Stendal l Als sich Hans-Jürgen Schaffrath am Samstagvormittag auf den Rückweg nach Langensalzwedel machte, war er „nicht zufrieden“. „Ich wollte mit meiner Frage Eckhard Gnodtke nicht persönlich angreifen, sondern nur wissen, welche Schlüsse innerhalb der CDU nach der Stendaler Briefwahlaffäre gezogen wurden“, sagte Schaffrath. Die Antwort von dem Bundestagskandidaten konnte ihn nicht überzeugen, im Gegenteil: „Den wähle ich nicht. Das passt nicht mit uns“, sagte Schaffrath und zog von dannen. Er war nicht der einzige, der sich von dem Dialog mit den Bundestagskandidaten Marina Kermer (SPD) und Eckhard Gnodtke (CDU) wohl mehr erhofft hatte.

Die Volksstimme mit Moderator Thomas Pusch hatte die beiden Kandidaten zum Tiergarten geladen, in das Stendaler Stadtseeviertel, dem Gebiet mit der niedrigsten Wahlbeteiligung in der Altmark. Und gleich als erster Fragesteller brachte Hans-Jürgen Schaffrath Gnodtke in Fahrt. Schaffrath monierte unbeantwortete Fragen in der Briefwahlaffäre, dabei sei auch innerhalb der CDU eine nachhaltige Aufklärung gefordert worden. Wie also steht die CDU dazu, wollte er wissen.

„Warum stellen Sie mir diese Frage? Das verstehe ich nicht“, antwortete Gnodtke. Es gebe ja keine „Sippenhaft“, noch dazu komme er aus dem Altmarkkreis Salzwedel. „Ich verfolge die Aufarbeitung durch den Untersuchungsausschuss im Landtag genauso wie Sie“, schloss Gnodtke.

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Auch der Stendaler Uwe Pawelek fragte, wie die Parteien nach Wahlaffäre und Sparkassenskandal das Vertrauen der Wähler zurückgewinnen wollen. „Durch Ihre Unglaubwürdigkeit verlieren Sie immer mehr Wähler. Niemand will Verantwortung übernehmen, und das regt uns auf“, sagte Pawelek.

A 14 und Verdrossenheit

SPD-Bundestagskandidatin Marina Kermer äußerte darauf ihre Sorge, dass man „in die Zukunft geht und sagt: ‚Unser Land ist wunderschön.‘“ Dass Vertrauen der Wähler möchte sie daher mit Investitionen in die Zukunft – „wir müssen in Kinder investieren und nicht in Aufrüstung“ – gewinnen. Eckhard Gnodtke hob das Digital-Paket hervor, dass ab 2018 die Digitale Bildung an Schulen voranbringen soll. Oft aber wurde mit Zahlen hantiert, Thomas Pusch bat, das zu unterlassen. „Keiner der Umstehenden kennt diese Zahlen, und Herr Pawelek sieht jetzt nach zehn Minuten auch nicht glücklicher aus als vorher.“

Der Stendaler setzte noch einmal nach, sprach den verschleppten Bau der A 14 an, „die Altmark ist doch total abgeschnitten“. Kermer versprach, dranzubleiben, weil das ihr Thema sei. „Jetzt ist aber auch das Landesministerium gefragt, keine weiteren Verzögerungen zuzulassen.“ Für die Querverbindung B190n wollen sich SPD und CDU gleichermaßen engagiert haben, „wir sehen, alle haben sich dafür eingesetzt und trotzdem kommt es schleppend voran“, fasste Thomas Pusch zusammen.

Zuletzt wollte Juliane Kleemann, Mitglied der SPD, wissen, wie die Parteien Leidenschaft auch bei Jugendlichen für demokratische Prozesse wecken wollen. „Ich blicke auch mit Sorge auf die anstehende Wahl“, sagte Kleemann. „Das ein Wähler Verdruss hat, keine Frage, aber es ist keine Politikverdrossenheit da“, meinte Gnodtke. „Die Menschen sind interessierter und weniger verdrossen, als wir denken. Sie stehen ja auch hier.“ Pawelek warf trocken ein: „Wir sind eine Handvoll. Die Stadt hat 40 000 Einwohner.“