Ehrenamt

Vom Stadtrat beschlossen: Ehrenamtskarte für die Hansestadt Stendal gibt es ab 2023

Die Hansestadt Stendal bekommt endlich eine Ehrenamtskarte. Diese soll ihren Inhabern vergünstigte Eintrittspreise und Rabatte bei Gewerbepartnern bieten. Der Stadtrat hat die Richtlinie zur Vergabe beschlossen. Weil die aber erst mit dem 1. Januar 2022 in Kraft tritt, kann sie auch erst im kommenden Jahr umgesetzt werden. Das heißt in der Praxis, dass die ersten Ehrenamtskarten frühestens für das Jahr 2023 ausgegeben werden können.

Von Donald Lyko
So sieht die Ehrenamtskarte der Stadt Dessau-Roßlau aus. Die Stendaler Karte muss nun entworfen werden.
So sieht die Ehrenamtskarte der Stadt Dessau-Roßlau aus. Die Stendaler Karte muss nun entworfen werden. Foto: Stadt Dessau-Roßlau

Stendal - Es hat etwas gedauert, doch nun ist die Entscheidung gefallen: Ab 1. Januar 2022 gilt die Richtlinie zur Vergabe der Ehrenamtskarte für die Hansestadt Stendal. Bis Ende Oktober 2022 können die ersten Anträge gestellt werden, für 2023 werden dann erstmals Ehrenamtskarten ausgegeben. Nach monatelanger Debatte und einigen Änderungsvorschlägen hat sich der Stadtrat mit deutlicher Mehrheit für dieses Angebot an Ehrenamtliche ausgesprochen. Geplant ist, dass Inhaber der Ehrenamtskarte Vergünstigungen bei den Eintrittspreisen in städtische Einrichtungen oder Rabatte bei Partnern der Aktion bekommen. Diese sollen in den kommenden Monaten geworben werden.

Empfänger müssen nicht unbedingt in Stendal wohnen

Der Anspruch auf die Ehrenamtskarte ist an mehrere Voraussetzungen geknüpft: Es muss sich bei der ehrenamtlichen Tätigkeit um eine freiwillige und gemeinnützige handeln. Jugendliche von 14 bis 18 Jahren müssen mindestens eineinhalb Stunden pro Woche oder 60 Stunden im Jahr aktiv sein, für Erwachsene sind mindestens zweieinhalb Stunden pro Woche oder 120 Stunden im Jahr vorgegeben. Mehrere ehrenamtliche Tätigkeiten können addiert werden. Und weiter: Die ehrenamtliche Tätigkeit muss seit mindestens einem Jahr ausgeführt und soll auch fortgeführt werden.

Eine Ehrenamtskarte kann jeder beantragen, der das 14. Lebensjahr vollendet hat. Für die Vergabe ist nicht der Wohnsitz entscheidend, aber das Ehrenamt muss in der Hansestadt Stendal ausgeführt werden beziehungsweise für Vereine, Verbände oder Initiativen, die ihren Hauptsitz oder ihre Geschäftsstelle in der Hansestadt haben. Die Ehrenamtskarte ist für ein Jahr gültig und kann um ein weiteres Jahr verlängert werden, wenn die Voraussetzungen dafür weiter gegeben sind.

Herausgeber ist die Stadt selbst, für die praktische Umsetzung kann sie einen externen Partner ins Boot holen. Laut beschlossener Richtlinie soll das alle drei Jahre über eine Ausschreibung erfolgen.

Während zweier Sitzungsrunden hatte es diverse Änderungen gegeben, unter anderem war die notwendige Stundenzahl herabgesetzt worden. Für die jüngste Ratssitzung hatte Christian Röhl, Vorsitzender der Fraktion Freie Stadträte Stendal/Bürger für Stendal, recht kurzfristig als Änderungsantrag eine Fassung der Richtlinie zur Vergabe der Ehrenamtskarte vorbereitet, in der alles berücksichtigt wurde. Das kam nicht bei allen gut an.

Olaf Meinecke (Linke): „Das ist eine Frechheit“

„Das ist eine Frechheit. Das hat nichts mehr mit Respekt vor irgendjemandem zu tun“, reagierte Olaf Meinecke (Linke). Er könne das Papier doch nicht am Vorabend verschicken, wandte er sich direkt an Christian Röhl, und glauben, dass es sich jeder durchliest und auf Richtigkeit prüft. Meinecke: „Mittlerweile habe ich hier kein Vertrauen mehr zu irgendjemand, außer meiner Fraktion.“ Es sei Aufgabe der Verwaltung „und nicht Ihre, die Beschlüsse zusammenzufassen und hier vorzulegen“, sagte er zu Christian Röhl.

Der konterte: „Sie schätzen bitte Arbeiten anderer nicht als ,Frechheit’ ein. Das steht Ihnen einfach nicht zu.“ Er habe die überarbeitete Fassung vorgelegt, damit der Stadtrat eine Textfassung hat, über die er abstimmen kann, verteidigte der FSS/BfS-Fraktionsvorsitzende seinen Vorstoß. Der Änderungsantrag bekam eine Mehrheit, anschließend die Richtlinie insgesamt.