Seehausen/Dreileben l Nach ihrer jüngsten, knapp zweistündigen Aufräumaktion ziehen die Seehäuser „Jäger und Sammler“ ein einstimmiges Fazit: Die illegalen Müllberge in der Natur werden von Jahr zu Jahr schlimmer. Die Umweltfrevler, die ihren Müll achtlos in die Natur kippen, immer dreister.

„In diesem Jahr ist uns besonders der hohe Anteil von bergeweise in die Landschaft geworfener Hundekot sowie haufenweise ausgekämmter Haare von Vierbeinern aufgefallen“, berichtet Jäger Rüdiger Duhme, der gemeinsam mit den Mitgliedern der Jagdgenossenschaft und Pächtergemeinschaft der Jäger Seehausen schon seit 28 Jahren jeweils zum Beginn des Frühlings den achtlos weggeworfenen Müll ins Visier der Aufräumaktion nimmt. In diesem Jahr wieder mit dabei war auch Seehausens Pfarrer Thomas Seiler, der im Schlepptau einige Konfirmanden hatte. „Über die tatkräftige Unterstützung der Jugendlichen haben wir uns sehr gefreut“, merkt Duhme dankbar an.

Säckeweise Windeln

Und auch in diesem Jahr sollten die 20 fleißigen Sammler schnell fündig werden – als flinke „Naturputzkolonne“ zogen sie allein aus ihrer Heimatgemarkung wieder eine große Containerladung (zehn Kubikmeter) voll Müll. Darunter auch wieder säckeweise Windeln.

„Warum die Leute ihren Unrat und Hygieneartikel, statt ganz normal in den Hausmüll, lieber illegal an den Feldrand kippen, ist uns schlichtweg ein Rätsel“, schimpft Duhme. Eine Tiefkühltruhenkombination gefüllt mit vergammeltem Fleisch und schimmligen Schweinehälften mussten die Grünröcke jedoch in der offenen Landschaft liegen lassen. „Der Gestank war derart ekelerregend, dass wir den Fundort statt ihn zu beräumen, notgedrungen der zuständigen Behörde melden mussten“, erklärt Rüdiger Duhme.

Aber auch Autoreifen, Dachpappe, Plastiktüten gefüllt mit Hausmüll, Elektroschrott sowie jede Menge Bauschutt und altes Mobiliar mussten sie auf die großen Traktorenhänger hieven. „Dank Heinrich Gaßmann, Christoph Fetzer, Dietrich Weisel und der Firma Leskow hatten wir für die Aktion ausreichend Traktorentechnik am Start. Anders wäre der Einsatz gar nicht möglich gewesen“, erklärt die Truppe. Der Unrat konnte mit den PS-starken Motoren anschließend auf das Gelände des Seehäuser Bauhofes gebracht und in den hier aufgestellten Zehn-Kubikmeter-Container verladen werden. Dieser war den Seehäusern erneut kostenfrei vom Umweltamt des Landkreises zur Verfügung gestellt worden. Er füllte sich bis zum Ende des Arbeitseinsatzes bis über den Rand, so dass sich der Einsatz auch in diesem Jahr wieder ganz offensichtlich gelohnt hat.

Aktion hat Tradition

Die Umweltaktion gehört bei den Seehäusern bereits zur Tradition. Nur im Frühjahr, wenn die Vegetation noch nicht zu hoch geschossen ist, haben die freiwilligen Müllsammler die beste Chance, die Abfälle zu entdecken. „Das machen wir bereits seit 1990 so“, erklärt Rüdiger Duhme. „Bei diesem ganzen Unrat stellen wir uns dann jedes Jahr auch immer wieder dieselbe Frage: Warum manche Bürger der Natur derart großen Schaden zufügen und ihren Müll nicht einfach zur Deponie bringen? Für diese Form der illegalen Müllentsorgung müssen so immer gleich alle Steuerzahler aufkommen. Das ist ungerecht und muss nicht sein.“

Ein weiteres Problem sei, dass der Müll nicht nur die Natur verschandelt, sondern auch für Mensch und Tier eine Gefahrenquelle darstelle. „Spaziergänger sowie die Waldbewohner könnten sich verletzen“, erklären die Jäger. Wer seinen Müll in Feld und Flur kippt, riskiert übrigens eine Anzeige wegen illegaler Abfallentsorgung. Hier drohen Bußgelder, in schweren Fällen sogar Haftstrafen.

Auch im benachbarten Dreileben machten sich fleißige Helfer auf den Weg in die Feldflur, um illegal abgeladenen Müll zu sammeln. Der Hinweis, dass an den Feldwegen der Gemarkung viel Müll entsorgt worden sei, kam vom Dreileber Ortschaftsratsmitglied Daniel Scheibe, der als Landwirt arbeitet. Ortsbürgermeister Jan Richter regte daraufhin an, gemeinsam mit den ortsansässigen Vereinen und der Bevölkerung eine Säuberungsaktion zu organisieren. Dieser Vorschlag fand die einstimmige Zustimmung des Ortschaftsrates.

Mehr als 20 Helfer sammeln in Dreileben

Mehr als 20 Dreileber beteiligten sich an der Müllsammelaktion und trafen sich zunächst vor dem Gerätehaus der Feuerwehr. Mit dabei waren Bürger sowie Angehörige der Feuerwehr, Jäger und Mitglieder des Heimat- und Sportvereins. Mit vereinten Kräften nahmen die Helfer die Müllbeseitigung an den Feldwegen, Pflegearbeiten rund um den Spielplatz sowie Reinigungsarbeiten im Saal des „Deutschen Hauses“ in Angriff.

Zum Abtransport des aufgesammelten Unrates wurden Fahrzeuge und Anhänger von den Firmen Komp-Scheibe, Schaller und der Stadt Wanzleben zur Verfügung gestellt. Mehrere Hänger- und Pickup- ladungen mit Müll kamen zusammen. So unter anderem eine alte Couch, Teppichreste, ausgediente Elektrogeräte, Autoreifen und noch vieles mehr wurden abtransportiert, berichtete Ortschaftsrat Hanfried Duchstein.

Auf dem Sportplatz und im Spielplatzumfeld wurden etliche Plastebecher, leere, zerbrochene Flaschen und anderer Plaste- und Papierunrat aufgesammelt. Auch wurden abgebrochene Äste und Zweige entsorgt, so dass der Spielplatz letztendlich wieder ordentlich aussah, sagte Duchstein

„Der Ortschaftsrat möchte allen beteiligten Vereinen, Firmen und Mitbürgern danken, die sich selbstlos an dieser Aktion beteiligt haben“, erklärte Duchstein. Im Namen aller Einwohner appellierte er an die illegalen Müllentsorger, die Möglichkeit der legalen Entsorgung, die die Abfallwirtschaft Wanzleben und auch andere Entsorgungsfirmen bieten, auch im Sinne einer sauberen Umwelt zu nutzen.