Haldensleben l Ab 7 Uhr sammelten sich am Mittwoch mehr als 250 Lehrer in den Streiklokalen des Landkreises Börde in Haldensleben und Wanzleben. „Wir haben heute etwa 170 Lehrer hier“, sagte Volker Thiele, Vorsitzender des Kreisverbandes Börde der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), im Mehrgenerationenhaus EHFA in Haldensleben. Die übrigen Lehrer sammelten sich im Wanzleber Streiklokal und anderswo, bevor alle Streik-Teilnehmer Magdeburg ansteuerten, wo eine Kundgebung stattfand.

Sechs Prozent mehr Lohn gefordert

Die Gewerkschaften verlangen sechs Prozent mehr Lohn. Am Donnerstag, 28. Februar, beginnt die dritte Tarifrunde des öffentlichen Dienstes. Die Belastungen in den Schulen würden immer größer für Lehrkräfte und Pädagogische Mitarbeiter werden, sie müssten immer neue Aufgaben ohne Anrechnungsstunden übernehmen, müssten Lücken durch Unterrichtsausfall, die Zusammenlegung von Klassen und die Kürzung von Unterrichtsangeboten stopfen, teilt die Börde-GEW mit.

Die Gewerkschaft fordert deshalb, die Tabellenentgelte bei einer Laufzeit von zwölf Monaten linear um sechs Prozent zu erhöhen. „Diese Forderungen dienen für die einen als Ausgleich zu den steigenden Lebenshaltungskosten, für die anderen als Schmerzensgeld für die anspruchsvolle, schwierige pädagogische Arbeit unter nicht einfachen Bedingungen“, sagte Volker Thiele.

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55 von 70 Schulen beteiligen sich

Der Warnstreik der GEW war gestern in fast allen Schulen des Landkreises Börde spürbar. Von rund 70 Schulen im Kreis beteiligten sich Lehrer von 55 Schulen. Auch in Wanzleben sammelten sich die Lehrer beizeiten im dortigen Streiklokal. Allein hier waren es vor der Abfahrt nach Magdeburg etwa 100 Teilnehmer. Die Betreuung der Kinder und Jugendlichen an den Schulen der Stadt sei abgesichert gewesen.

Etliche Eltern hatten ihre Zöglinge jedoch an diesem Tag gleich ganz zu Hause behalten. „Diese haben dafür keine Nachteile zu befürchten“, sagte Ulrich Härtel, vom Vorstandsbereich Tarif- und Beamtenpolitik beim GEW-Landesverband Sachsen-Anhalt, gegenüber der Volksstimme. Er war nach Wanzleben gekommen und hat die Streikenden von hier in die Landeshauptstadt begleitet. Dort versammelten sich Lehrer aus dem gesamten Norden des Landes.

Entspannte Lage am Gymnasium

Die Lage am Bördegymnasium in Wanzleben war entspannt. Leiterin Dr. Susanne Pichottky resümierte: „In den meisten Klassen wurde normaler Unterricht erteilt. Einige Kinder sind auch daheim geblieben. Probleme gab es bei uns nicht. Ich selber konnte sogar einen Test schreiben lassen, da alle Schüler regulär anwesend waren.“ Von der Möglichkeit einer Betreuung musste am Gymnasium kaum Gebrauch gemacht werden. Ähnlich verhielt es sich in der Gesamtschule der Stadt. Von Seiten der Grundschule wurden, mit dem Hinweis auf das Landesschulamt als Auskunftsstelle, keine Angaben gemacht.

Besonders zu spüren war der Streik in der Puschkin-Sekudarschule in Oschersleben. Etliche Lehrer beteiligten sich laut Schulleiterin Astrid Ribke, allerdings wäre eine Betreuung aller Schüler möglich gewesen. Ein extra erarbeiteter Notfallplan kam dort aber nicht zum Tragen. Denn von 310 Schülern erschienen nur zwei Fünftklässler in der Schule.