Stendal l Kleinere Wohnungen sind besser für das Klima, doch im Landkreis Stendal steigen die Wohnflächen pro Kopf immer weiter an. Auch die Anzahl der Wohnungen wächst unproportional zum Bedarf: Nach Zahlen des Zeitungsdienstes Südwest würden auf Grundlage der Bevölkerungsentwicklung jährlich 118 neue Wohnungen im Kreis Stendal benötigt. „Durch das reale Baugeschehen bis zum Jahreswechsel 2020 erhöhte sich der hiesige Bestand aber tatsächlich um 152 Wohnungen“, schreibt Teja Banzhaf vom Zeitungsdienst Südwest.

Umso kleiner, desto besser für's Klima

Insgesamt gäbe es im Kreis Stendal zum Stichtag (31. Dezember 2019) 66.171 Wohnungen aller Art und Größe. Dazu kämen 25.990 Einfamilienhäuser. Obwohl kleine Wohnungen besser für das Klima wären, machen sie den geringsten Teil des Wohnungsmarktes aus. Nur 2,2 Prozent der Wohnungen seien Einzimmerwohnungen, 8,6 Prozent hätten zwei Räume. Das Problem dabei: Größere Wohnungen seien schlecht für das Klima. Die steigende pro Kopf Quadratmeterzahl spräche dafür, dass sich dieses Problem in Zukunft nicht verbessert, sondern eher verschlechtern würde.

Über die steigenden Wohnflächen bietet eine Studie vom Wuppertal Institut für Fridays for Future Aufschluss. So liegt laut dieser Studie der bundesweite Durchschnitt bei 47 Quadratmetern Wohnfläche pro Kopf. Im Jahr 2000 lag die pro Kopf Wohnfläche bei 39,5 Quadratmetern, im Jahr 1960 waren es nur 19 Quadratmeter.

Tendenz: Mehr Fläche pro Kopf

Die Tendenz ist deutlich: mehr Fläche für jeden einzelnen. „Dies bedeutet nicht nur eine Zunahme des Flächen- und Ressourcenverbrauchs, sondern auch der zu beheizenden Wohnfläche“, heißt es in dem Endbericht der Studie. Um etwas Gutes für das Klima zu tun, müsste diese Tendenz gestoppt und wenn möglich umgekehrt werden.

Ein Lösungsansatz wären laut der Studie etwa Mehrgenerationen-Wohnungen oder eine Art generationsübergreifender Wohnungstausch. Denn oft lebten ältere Menschen alleine oder zu zweit auf einer großen Wohnfläche, die sie normalerweise nicht nutzen würden, wohingegen ihre Kinder oder Enkelkinder, die mehr Platz bräuchten, sich schlussendlich neue, größere Wohnungen suchen. Würde einfach getauscht werden, könne dem Trend der steigenden Wohnflächen pro Kopf entgegengewirkt werden. Die Studie zeigt noch ein weiteres Instrument für emmisionssparendes Wohnen: „Gleichzeitig sollte der ‚Landflucht‘ durch eine bessere Daseinsvorsorge im ländlichen Raum begegnet werden, um den Flächenversiegelungsdruck durch Neubau im urbanen Raum zu mindern.“

Energetische Sanierung

Außerdem sollten Förderprogramme zur energetischen Sanierung von Gebäuden aufgestockt werden, etwa in Hinblick auf Heizungssysteme mit erneuerbaren Energien. Es wäre wichtig, die Umstellung wirtschaftlich attraktiv zu machen. „Ein verbindlicher politischer Fahrplan für den Ausstieg aus fossilen Heizsystemen sollte erstellt und frühzeitig kommuniziert werden“, heißt es in Ergebnissen der Studie.