Pandemie

Warum es im Landkreis Stendal weniger Corona-Tote gibt als bisher angenommen

Von Mike Kahnert

Stendal

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat in der vergangenen Woche bis zu 25 weniger Corona-Sterbefälle für den Landkreis Stendal gemeldet, als bisher vom Sozialministerium des Landes Sachsen-Anhalt bekanntgegeben. Das Ministerium erklärt auf Volksstimme-Nachfrage, wie es dazu kam.

179 Corona-Tote wurden bis zum 30. April an das RKI übermittelt. Das teilt Ute Albersmann, Pressesprecherin des Sozialministeriums, mit. „Davon entsprächen 23 nicht der Referenzdefinition des RKI.“ Auf der Webseite des Instituts ist ein krankheitsbedingter Tod allgemein definiert als: „Tod eines Meldefalls, wenn Hinweise vorliegen, dass die erfasste Krankheit zum Tod zumindest beigetragen hat“.

Robert Koch-Institut definiert Erkrankung am Coronavirus

Weiter hat das RKI auf seiner Webseite ein Informationsblatt veröffentlicht, das erklärt, ab wann eine Erkrankung am Coronavirus als Fall in die Statistik aufgenommen wird. Demzufolge ist mindestens ein labordiagnostischer Nachweis (direkter Nachweis des Erregers) notwendig – beispielsweise mit einem Antigennachweis, einschließlich Schnelltest.

Bei den 23 erwähnten Fällen „handele es sich um symptomatische, teilweise schwer erkrankte Pflegeheimbewohner“, so Ute Albersmann. „Bei ihnen sei entweder nur ein Antigennachweis positiv geführt oder die Art des Labornachweises nicht übermittelt worden.“ Da es bei diesen Verstorbenen einen positiven Nachweis gab, scheint die Krankheit nach der RKI-Definition aber nicht zum Tod der Personen beigetragen zu haben, weshalb sie nun nicht mehr als Corona-Sterbefälle in der Statistik geführt werden.

Corona-Todesfälle im Landkreis Stendal, die der Definition des RKI entsprechen

Aktuell entsprechen 156 Todesfälle im Landkreis Stendal der Referenzdefinition, teilt Ute Albersmann mit. Fehlen noch zwei. Diese Differenz erklärt sich durch das verzögerte Eintragen von Daten der RKI-Mitarbeiter, die täglich Tausende Zahlen in ihre Statistik einpflegen müssen.

Die Zahlen des RKI sind laut Infektionsschutzgesetz maßgeblich für die Corona-Einschränkungen in den einzelnen Landkreisen.