Wanzleben/Schermcke l Aufgeregt steht Ernst-August Schrader mit seinem Nachbarn Robert Kraft auf der Brücke. Beide wohnen im Mühlental. Dieses liegt zwischen Seehausen und Schermcke und gehört zu letzterem. Während sich das Grundstück von Robert Kraft vor der Brücke befindet, so muss Ernst-August Schrader diese überqueren, um zu seinem Haus zu kommen. Und hier liege laut beiden das Problem.

Denn die Brücke sei seit 2015 gesperrt und dürfe nicht benutzt werden. Damals hatte ein Baum das Fundament beschädigt, als er samt Wurzeln umkippte. Doch an die Sperrung habe sich niemand gehalten. Auch Ernst-August Schrader nicht, denn für ihn und seine Frau ist es der einzige Weg aus dem Mühlental heraus. Zwar gibt es noch zwei Feldwege, die nach Ampfurth und Seehausen führen, diese seien laut Schrader unzumutbar, da sie landwirtschaftlich stark genutzt werden. „Das tut weh, wenn Sie da mit dem Pkw langfahren. Da sind so spitze Steine, da fahre ich nicht lang“, sagt der Rentner. Um seine Mülltonnen leeren zu lassen, muss der 82-Jährige diese den 1,8 Kilometer langen Feldweg zur Landstraße bringen. Auch hier muss er über die Brücke. Ebenso die KWS Saat AG aus Klein Wanzleben. „Es ist die einzige Zufahrt zu unseren Gewächshäusern“, sagt Dirk Wolkenhauer, Stationsleiter der Zuchstation. In den Gewächshäusern werden Rübensaaten gezüchtet. Da es im Mühlental keine Wasserverorgung gäbe, kommt das Wasser aus Klein Wanzleben. Selbst mit den Landmaschinen sei der Feldweg Richtung Ampfurth nicht zumutbar. Deshalb könne man die Gewächshäuser nur von der Landstraße 24 aus erreichen.

Trecker beschädigt die Brücke

Vor etwa drei Wochen wurde die Brücke erneut beschädigt. „Ein Trecker ist auf der Brücke stecken geblieben. Keiner weiß warum“, berichtet Robert Kraft. Dabei wurde eine der Brückenwangen beschädigt. Doch nun stellen sich die Fragen: „Ist die Brücke einsturzgefährdet?“, und „wer ist für die Sanierung der Brücke zuständig ?“ Da die Brücke auf der Gemarkung der Stadt Wanzleben Börde liegt, informierte Robert Kraft das Ordnungsamt Wanzleben über den Vorfall. Dass seit 2015 nichts passiert sei und keiner die Brücke sanieren wolle, versteht Kraft nicht.

„Das Problem ist, dass die Brücke schon seit fünf Jahren gesperrt ist“, sagt Kai Pluntke, Leiter des Ordnungsamtes der Stadt Wanzleben-Börde. Die Stadt habe den Schaden, der vor drei Wochen passierte, der Polizei gemeldet. Plunkte selbst war in der vergangenen Woche vor Ort, um sich die Brücke anzuschauen. „Sie befindet sich auf einem Grundstück nicht ermittelbarer Eigentümer“, erklärt Pluntke. Somit sei die Stadt Wanzleben nicht zuständig, sondern der Landkreis Börde. Der erste Gedanke von Pluntke war, die Brücke voll zu sperren. Die zweite Überlegung, Verkehrsschilder „Einfahrt Verboten“ und „Achtung“ vor der Brücke aufzustellen. Dies wären Maßnahmen zur Gefahrenabwehr. Doch eigentlich dürften hier keine Schilder aufgestellt werden, weil es sich um einen Feldweg und keine öffentliche Straße handele. Außerdem informierte er den Sachbereich Landwirtschaft des Landkreises Börde.

Matthias Wilcke, Leiter des Natur-und Umweltamtes, teilt auf Volksstimme-Nachfrage mit, dass sich die Brücke auf einem Grundstück befindet, das Bestandteil eines Grundbuches ist, dessen Eigentümer jedoch nicht ermittelt sind. Dies bedeute, dass es zum jetzigen Zeitpunkt keinen Verantwortlichen gäbe. Zunächst müsse geklärt werden, ob es einen zuständigen Straßenbaulastträger gibt oder es sich um einen privaten Weg handelt. Danach kann beim Natur-und Umweltamt des Landkreises Börde ein gesetzlicher Vertreter beantragt werden. Die Kosten dafür muss dann derjenige übernehmen, der den Vertreter beantragt. Der gesetzliche Vertreter kann dann Anweisungen entgegen nehmen oder veranlassen. Jedoch sei laut Matthias Wilcke das Natur-und Umweltamt nicht für die Brücke zuständig.

Das Bauordnungsamt des Landkreises schaute sich die Brücke ebenfalls vor Ort an. „Dass es eine Sperrung der Brücke seit 2015 gibt und durch wen diese veranlasst wurde, ist dem Bauordnungsamt nicht bekannt“, teilt Ute Burchhardt, Leiterin des Bauordnungsamtes , mit. Die Kontrolle der Bauaufsichtsbehörde hat ergeben, dass ein drohender Einsturz der Brücke nicht ersichtlich ist und somit auch eine Sperrung nicht nötig ist, so Burchhardt. Damit bleibt die Brücke weiterhin befahrbar. Doch saniert wird sie wohl nicht.