Wanzleben l „Wanzleben ist eine kleine Stadt, die sich nach der Wende gut entwickelt hat“, sagte Thomas Kluge (parteilos) am Freitag im Rathaus der Sarrestadt. Im Beratungsraum „Senne“ der Sarrestadt konnte der Bürgermeister der Einheitsgemeinde Stadt Wanzleben-Börde den Magdeburger Bischof Gerhard Feige, Mitglieder der katholischen Kirchengemeinde Wanzleben mit Pfarrer Ulrich Kania an der Spitze sowie seinen Amtskollegen Jörg Methner (SPD), Bürgermeister der Einheitsgemeinde Sülzetal, begrüßen. Mit dabei waren auch die Gemeindekirchenräte Martin Schindler und Klaus-Peter Koncalla aus Wanzleben sowie Eckhard Groß aus dem Sülzetal.

„Bisher bin ich durch Wanzleben und durch das Sülzetal mit dem Auto nur durchgefahren“, gestand Bischof Gerhard Feige beim informativen Gespräch im Rathaus. Er habe es sich jedoch zum Ziel gesetzt, in seinem Bistum Land und Leute besser kennenzulernen sowie Gespräche direkt an der Basis zu führen. Nach seiner Visite im Rathaus kam Feige am Abend in Wanzleben zu einer Gesprächsrunde mit Mitgliedern der katholischen Kirchengemeinde zusammen. Der Bischof befand sich auf einer dreitägigen Visitation in der katholischen Pfarrei St. Bonifatius Wanzleben. Am Sonntag feierte dort die Heilige Messe.

Freundschaftliche Zusammenarbeit

Im Wanzleber Rathaus interessierte sich Bischof Feige besonders für die Beziehungen der Stadt Magdeburg zu ihrem Umland „Wir pflegen eine freundschaftliche Zusammenarbeit und sind froh, dass wir die Stadt Magdeburg mit ihren vielen kulturellen Angeboten als Nachbarn haben“, erklärte Thomas Kluge. Der Rathauschef sehe zwischen den Städten Wanzleben und Magdeburg keine Konkurrenz und stellte die gute Zusammenarbeit in den Mittelpunkt.

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Diese gute Zusammenarbeit zwischen der Stadt Magdeburg und dem sie umgebenden „Speckgürtel“ betonte auch Jörg Methner als Bürgermeister der Wanzleber Nachbargemeinde Sülzetal. „Wir pflegen gute Kontakte zur Stadt Magdeburg. Meiner Ansicht nach können es die Einheitsgemeinden Sülzetal und die Stadt Wanzleben-Börde sowie die Stadt Magdeburg nur gemeinsam schaffen, die Herausforderungen der Zukunft zu meistern und sich zusammen wirtschaftlich entwickeln“, betonte Methner. Als ein Beispiel der Zusammenarbeit der drei Kommunen nannte er die gemeinsame Entwicklung des neuen Gewerbegebietes am Eulenberg. Gerade das Sülzetal mit einem der bedeutendsten Gewerbegebieten in Sachsen-Anhalt sei mit seinen vielen Einpendlern aus den Regionen Magdeburg, Wanzleben und Oschersleben ein Symbol für das einvernehmliche Miteinander. Wobei Methner nicht verschwieg, dass auch die Gemeinde Sülzetal unter chronischem Geldmangel leide. Er würde sich wünschen, dass die im Gewerbegebiet Osterweddingen ansässigen Unternehmen auch hier in der Börde ihre Steuern zahlen würden und nicht dort, wo sie ihren Stammsitz haben. „Dann würde es uns als Kommune besser gehen“, betonte Methner.

Nachwuchsmangel besprochen

„Wir haben in der Stadt Wanzleben mehr als 800 Betriebe. Diese reichen vom Einmann-Betrieb bis zur Zuckerfabrik Klein Wanzleben mit vielen Beschäftigten“, beschrieb Thomas Kluge die wirtschaftliche Struktur der eher landwirtschaftlich geprägten Region. Wie in anderen Regionen auch, mache der Mangel an Nachwuchs den Unternehmen zu schaffen. Deshalb habe sich die Region Wanzleben und Oschersleben im Arbeitskreis „SchuleWirtschaft“ zusammengeschlossen. Dieser lose Verbund aus etwa 80 Unternehmen habe es sich in Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer sowie anderen Institutionen und Kommunen zum Ziel gesetzt, die Wirtschaft aus den Schulen heraus mit geeigneten Auszubildenden zu versorgen. Dabei dürfe jedoch die Verantwortung der Elternhäuser nicht vergessen werden, die ihren Kinder gewisse Wertevorstellungen mit auf den Weg ins spätere Leben geben müssen.

Beim Gespräch im Rathaus betonten beide Seiten weiterhin die gute Zusammenarbeit von Kirche und Kommune in Wanzleben und im Sülzetal. „Es ist ein zentrales kirchliches Anliegen, bei der Umsetzung guter gesellschaftlicher Ideen zu helfen“, verdeutlichte Feige. Ein gemeinsames Thema von Kirche und Kommune sei dabei die bessere Integration von Migranten in der Gesellschaft. Der Wanzleber Gemeindekirchenrat Martin Schindler regte dabei an, die aus seiner Sicht eingeschlafene Flüchtlingshilfe wieder mit Leben zu erfüllen. Seiner Erfahrung nach scheitere die Integration der zurzeit etwa 30 Flüchtlinge, die im früheren Ländlichen Bildungszentrum wohnen, gerade an der Sprache. Zwar würden die Migranten bei professionellen Kursen in Magdeburg die deutsche Sprache lernen, doch hätten sie eher wenig Kontakt zur Bevölkerung, um diese dann auch anzuwenden. Das wolle Schindler ändern und regte an, dass sich Migranten und Wanzleber in ehrenamtlichen Kreisen mehr begegnen sollten, um so die Integration besser zu fördern.