Die Unterstützer

Über das System der Biokisten ließ sich Felix Neumann beim Verband Ökokiste e.V. beraten, in dem er Mitglied ist.

Das Projekt „Biokiste“ machte eine Förderung durch das Bundesmodellprogramm „Landaufschwung“ möglich, das die Digitalisierung in der Altmark vorantreiben soll. Unter anderem finanzierte Neumann damit den Aufbau des Internetshops.

Bei der Suche nach Fördermöglichkeiten half der Zweckverband „Regionale Planungsgemeinschaft Altmark“.

Salzwedel l Die Altmark ist eine Flächenregion. Die Wege vom Land in die Stadt sind oft weit und mit hohem Zeitaufwand verbunden. „Ich wurde oft von Kunden angesprochen, dass sie mein Geschäft öfter besuchen würden, wenn es denn in ihrer Nähe liegen würde“, erzählt der Salzwedeler Felix Neumann. Da kam dem Inhaber des Bioladens Grünland in Salzwedel die Idee: Wenn die Kunden nicht zu ihm kommen können, dann kommt die „Grünland-Biokiste“ eben zu den Kunden. Die Umsetzung ist jedoch eine logistische Herausforderung, doch seit September läuft die Auslieferung.

Von Salzwedel bis Gartow im Norden, Wittenberge im Nordosten, Stendal im Südosten, Gardelegen im Süden sowie Diesdorf und Bergen-Dumme im Westen erstreckt sich das Liefergebiet. Und der Endpreis für den Verbraucher soll trotz Mehraufwand durch den Transport am Ladenpreis liegen.

Bauern sparen sich den Weg zum Laden

Der Salzwedeler reagiert damit auf einen bundesweiten Trend, dass mehr Bio-Produkte gekauft werden. Kleinere und auch größere landwirtschaftliche Unternehmen wenden sich zunehmend dem Ökolandbau zu. 2016 verzeichnete die Branche einen Zuwachs von fast zehn Prozent. Tendenz steigend. Insgesamt wurden 2016 rund 27. 000 Biohöfe in Deutschland gezählt.

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Zum Glück ist Neumann seit Jahren gut mit den regionalen Erzeugern von Bioprodukten aus der Altmark und dem östlichen Wendland vernetzt. Bislang haben die Bauern die Ware zum Laden in Salzwedel gebracht oder Neumann hat sie abhogeholt, und die Kunden mussten sie wieder nach Hause bringen. Also, warum den An- und Verkauf nicht kombinieren, Strecken zusammenlegen, so den Preis für den Kunden niedrig halten und zudem noch etwas für die Umwelt tun, sagte sich Neumann. Wenn seine Mitarbeiter die Biokisten ausliefern, holen sie gleichzeitig auf der Tour neue Ware bei den Erzeugern ab.

Andere Bedingungen beim Onlineshop

In dieser Woche wurden die ersten Biokisten ausgeliefert. „Mit dem Start des Lieferservices wurde gleichzeitig der Online-Shop freigeschaltet“, berichtet der überzeugte Bio-Fan, der seit 1999 mit einem eigenen Bioladen Erfahrung gesammelt hat. Der Shop auf der Internetseite umfasst zunächst einmal rund 1000 Artikel aus dem Laden in der Chüdenstraße, aus denen der Kunde auswählen kann. Das Angebot soll kontinuierlich ausgebaut werden und einmal dem Angebot im Laden gleichen, wo 4500 Artikel vorgehalten werden.

Kauft der Kunde über den Onlineshop ein, gelten andere Bestimmungen. Der Mindestbestellwert liegt bei 15 Euro und es wird eine Liefergebühr von 2,50 Euro erhoben, ab einem Bestellwert von 30 Euro entfällt diese“, erläutert Felix Neumann das Prinzip. Es werde in Mehrwegpfandkisten geliefert, aber Produkte, die gekühlt werden müssen, in entsprechender Verpackung, die auch wieder verwendbar ist. „Es gibt Standard-Biokisten, mit einer großen Auswahl an knackfrischem Obst und Gemüse, natürlich alles 100 Prozent Bio, und das ohne Kompromisse. Das bedeutet so auch, dass keine Flugware angeboten wird“, so der 44-Jährige weiter. Als „Flugware“ werden Obst und Gemüse bezeichnet, die per Flugzeug nach Deutschland geliefert werden.

Auch Mottokisten bestellbar

Zudem werden Mottokisten ausgeliefert, die auch Rezepte enthalten. Wer möchte, kann sich seine Kiste individuell zusammenstellen. „Die Kunden schließen kein Abonnement ab und haben demzufolge auch keine Kündigungsfristen zu beachten“, stellt Felix Neumann klar. Neumann sieht viele Vorteile für regionale Erzeuger und Kunden in dem System. Die Bestellungen aus seinem Webshop will er nutzen, um die Nachfrage nach bestimmten Obst- oder Gemüsesorten besser einschätzen zu können. Stellt er beispielsweise nach einem Jahr fest, dass mehr Tomaten bestellt werden, als er liefern kann, kann er seinen Erzeuger darüber informieren, damit dieser im nächsten Erntejahr mehr produziert.