Hemsdorf l Detlef Feldmann und seine Familie sind es gewohnt, dass der ein oder andere unangemeldete Wanderer auf dem Grundstück in Hemsdorf auftaucht. Die neugierigen Gäste wollen einfach nur die Quelle der Schrote besichtigen. „Im Winter erwarten wir natürlich eher weniger Besucher“, sagt Detlef Feldmann beim Vor-Ort-Termin mit der Volksstimme. „Aber im Frühjahr oder im Sommer müssen wir schon einmal darauf eingestellt sein. Meist aber melden sich die Leute vorher bei uns an, sodass wir Zugang gewähren können.“

Die Schrotequelle ist in ihrem jetzigen Zustand ein echtes Kleinod und stellt ein funktionierendes Biotop dar. „Das Wasser ist zu DDR-Zeiten überprüft worden“, berichtet Feldmann. „Man konnte es abgekocht genießen. Seit wir aber die Heidewasser-Leitung im Ort haben, sind die Kon-trollen weggefallen.“ Die Menschen mussten sich nicht mehr an der Quelle bedienen – was sie ohnehin wohl nur recht selten taten. Das Grundstück hatte nämlich einen eigenen Brunnen. Erworben hat es übrigens der Urgroßvater der Feldmanns. Er gab seinerzeit den Beruf als Bäcker auf und widmete sich fortan der Landwirtschaft.

„Die Schrote wurde als Wasserversorgung für die Tiere genutzt“, erzählt der Besitzer. „Sie wurde einfach mit Ställen überbaut und das Wasser per Eimer geschöpft.“ Kurz vor dem zweiten Weltkrieg brach die Konstruktion aber zusammen und die Schrote bekam wieder ein Bett, in dem sie fortan rings um die Gebäude geführt wurde.

„Das Wasser hätte ansonsten die Häuser unterspült“, schätzt Detlef Feldmann ein. „Zu DDR-Zeiten wurde es außerdem zum Waschen der Zuckerrüben genutzt, dafür waren Drainagerohre in der Umgebung verlegt.“ Hemsdorf wurde später größtenteils über den sogenannten Spring mit Wasser versorgt – er stellt auch eine Art Quelle der Schrote dar. „In der Bergstraße gab es aber Probleme, besonders wenn es trocken war. Zeitweise musste das Wasser rationiert werden“, erinnert sich der Hemsdorfer. „Erst nach der Wende kam ein ordentlicher Wasseranschluss in unser Dorf.“

Die Quelle der Schrote ist dann langsam zu einem Ziel für Wanderer und neugierige Naturfans geworden. Inzwischen wird hier auch wieder Wasser geschöpft, um bei Taufen zur Anwendung zu kommen. „In diesem Jahr hatten wir keine Taufe“, erzählt Feldmann weiter. „Die Trockenheit haben auch wir zu spüren bekommen. Der Lauf ist auch betroffen gewesen, er führt noch jetzt ungewöhnlich wenig Wasser.“ Im Quellbecken, welches einst ausgemauert worden ist, sammelt sich derzeit vornehmlich Oberflächenwasser und darin sind die Rückstände der intensiven Landwirtschaft zu bemerken.

„Man sieht eindeutig chemische Rückstände“, erklärt der Hemsdorfer. „In normalen Jahren werden die weggespült und verwässert, stellen somit kein Problem dar. So gesehen ist 2018 schon eine Ausnahmeerscheinung für uns.“

Überhaupt habe die Schrote früher viel mehr Wasser geführt. Sie gilt allgemein als Fluss, auch wenn sie heutzutage oft nur den Anschein erweckt, als wäre sie ein kleiner Bach. Das bezeugen die Ausmaße der Brücken, die über sie hinweg führen.

Um das kleine Biotop kümmert sich die Familie recht intensiv. So bearbeitet Detlef Feldmann den etwa 6000 Quadratmeter großen Garten absolut nach ökologischen Gesichtspunkten, dazu kommen dann noch die Randstreifen der umliegenden Gräben, sodass sich die zu pflegende Fläche schon einmal auf bis zu 7000 Quadratmeter erhöht.

„Die chemische Keule ist auf dem Gelände tabu“, sagt der Besitzer. „Wenn ich Gras schneide, dann geschieht das Stück für Stück, sodass sich die Lebewesen zurückziehen können.“ Auf dem Gelände gibt es viele Bäume, darunter alte Obstsorten und es kommen immer wieder neue dazu. Dabei erntet die Familie nicht alle Früchte ab. Etliche verbleiben, um dann nach und nach abzufallen und den Lebewesen zusätzliche Nahrung über den Winter zu geben.

Wenn dann das Frühjahr anbricht, belebt sich die Szenerie immer mehr, das Grün treibt aus und es ist ein vielfältiges Wachstum zu beobachten. „Wir haben in der Quelle Grasfrösche und ringsum allerhand Vögel wie den Zaunkönig, Rotkehlchen, Rotschwänzchen, Meisen und Amseln“, erzählt Feldmann. „Rings um die Quelle sieht man eine Vielzahl von Insekten, darunter etliche Hummel- und Bienenarten. Das Ganze bildet ein komplexes System.“

Das Biotop lockt schon einmal Schulklassen nach Hemsdorf oder Wandergruppen aus der Umgebung. „Hier kann man die Natur sehr gut beobachten“, sagt Detlef Feldmann. „Ich selber halte so manches Mal inne und lausche einfach nur. dem Leben.“