Fotografin zu ihren Arbeiten.

Hanse-Statue mit Splitter

Während die Fotografien nur am Hansetag-Wochenende in Rostock gezeigt werden, startet heute Nachmittag eine internationale Hanseausstellung in der Hochschule für Musik und Theater Rostock. Sie wird bis zum 8. Juli gezeigt, danach ist eine Wanderausstellung geplant. Der Altmärkische Hansebund ist mit einer Hanse-Statue vertreten (wir berichteten), deren oberer Teil ein Hanse-Splitter des Wall­stawer Künstlers Michael Hitschold ist. Er ist auch schon in Rostock und zeigt im Pavillon des Hansebundes eine andere Version seiner Hansesplitter-Arbeiten.

Dazu und darüber, wie sich die altmärkischen Hansestädte in Rostock präsentiert haben, lesen Sie mehr in einer der nächsten Ausgaben.