Tangerhütte l Es wurde emotional und laut am Montagabend im Sozialausschuss, in dem es allein um die Zukunft des Wildparks gehen sollte. Nach zwei Stunden Diskussion und scheinbarem Einvernehmen in Sachen Erhalt durch die Kommune entrüstete sich Bürgermeister Brohm (parteilos) über die Bekenntnisse und führte das Diskussionsergebnis faktisch ad absurdum. Das sorgte für Frust und Verwunderung.

 Mehrere Sozialausschussmitglieder verließen die Sondersitzung zum Wildpark am Montagabend, auf der es hoch her ging. Auch die Verbliebenen waren verunsichert, mit welchem Ergebnis man nun aus der Veranstaltung gehe. Nach einer öffentlichen Einwohnerversammlung und der Beratung mit dem Wildpark-Förderverein schien die Aufgabe für die Verwaltung klar: Der Wildpark soll in kommunaler Hand bleiben, die Verwaltung Lösungen erarbeiten. Und so lasen sich auch die drei Varianten, die der Bürgermeister im Sozialausschuss vorstellte.

Schnell war klar, dass eine gGmbH durch regionale Landwirte (die zwar als Experten ihre Unterstützung zugesagt hatten, aber - wie Michel Allmrodt, FDP, sagte - damit sicher keine Firmengründung im Visier hatten) keine Lösung sei. Es blieben eine Variante des weiteren Betriebs durch die Kommune und der Verpachtung an Fachleute (Kommune bleibt Eigentümer).

Park weiterhin in kommunaler Hand

Beides wäre mit einem finanziellen Zuschuss/Defizitausgleich verbunden, ausgewiesen waren 180.000 Euro für die erste Variante und angenommene 100.000 Euro für die letzte. Trotz schwieriger Haushaltslage herrschte Einigkeit darüber, dass die erste Variante favorisiert werden sollte und dass eine solche Anlage nie ohne Defizit betrieben werden könne. Man zweifelte aber auch an, dass der Zuschussbedarf tatsächlich so hoch sein muss, wie von der Verwaltung kalkuliert.

Diese hatte mehrfach darauf hingewiesen, dass in früheren Haushaltsaufstellungen Posten wie beispielsweise Instandhaltungen zu gering ausgewiesen worden seien. Man plane inzwischen auch mit Personalkosten von 230.000 Euro für 2020 (2019 waren es 149.000 Euro) und zusätzlichen Instandhaltungskosten sowie Vorräten/Futterkosten (bisher geplant 8500) ab 2020 in Höhe von 30.000 Euro. Mehrere Ausschussmitglieder erklärten, dass ihnen die Zahlen als Grundlage für Entscheidungen fehlten, weil diese nur kurz als Projektion an die Wand geworfen worden waren.

Räte bemängelten fehlende Unterlagen

Man wolle die Zahlen prüfen, hieß es unter anderem von Edith Braun (WG Lüderitz), die auch vorher schon kritisiert hatte, dass jegliche Unterlagen für die Sitzung fehlten. „Dafür haben Sie eine Verwaltung! Sonst können wir nach Hause gehen“, hielt Bürgermeister Brohm (parteilos) dagegen.

Edith Braun und Ausschussvorsitzende Carmen Kalkofen (WG Südliche Altmark), bekamen sich verbal in die Haare. Kalkofen hatte Braun dazu auffordert, „das permanente Gestichel gegen die Verwaltung zu unterlassen“.

1,3 Millionen Euro fehlen im Haushalt

Als es schließlich daran ging, ein Ergebnis der Beratung zu formulieren, die auch bis dahin teils recht emotional geführt worden war, wurde der Bürgermeister zum ersten Mal an dem Abend laut: „Sie haben alle den Schuss noch nicht gehört!“ Er sprach von einem künftigen Haushaltsplan, der eigentlich gar keine Zuschüsse zulasse, sondern in dem schon nach jetzigem Stand 1,3 Millionen Euro fehlten. „Und Sie legen gerade fest, dass wir uns nicht von Kosten trennen!“, empörte er sich über die Bekenntnisse, den Wildpark in der Kommmune behalten zu wollen. Daniel Wegener (WG Zukunft) ärgerte sich über den Ton und das Ergebnis: „Sie legen uns drei Varianten vor, es gab viele gute Ideen und jetzt sagt der Bürgermeister, dass eigentlich alles plusminus Null ausgehen muss? Dann frage ich mich, warum wir hier gesessen haben!“ Er verließ die Sitzung, ihm folgten kurz danach auch Marcus Graubner (CDU), Edith Braun (WG Lüderitz) und Rita Platte (WG Altmark-Elbe).

