Wanzleben l Viele Passanten trauten in Wanzleben ihren Augen nicht, als sie am Raßbachplatz am städtischen Kulturhaus vorbei gingen. Über Nacht hatten unbekannte Sprayer die Giebelseite des Gebäudes mit einem riesigen Graffiti besprüht. Der Schriftzug ist 17 Meter lang und drei Meter hoch. Was dort in roten Buchstaben auf der hellen Fassade steht, wissen wohl nur die Verursacher. Damit erreichten die Schmierereien an öffentlichen und privaten Gebäuden sowie Schildern, Trafohäuschen oder Bushaltestellen in Wanzleben ihren traurigen Höhepunkt.

Viel Geld fürs Überpinseln

„Ich bin stink sauer“, sagte Kai Pluntke, Leiter des Amtes für Ordnung und Soziales in der Wanzleber Stadtverwaltung, zu der neuen Sprayerattacke auf das städtische Kulturhaus. Das Gebäude am Raßbachplatz sei nicht zum ersten Mal Ziel von Schmierereien durch die Hände von bislang unbekannten Tätern geworden. Jetzt müsse die Stadt fast 3000 Euro ausgeben, um den riesigen Schriftzug überpinseln zu lassen. „Das Geld fehlt uns dann, um zum Beispiel in neue Stühle für das Kulturhaus zu investieren“, ärgerte sich der Amtsleiter. Wobei ihm bereits jetzt klar sei, dass die Fassade des Kulturhauses auch nach dem Überpinseln des jetzigen Schriftzuges nicht sicher vor Angriffen der Sprayer sei.

Kameras sind im Gespräch

Deshalb ziehe die Stadt in Erwägung, das Gebäude durch Kameras zu überwachen. Dafür müssten noch ein paar datenschutzrechtliche Bestimmungen erfüllt werden, die aus Pluntkes Sicht für das öffentliche Gebäude jedoch keine große Hürde seien. Auch müssten Hinweisschilder für Jedermann sichtbar angebracht werden, dass dieses Haus von Kameras überwacht werde. Auch die Kameras und die dazu gehörige Technik würden wieder Geld kosten, das der Stadt Wanzleben dann an anderer Stelle fehle. Ebenso ziehe die Stadt in Erwägung, für Hinweise, die zu den Tätern führen, eine Belohnung auszusetzen. „Vielleicht kommen wir den Schmierfinken mit einer Belohnung für Hinweise auf die Spur“, hoffte Pluntke. Er konnte zudem von einem Fahndungserfolg der Polizei berichten, die vier Tatverdächtige aus Wanzleben ermitteln konnte. Ihnen werde vorgeworfen, für andere Schmierereien in der Sarre­stadt verantwortlich zu sein. Ob sie auch den neuen Schriftzug auf den Giebel gesprüht haben, müsse von der Polizei noch ermittelt werden.

Hinweise bereits erhalten

Auch Pluntke hat Hinweise von Jugendlichen bekommen, die ihm berichteten, wie sich Leute in ihrem Status des digitalen Mitteilungsdienstes WhatsApp mit den Schmierereien brüsteten. Leider würden das keine Beweismittel sein und die Jugendlichen selbst nicht als Zeugen zur Verfügung stehen.

Regelmäßige Streifen

Um möglichen Tätern auf die Spur zu kommen, sind nach Pluntkes Worten auch regelmäßig Streifen von Mitarbeiterinnen des städtischen Ordnungsamtes und der Polizei bis in die Abendstunden im Stadtgebiet unterwegs. Seine Mitarbeiterinnen auch nachts auf Streife durch die Straßen Wanzlebens zu schicken, lehnt Pluntke aus Sicherheitsgründen ab. „Wir sind nicht die Polizei“, verdeutlichte er. Auch habe Wanzleben keinen reinen Stadtordnungsdienst wie zum Beispiel Magdeburg, der speziell für Streifengänge ausgebildet sei. Vielmehr seien seine Frauen Sachbearbeiterinnen, die auch im Außendienst eingesetzt würden. Verbrecher zu jagen sei nicht ihre Aufgabe und viel zu gefährlich. Sollten Bürger in der Nacht Schmierfinken bei ihrer Arbeit beobachten, sollten sie unbedingt die Polizei alarmieren, die dann eingreifen könne.

Die Schmierereien haben sich indes auf Hohendodeleben ausgedehnt. Dort haben Unbekannte unter anderem zwei Lkw-Auflieger besprüht.

Sprayer in Hohendodeleben

Kai Pluntke berichtete auch vom zunehmenden Vandalismus in der Stadt. So haben Unbekannte unlängst ein Spielgerät aus dem Garten der Wanzleber Kindertagesstätte „Sarrezwerge“ gestohlen und zum Grillplatz am Dammweg geschleppt. Dort haben Eltern das Spielgerät entdeckt und zurück an seinen Platz in der Kita geschafft. „Das ist Diebstahl und Hausfriedensbruch, wir haben Anzeige bei der Polizei erstattet“, verdeutlichte Pluntke.