Gardelegen l Vom Nördlichen Weißen Nashorn gibt es weltweit nur noch zwei Exemplare: Najin und Fatu. Die beiden Breitmaulnashornweibchen wurden vor Jahren gemeinsam mit dem Nashornbullen Sudan, Vater beziehungsweise Großvater der Nashornweibchen, aus dem tschechischen Zoo Dvur Kralove nach Kenia gebracht. In einem 700 Hektar großen Gehege eines Reservats werden sie rund um die Uhr von bewaffneten Sicherheitsleuten bewacht. Im vorigen Jahr starb Sudan. Najin und Fatu sind nun die beiden einzigen Nördlichen Weißen Nashörner. Von ihnen berichtete Armin Püttger-Conradt den Kindern der 3. und 4. Klasse der Goethe-Grundschule in Gardelegen.

Der Bömenziener wurde als junger Biologe Anfang der 1980er-Jahre zu Forschungszwecken an den Fluss Kongo geschickt. Seine Aufgabe war es dort, Frösche und Kröten zu zählen. Mit einem Einbaum war auf dazu auf dem Fluss unterwegs. Als diese Mission abgeschlossen war, dachte er sich, „wenn ich schon einmal in Afrika bin, dann möchte ich auch die großen Säugetiere hier sehen“, erzählte er den Kindern. Unter anderem wollte er die Nashörner entdecken, die es ja, wie es hieß, zu Hunderten dort gibt. Er zählte aber nur noch insgesamt 45 Stück.

Bürgerkrieg wurde Tieren zum Verhängnis

Der Bürgerkrieg wurde den Tieren zum Verhängnis. Die Rebellen wilderten, um mit dem begehrten Horn der Nashörner den Krieg zu finanzieren. Püttger-Conradt informierte die Zoologische Gesellschaft in Frankfurt darüber. Bei einer angesetzten Überprüfung war der Bestand innerhalb eines Jahres weiter geschrumpft - und zwar auf nur noch 14 Tiere! „Heute gilt das Nördliche Weiße Nashorn als ausgestorben“, so Püttger-Conradt. Gespannt lauschten die Grundschüler den Schilderungen des Biologen, der neun Jahre lang im Kongo lebte. Er berichtet auch davon, dass vor rund 10 000 Jahren, nach der letzten Eiszeit, vermutlich auch auf dem Gebiet des heutigen Gardelegens Nashörner, nämlich Wollnashörner, zu Hause waren.

Mit diesem Vortrag rundete die Goethe-Grundschule das im vergangenen Jahr begonnene Afrikaprojekt ab. Das war der eine Grund, weshalb Püttger-Conradt mit seinem Vortrag in die Grundschule eingeladen worden war. Zum anderen war diese Veranstaltung ein Programmpunkt im Rahmen der Namensgebung Goethe-Grundschule vor 70 Jahren. Aus diesem Anlass wird am Freitag, 14. Juni, ein Schulfest gefeiert (Programm siehe Infokasten).