Zuvor hatte auch die Leiterin des Amtes für Verwaltungssteuerung, Kathleen Altmann, emotional und laut reagiert: „Ich bin schockiert, dass man uns alles hier so negativ anlastet. Wir haben alle zusammen Jahre lang die Augen zugemacht ... wir haben den Park verloddern lassen, weil wir die Defizite nicht stemmen wollten. Ich habe heute nicht eine konkrete Idee gehört!“

Vorschläge wie das Einbinden von Senioren und Ehrenamtlern seien ihr zu ungenau, auch der Tierpark Stendal oder die Lebenshilfe, die benannt wurden, könnten nicht helfen. Verkleinerungen des Parkes waren im Gespräch, es müsse allerdings geprüft werden, wo Bindungsfristen für Fördermittel gelten, hieß es. Es hieß aber auch, die Zeit laufe davon. Bis 9. Dezember bräuchte der Park eine neue Zoogenehmigung, die aber hänge mit Fachpersonal zusammen.

Morgen neue Leitungsstelle ausschreiben?

Michael Grupe (Ortsbürgermeister Uchtdorf) forderte an dem Abend mehrfach, „gleich morgen“ eine neue Leitung für den Wildpark auszuschreiben. Wieder reagierte der Bürgermeister laut, denn das löse das Problem nicht. „Wo steht, dass die Einheitsgemeinde Träger eines Wildparks sein muss?“ Er bezeichnete die Anwesenden als intelligente Menschen, „aber keiner kommt auf die Erkenntnis, dass wir das nicht können!“ Es herrschte Verwirrung, selbst die Vorsitzende sagte: „Ich verstehe das auch nicht richtig.“

Am Ende fasste Sven Wegener (Die Linke), der zuvor immer wieder dafür plädiert hatte, sich zum Defizitausgleich für den Park zu bekennen, zusammen: „Was nehmen wir dann heute mit? Dass der Park so nicht zu halten ist und das Abgeben aus Sicht des Bürgermeisters alternativlos ist? Das verstehe ich jetzt so.“ Bürgermeister Brohm bezeichnete das als Interpretion. Ralf-Peter Bierstedt (SPD) sagte: Mir missfällt der Ton, der hier herrscht, die Sachlichkeit fehlt. Auch Frau Altmann sollte mal ihren Ton den Stadträten gegenüber überdenken, wir können nicht gegeneinander arbeiten!“

Bürgermeister entschuldigt sich

Sowohl Kathleen Altmann als auch der Bürgermeister entschuldigten sich am Ende. Kathleen Altmann sprach davon, dass die Verwaltung eigentlich Überlastungsanzeigen schreiben müsste und sich seit Wochen fast ausschließlich mit dem Wildpark beschäftige. Hinzu komme, dass bestimmte Stadträte die Verwaltung täglich terrorisieren würden, erklärte sie und sagte: „Wenn wir so weiter machen, fahren wir das Ding an die Wand!“ Bürgermeister Andreas Brohm sagte noch einmal ganz klar: „Es führen 100 Wege nach Rom, entscheidend ist nicht, wem der Wildpark gehört!“

Die Stadträte, die vorzeitig gegangen waren, wollen sich weiter für den Wildpark-Erhalt in der Kommune stark machen, aber nicht mehr in endlosen Diskussionen. Seine Fraktion plane, sich direkt mit dem Förderverein zusammenzusetzen, teilte etwa Marcus Graubner (CDU) mit. Der Umgang der Kommune mit dem Wildpark wird im nächsten Stadtrat Thema sein.