Groß Rodensleben l Ihr Schmuckstück für den Landeserntedankfest-Erntekronenwettbewerb haben die Landfrauen fertig gebunden. „In diesem Jahr haben wir uns für ein rot-weißes Schleifendekor entschieden“, erklärt Sibylle Strauß als kreativer Kopf des Vereins. „Alles selbst genäht.“

Bereits vor sieben Jahren gegründet, engagieren sich beim Landfrauenverein Groß Rodensleben „Sonnenblume“ 20 fleißige Bienen. Gemeinsam stemmen sie auch wieder den Back-Marathon, der ihnen für das Wochenende mit Blick auf das bereits 21. Landeserntedankfest erneut „blüht“. Denn auch das siebte Jahr in Folge führen sie über das Landfrauencafé, das auf dem Großen Anger am Sonntag im Magdeburger Elbauenpark bereits ab 10 Uhr seine Pforten öffnet, Regie. Dafür müssen insgesamt 100 Kuchen gebacken werden. „Jedes Mitglied backt vier Bleche ab. Unterstützung erhalten wir von vielen Freundinnen, bei denen wir uns an dieser Stelle auch mal bedanken möchten“, erzählen die Damen. „Das Backwerk rechtzeitig aus dem Ofen zu holen, ist dabei noch die leichteste Übung. Die Kuchenbleche allerdings nach Magdeburg transportiert zu bekommen, stellt uns alljährlich vor eine logistische Herausforderung.“ Der komplette Kuchen-Konvoi verlässt die Gemeinde Sonntagmorgen pünktlich um 8 Uhr.

Genauso wie der Transporter, der die prächtige Erntekrone der Groß Rodensleber Landfrauen am Sonnabend zum „Schönheitswettbewerb“ in die Landeshauptstadt bringen wird. „Wir hoffen freilich auf eine gute Platzierung“, sagt Sibylle Strauß. Neben einer Fachjury haben bei der Entscheidung darüber, wer die schönste Erntekrone im Land gebunden hat, am Sonnabend übrigens auch die Besucher Mitspracherecht. „Jeder Gast darf für seine Lieblingskrone abstimmen“, rühren die Landfrauen die Werbetrommel.

Bilder

Für das rund 1,20 Meter hohe und mehr als 35 Kilogramm schwere Prachtexemplar hatten die Landfrauen wieder Roggen, Hafer, Weizen und Gerste bereits seit Mitte Juli eingeholt. „In diesem Jahr wurden wir regelrecht verwöhnt. Denn Bauer Reinhold Helmecke hat uns extra die vier Getreidesorten bei sich auf dem Acker nebeneinander ausgesät. Damit hat er uns viel Arbeit abgenommen. Auch dafür ein dickes Dankeschön.“

Am 16. Juli hatten sie damit begonnen die Gerste zu schneiden. Es folgten Rogen, Hafer und letztendlich Anfang August Weizen. „Insgesamt waren wir zehnmal draußen, jeweils für zweieinhalb Stunden. Dabei haben wir so viel Getreide geschnitten, dass wir davon mittlerweile noch weitere Kronen, beispielsweise eine kleine für die evangelische Kita in Wanzleben, sowie Tischschmuck für das Landfrauencafé gebunden haben“, erzählt die 48-Jährige. Mit dem Binden der getrockneten Getreidebündel auf das 65 Zentimeter vorgefertigte und mit Heu umwickelte Erntekronengestell hatten sie am 19. August begonnen. Montagabend war das Finale eingeläutet worden. „Zum Getreidebinden haben wir uns zweimal die Woche in der Hofscheune von Ilse Lahmsen für jeweils vier Stunden getroffen“, rechnet Sibylle Strauß den Arbeitsaufwand weiter zusammen.

Wenn die Krone steht, wird der Kranz gebunden. Ohne Anfang und Ende steht er als Zeichen der Ewigkeit, der Unendlichkeit. Jedes einzelne Bündel aus acht bis zehn Ähren war, bevor es mit einem Draht befestigt werden konnte, nach bestimmten Kriterien, wie Form und Farbe, begutachtet worden. Die Handarbeit ist wahrlich alljährlich eine Wissenschaft für sich - die Frauen haben darin aber mittlerweile schon Übung. „Und die macht bekanntlich ja den Meister. Schon seit 2008 nehmen wir jedes Jahr an dem Erntekronen-Wettbewerb, der beim Landeserntedankfest am Sonnabend auf der Seebühne eingeläutet wird, teil“, erzählen sie. Die Kunst des Bindens hatte ihnen damals Helma Schneider gezeigt. Im vergangenen Jahr hatten sich die 20 Frauen einer ganz besonderen Herausforderung gestellt. Denn das Schmuckstück, das es beim Wettbewerb zwar nicht unter die besten Drei geschafft hatte, war für das Foyer des Landwirtschaftsministeriums in Magdeburg bestimmt. Hier hing die Krone von Oktober bis Dezember. „Mit ihrem Auszug hatte sich auch noch ein Käufer gefunden“, berichten die Landfrauen stolz, die auch schon ihr jüngstes Werk an den Mann gebracht haben. Sie werden auch wieder mit dabei sein, wenn der „Heimatverein Groß Rodensleben 1999“ im Ort traditionell zum Erntedankfest einlädt. Und zwar vom 2. bis 4. Oktober. „Auch dann werden wir wieder jede Menge Kuchen für die Besucherschar bereit halten“, versichern die Groß Rodensleberinnen.