Arneburg/Stendal l Es sind gute Wirtschaftsnachrichten in schwierigen Corona-Zeiten, die Landrat Patrick Puhlmann (SPD) während seines Antrittsbesuchs im Zellstoffwerk Mercer Stendal erfahren hat: Bis zum Jahr 2022 investiert das Unternehmen einen zweistelligen Millionenbetrag, um die Produktion kräftig zu steigern.

Bereits seit dem vorletzten Jahr bereite das Werk das Projekt „Stendal 740“ vor, erläuterten Geschäftsführer André Listemann und Werkleiter Martin Zenker dem Landrat: Ziel sei eine Produktionskapazität von jährlich 740.000 Tonnen; derzeit sind es rund 675.000. Dazu verarbeitet das Werk jährlich mehr als drei Millionen Festmeter Nadelholz.

Umgesetzt werde „Stendal 740“ in mehreren Teilprojekten, kündigte Mercer an: Während turnusmäßigen Generalreparaturen lasse das Werk bis 2022 die Anlagen sukzessive erweitern.

455 Mitarbeiter

Für den noch immer als strukturschwach geltenden Landkreis Stendal ist das Zellstoffwerk auf dem Areal des früheren Atomkraftwerks bei Arneburg immens wichtig: Der Betrieb sei „einer der größten Arbeitgeber im Norden Sachsen-Anhalts“, hob die Stendaler Kreisverwaltung in einer Mitteilung über Puhlmanns Antrittsbesuch Mitte Juni hervor.

Nach Unternehmensangaben beschäftigt Mercer Stendal einschließlich der Auszubildenden aktuell 455 Mitarbeiter. Mit der bevorstehenden Produktionserweiterung sei zwar keine direkte Stellen-Aufstockung verbunden, „aber aus einer allmählichen Vergrößerung des Werks entstehen indirekt durchaus einige Arbeitsplätze mehr“, hieß es  aus der Geschäftsführung.

Kooperation bei Energie

Puhlmann, Listemann und Zenker verabredeten laut Kreisverwaltung einen ständigen Austausch im Rahmen der Wirtschaftsförderung. So wolle man unter anderem bei Projekten im Energiebereich zusammenarbeiten. Nach eigenen Angaben betreibt Mercer schon jetzt das deutschlandweit größte mit Festbrennstoff betriebene Biomasse-Kraftwerk: Die Leistung liege bei 135 Megawatt elektrischer Energie. Theoretisch würde das für die Versorgung von rund 250.000 Privathaushalten reichen. Tatsächlich aber speist das Zellstoffwerk „nur“ 40 bis 50 Prozent der Energie ins öffentliche Netz ein. Die andere Hälfte dient der Eigenversorgung des Werks, das damit unabhängig von anderen Stromproduzenten ist.

Fast 450 Millionen Umsatz

Hauptprodukt in Arneburg ist jedoch nicht Energie, sondern Zellstoff: Er werde sowohl für die Herstellung von Druck- und Kopierpapier als auch für Toilettenpapier, Küchenrollen oder Filtertüten benötigt. Auch in Tapeten stecke oftmals Zellstoff aus der Altmark.

Landrat Puhlmann bescheinigte Mercer Stendal eine „kurze, aber sehr erfolgreiche Entwicklungsgeschichte“: Seit 16 Jahren ist es in Betrieb, die Investitionssumme belief sich auf rund eine Milliarde Euro. Für 2019 gibt Mercer Stendal den Umsatzerlös mit 449 Millionen Euro an – diese Summe dürfte in den kommenden Jahren angesichts der steigenden Kapazitäten ebenfalls deutlich größer werden.