Stendaler Theater weicht aus

Warum das Theater der Altmark in Stendaler Kaufhaus zieht

Die energetische Sanierung des Haupthauses des Theaters der Altmark wird nicht fertig. Deshalb zieht das Theater der Altmark ins Uppstall-Kaufhaus in der Stendaler Innenstadt.

13.07.2021, 16:59 • Aktualisiert: 14.07.2021, 11:09
Im September öffnet im ehemaligen Uppstall-Kaufhaus in der Stendaler Innenstadt das Theater eine temporäre Spielstätte.
Im September öffnet im ehemaligen Uppstall-Kaufhaus in der Stendaler Innenstadt das Theater eine temporäre Spielstätte. Foto: Antonius Wollmann

Stendal (wo) - Der ein oder andere Stendaler hatte womöglich gar nicht mehr daran geglaubt, dass sich in Sachen Uppstall-Kaufhaus überhaupt noch etwas tun würde. Seit dem Dezember 2011 steht das 1997 mit großen Hoffnungen eingeweihte Gebäude leer. Kein Nutzer in Sicht. Zuletzt hatten sich vage Spekulationen über eine mögliche Nutzung als Drehort der Serie „Babylon Berlin“ als eben das erwiesen: vage Spekulationen. Alle Skeptiker werden nun Lügen gestraft. Schon im September ziehen tatsächlich Schauspieler in das ehemalige Kaufhaus. Zwar nicht die Crew einer deutschlandweit bekannten Fernsehserie, sondern das Ensemble des Theaters der Altmark (TdA). Und mit ihnen all jene Gewerke, die man braucht, um vor Publikum zu spielen.

Doch bevor ein falscher Eindruck entsteht: Das Uppstall-Kaufhaus wird nicht zur Spielstätte, weil es den Mitarbeitern besonders ans Herz gewachsen ist. Der temporäre Einzug ist einzig und allein der Tatsache geschuldet, dass die energetische Sanierung des Haupthauses in der Karlstraße viel länger dauert als geplant und eine Ende nicht absehbar ist.

Theater mindestens bis Februar zu Gast

„ Als im Mai feststand, dass es zu erneuten Verzögerungen kommen wird, haben wir uns im Team zusammengesetzt und verschiedene Szenarien diskutiert. Da sind wir dann schnell auf die Idee gekommen, dass das Kaufhaus eine gute Option sein könnte“, sagt TdA-Intendant Wolf E. Rahlfs.

Momentan gehe er davon aus, mindestens die Zeit bis zu den ersten Theaterferien im Februar in dem neuen Quartier zu verbringen. Aber auch auf einen längeren Zeitraum sei man eingestellt. Den Kontakt zum Verwalter der Immobilie herzustellen und diesen vom Plan zu überzeugen, sei nicht schwer gewesen. Auch bei den Mietkosten sei man sich einig geworden.

Umbau und Probenlaufen parallel

Die Vorteile liegen aus Rahlfs Sicht auf der Hand. Mit einer Fläche von 4000 Quadratmetern steht viel Platz zur Verfügung; vor bis zu 200 Zuschauern kann hier gespielt werden. Die Zahl der Ausweichstätten reduziert sich von zehn auf fünf, was für die TdA-Mitarbeiter deutlich weniger Aufwand bedeute.

Davon abgesehen überzeuge die Innenstadtlage, und den Menschen sei das Uppstall-Kaufhaus ein Begriff. Mal ganz davon abgesehen, dass die Räumlichkeiten insgesamt die Vorgaben der Versammlungsstättenverordnung des Landes erfüllen. Diese Vorteile ändern allerdings nichts daran, dass es sich bei der Spielstätte um ein leerstehendes Kaufhaus handelt. Der Aufwand, es fit fürs Theater zu machen, ist erheblich. „Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir 4000 Quadratmeter Leerstand füllen“, weist Rahlfs auf den Aspekt hin, dass viel Platz zwar von Vorteil ist, dieser aber sinnvoll gestaltet werden muss.

Umso mehr, weil nicht mehr viel Zeit bleibt, bis am 11. September die erste Premiere gefeiert wird. „Wir verfügen zum Glück über viel Material, um die Aufgabe zu stemmen“, sagt der Intendant. Die Technik für Bühnen, Licht und Ton sei vorhanden. Eine größere Belastung sei es eher, dass Umbau und Proben fast parallel stattfinden müssen.

Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass das TdA die Räume des Kaufhauses nutzt. Wirklich vergleichen kann man die Anlässe jedoch kaum. Im Juni 2014 hatte das Haus eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit Studenten der Hochschule in den Räumen initiiert.