Region Wanzleben und Oschersleben

Berufliche Chancen vor der Haustür in der südlichen Börde

Mit der Heimat verbinden Menschen oft Familie, Freunde oder Vereine, die schon lange Teil des Lebens sind. Der Azubi-Talk und die Berufsmessen bringen Schüler und Absolventen mit Betrieben aus der Region zusammen und sollen zeigen, dass auch die berufliche Zukunft mit den Bedingungen vor Ort vereint werden kann.

Von Lena Bellon 21.07.2021, 15:44 • Aktualisiert: 21.07.2021, 16:18
Die Auszubildenden Christian (links) und Kevin stellen im Azubi-Talk ihre Fragen an Stefanie Garbe von der Handwerkskammer Magdeburg.
Die Auszubildenden Christian (links) und Kevin stellen im Azubi-Talk ihre Fragen an Stefanie Garbe von der Handwerkskammer Magdeburg. Hagen Uhlenhaut

Wanzleben/Oschersleben - Jedes Jahr stehen viele junge Menschen vor der Frage, wohin ihre beruflichen Wege führen sollen. Dabei müssen zahlreiche Fragen beantwortet werden: Was interessiert mich wirklich? Und in welchem Unternehmen bewerbe ich mich um einen Ausbildungsplatz? Muss ich für meine beruflichen Wege meine Heimat verlassen? Es gibt aber nicht nur zahlreiche Fragen, die sich die jungen Absolventen stellen, sondern auch einige Hürden, die von den Jugendlichen genommen werden müssen.

Lars Wärmer, Vorsitzender des Arbeitskreises „Schule trifft Wirtschaft“ und Ansprechpartner für Ausbildungen bei der Zuckerfabrik Nordzucker Klein Wanzleben, blickt besorgt in die Zukunft der Region: „Viele junge Menschen gehen nach der Schule für die Ausbildung nach Magdeburg oder nach Niedersachsen. Dabei haben wir in der Region Oschersleben und Wanzleben kleine und große Betriebe, die tolle Ausbildungen anbieten.“

Deshalb hat Lars Wärmer zusammen mit Auszubildenden der Zuckerfabrik den Azubi-Talk ins Leben gerufen. Das Konzept ist jung, locker und informativ: Zwei Auszubildende sitzen auf dem Sofa mit einem Gast und stellen ihre Fragen. Der Live-Stream wird übertragen, sodass auch die Zuschauer Fragen stellen können. Zu Gast sind beispielsweise der Wanzlebens Bürgermeister Thomas Kluge (parteilos) oder der Landrat Martin Stichnoth (CDU), oft aber auch Vertreter von regionalen Betrieben, die über Ausbildungsmöglichkeiten berichten.

„Unser Hauptziel ist es, zu zeigen, wie vielseitig unsere Region um Oschersleben und Wanzleben ist und welche tollen beruflichen Chancen hier auf Auszubildende warten“, erzählt Lars Wärmer. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Jugendlichen oft das Angebot in ihrer Heimat nicht kennen oder Scheu haben, sich in den Betrieben direkt zu informieren.“ Dabei sei der Fachkräftemangel aktuell ein großes Problem, das zukünftig in einem Teufelskreis enden könne.

„Betriebe können teilweise keine zusätzlichen Aufträge annehmen, weil qualifiziertes Personal fehlt. Im Handwerk wird der Mangel besonders deutlich“, weiß auch Thomas Kluge. Von dem Azubi-Talk könnten somit nicht nur Schüler auf der Suche nach ihrem beruflichen Weg profitieren, sondern auch die vorgestellten Betriebe. „Kleine und große Betriebe arbeiten in der Region eng zusammen. Wenn es langfristig keinen Nachwuchs mehr gibt, werden ganze Berufszweige aussterben. Dann gibt es keinen Mechaniker oder Friseur mehr“, erklärt Wärmer besorgt.

Er wünscht sich eine enge Zusammenarbeit von Schülern, Eltern, Betrieben und Schulen, um die Region gemeinsam zu stärken. „Die nächste Generation ist wichtig. Nicht nur um den Nachwuchs in den Berufen zu garantieren, sondern auch weil junge Menschen neue Ideen und Fähigkeiten mitbringen“, erzählt der Vorsitzende des Arbeitskreises. Für den Azubi-Talk habe eine Gruppe der Auszubildenden das Konzept für den Live-Stream erstellt und die technischen Möglichkeiten dafür aufgezeigt. „Wir haben auch noch viele Ideen, was wir in diesem Format anbieten können. Zum Beispiel könnten Azubis aus verschiedenen Betrieben per Video Ausschnitte aus ihrem Arbeitsalltag filmen und mit den Zuschauern teilen“, sagt Wärmer.

Einer der Moderatoren des Azubi-Talks, Kevin Banse, war sich zunächst unsicher, wie er seinen Berufseinstieg gestalten soll: „Ich hatte Scheu, einfach bei den Betrieben anzurufen und nach der Ausbildung zu fragen. Dann habe ich bei der Berufsberatung in der Schule den persönlichen Kontakt hergestellt und anschließend bei der Zuckerfabrik ein Praktikum gemacht.“ Lars Wärmer bestätigt, dass ein Praktikum der beste Weg sei, um herauszufinden, welcher Beruf der richtige ist.

Für den 18-Jährigen sei es keine Option gewesen, für die Berufsausbildung seine Heimat zu verlassen. „Ich bin ein Familienmensch, deswegen wollte ich in der Region einen Ausbildungsplatz finden“, erzählt Kevin. „Ich finde den kurzen Arbeitsweg sehr entspannt. Aber ich muss auch sagen, dass es in der Region mehr attraktive Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche geben müsste, damit mehr junge Menschen gerne hier wohnen und arbeiten.“

Aber nicht nur der Azubi-Talk soll berufliche Chancen rund um Oschersleben und Wanzleben zeigen. Im September diesen Jahres finden zwei Berufsmessen zum Thema „Deine Chance in deiner Region“ statt, die interessierte Jugendliche, Eltern und Unternehmen zusammenbringen soll. „Bei unseren Berufsmessen gibt es keine Geschenke oder Werbematerial, nur Praktikumsplätze, Ausbildungsangebote oder Plätze für ein duales Studium. Die Interessenten können auch schon Bewerbungsunterlagen zur Messe mitbringen“, erklärt Lars Wärmer. Die ausstellenden Unternehmen auf der Messe seien alle Mitglied des Arbeitskreises und verfolgen gemeinsam das Ziel, den Nachwuchs in der Region zu fördern.