Stemmern l „Im Verfahren um die Genehmigung der Hähnchenmastanlage Stemmern gibt es mit Stand vom März dieses Jahres nichts Neues“, antwortete Denise Vopel, Pressesprecherin des Landesverwaltungsamtes Sachsen-Anhalt in Halle, auf Nachfrage der Volksstimme. Die Agrar- und Milchhof Stemmern GmbH will in der Nähe dieser kleinen Ortschaft in der Einheitsgemeinde Sülzetal eine Hähnchenmastanlage bauen, in der im Jahr bis zu 2,8 Millionen Tiere in mehreren Durchgängen gemästet werden sollen. Seitdem die Pläne im vergangenen Jahr bekannt wurden, hatte sich im Sülzetal und darüber hinaus großer Protest in der Bevölkerung geregt.

Nach den Worten von Denise Vopel befinde sich die Anlage immer noch in der Prüfung nach den Vorgaben des Bundesimmissionsschutzgesetzes und sei noch nicht abgeschlossen. Nachdem der Investor die Unterlagen zur Genehmigung der Anlage beim Landesverwaltungsamt eingereicht hatte, habe die Behörde nach einer ersten Prüfung Unterlagen nachgefordert, da diese nicht vollständig gewesen seien. „Die von uns nachgeforderten Unterlagen hat der Antragsteller bislang nicht nachgereicht“, sagte Denise Vopel. Deshalb sei es dem Landesverwaltungsamt bislang nicht möglich gewesen, das Verfahren abzuschließen. Wie lange es noch dauern werde, hänge davon ab, wann die Agrar- und Milchhof GmbH Stemmern die von der Behörde nachgeforderten Unterlagen einreichen werde.

„Dass das Verfahren vor dem Landesverwaltungsamt so lange dauert, ist für uns ein gutes Zeichen“, sagte Gabriele Siegel aus Stemmern als Sprecherin der BUND-Ortsgruppe Sülzetal, die außerdem an der Spitze der Bürgerinitiative „Sauberes Sülzetal“ steht. Diese Bürgerinitiative kämpft seit Beginn gegen den Bau der Hähnchenmastanlage und schreibt sich unter anderem auf die Fahnen, dass es mehr als 1600 Einwendungen von Bürgern und Institutionen gegen das Vorhaben während der öffentlichen Auslegungsphase der Unterlagen gegeben habe. Wie Gabriele Siegel ankündigte, bleibe die Bürgerinitiative weiter wachsam und aktiv, bis das Vorhaben vom Landesverwaltungsamt endgültig abgelehnt werde. Sollte es entgegen der festen Annahme des BUND Sülzetal dennoch zu einer Genehmigung der Hähnchenmastanlage komme, würden die Gegner gegen die Entscheidung des Landesverwaltungsamtes vor dem Verwaltungsgericht klagen. „Dafür benötigen wir Anwaltskosten in Höhe von 26 000 Euro“, verdeutlichte Gabriele Siegel. 24 800 Euro davon habe der Bund Umwelt und Naturschutz bereits über Spenden von Bürgern aufbringen können. Die restliche Summe solle durch einen weiteren Spendenaufruf an die Bevölkerung eingesammelt werden.

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„Aus unserer Sicht gibt es keine Neuigkeiten“, erklärte Julia Weydringer von der Abteilung Finanzen und Planung der Tonkens Agrar AG, einer Gesellschaft, die hinter der Agrar- und Milchhof GmbH Stemmern steht. Dass heißt, der Betrieb hält an seinen Plänen fest, die Hähnchenmastanlage bauen zu wollen.