Klein Wanzleben l Zwei Sattelzüge und ein großer Kran bestimmten gestern nach dem Mittag das Bild in der Magdeburger Straße des Zuckerdorfes Klein Wanzleben gegenüber des alten Rathauses. Langsam zog der bärenstarke Kran ein 21 Tonnen schweres viereckiges und verpacktes Häuschen in die Höhe und setzte es Punkt genau unter der Einweisung von Bauarbeitern auf ein vorbereitetes Fundament ab. Wanzlebens Bürgermeister Thomas Kluge, Klein Wanzlebens Ortsbürgermeister Knut Freese, Bauamtsleiter Olaf Küpper, Bauamtsmitarbeiterin Wencke Schröpel, Holger Haupt von der Arbeitsgemeinschaft Breitband des Landkreises Börde sowie etliche Bauleute und Planungsingenieure verfolgten interessiert das spektakuläre Manöver.

Point of Presence im Zuckerdorf

Die Beobachter waren Zeugen, wie in Klein Wanzleben die erste von insgesamt drei Hauptverteilungsstationen für das kommunale Breitbandnetz in der Einheitsgemeinde Stadt Wanzleben-Börde aufgebaut wurde. Eine weitere Station folgt in zwei Wochen in Wanzleben und weitere zwei Wochen später in Groß Rodensleben. In der Fachsprache werden die Hauptverteilungsstationen als POP bezeichnet. Das ist Englisch und steht für Point of Presence. Es handelt sich dabei um Knotenpunkte, die das Herzstück einer Glasfaserverkabelung bilden. Die Hauptverteiler verfügen bereits über eine technische Grundausstattung, die später noch durch Mikroelektronik ergänzt wird.

Die Stadt Wanzleben-Börde wird später über Hauptleitungen, die aus Barleben und Flechtingen kommen, mit dem Licht versorgt, das das schnelle Internet erst möglich macht. Während die Leitung aus Barleben bereits fester Bestandteil des Vorhabens ist, ist die Leitung aus Flechtingen noch in Planung. Die gestern in Klein Wanzleben aufgebaute Hauptverteilerstation wird mit einem Lichtsignal aus Barleben über eine sogenannte Backbone-Leitung versorgt, die das Zuckerdorf über eine Leitungstrasse des Energieversorgers Avacon erreicht.

Viele Meter Leerrohre

„In Klein Wanzleben sind 25 Mitarbeiter mit dem klassischen Kabeltiefbau beschäftigt“, sagte Bauleiter Falk Bethmann vom Nieder- und Mittelspannungsanlagenbauer Stemmler aus Güsten. Die Bauleute verlegen in Klein Wanzleben mehrere Tausend Meter Leerrohre, durch die später die Lichtleiterkabel gezogen werden. Die Rohre und Kabel führen von den Wohnhäusern über Zwischenstationen zum Hauptverteiler, der in der Magdeburger Straße aufgebaut wurde. Erst wenn das gesamte Leerrohrnetz in der Erde liege, könne in einem nächsten Schritt das Lichtleiterkabel mit einer speziellen Technik „durchgeschossen“ werden, erklärte Bethmann. Die Leute seiner Firma würden noch bis Ende August mit den Tiefbauarbeiten im Zuckerdorf beschäftigt sein. Danach ziehen sie weiter nach Dreileben und Wanzleben, um dort den Tiefbau für das kommunale Glasfasernetz zu erledigen.

In drei Jahren sollen alle Ortschaften der Einheitsgemeinde Stadt Wanzleben Börde an das kommunale Glasfasernetz angeschlossen sein und somit vom schnellen Internet profitieren. In diesem Jahr hat die Stadt 11,7 Millionen Euro in den Haushalt für den Bau des Breitbandnetzes eingeplant. 3,6 Millionen Euro davon sind Fördermittel des Bundes. Entsprechend des Interesses der privaten und betrieblichen Endabnehmer des schnellen Internets wird beim Ausbau zunächst der Schwerpunkt auf die Ortsteile Klein Wanzleben, Remkersleben, Meyendorf, Groß Rodensleben, Bergen und Hemsdorf gelegt.

Hier ist das größte Interesse

Wie Wanzlebens Bürgermeister Thomas Kluge sagte, werde damit dem Rechnung getragen, dass in diesem Gebiet der Einheitsgemeinde das Interesse am leistungsfähigen Netz am höchsten war. Geplant ist, dass bis 2023 jeder Einwohner und jeder Betrieb das Hochleistungsinternet nutzen kann.

„Wir bauen ein Glasfasernetz für die Stadt Wanzleben- Börde bis ins Haus. Das Netz ist Eigentum der Stadt“, bekräftigte der Bürgermeister.