Osterweddingen l An einem runden Tisch mit vier Ecken trafen sich der Bürgermeister der Gemeinde Sülzetal, Jörg Methner (SPD), Vertreter der Verwaltung und Mitglieder einer Bürgerinitiative (BI), um über die steigende Verkehrsbelastung in Osterweddingen zu sprechen.

„Es ist gut, dass wir uns heute hier treffen, um im direkten Kontakt Informationen auszutauschen und nach Lösungsansätzen zu suchen“, meinte Methner zur Begrüßung der Gäste im Rathaus. „Wir wollen ganz konkret wissen, wie sich die Lage aus ihrer Sicht darstellt.“

Stellvertretend für die Bürgerinitiative fasste Gerlinde Bottling die Fakten daraufhin zusammen. Zunächst einmal seien sie froh, dass endlich der neue Bahnübergang mit einer Ampelschaltung (die Volksstimme berichtete) eröffnet worden sei. „Das ist nun, Gott sei Dank, erledigt“, sagte Bottling, „ob dies zu Entlastungen des Ortskerns von Osterweddingen führt, muss die Zukunft zeigen.“ Der neue Bahnübergang ändere aber nichts an dem zentralen Anliegen der BI. Bottling: „Osterweddingen braucht eine verkehrstechnische Infrastruktur für den Ortskern.“

Massive Wohngebiete und ein Gewerbegebiet seien entstanden, sagte Bottling. „Die Lebensqualität in den Neubaugebieten rund um Osterweddingen ist hervorragend. Nun muss sich die Politik aber auch um den Ortskern kümmern.“

Als herausragendes Beispiel möglicher Einschränkungen der Lebensqualität nannte sie die Folgen und Auswirkungen der Ansiedlung von Amazon im Gewerbegebiet. „Dort werden wahrscheinlich über 2000  Menschen arbeiten. Touren die jetzt jeden Tag durch unseren Ort? Was passiert, wenn Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff in Berlin im Januar mit unserem Wunsch der Anbindung von der B 81 auf taube Ohren stößt?“

Bürgermeister Methner verstand diese Befürchtungen. Bat jedoch um Verständnis, da nicht die Gemeinde sondern die Grundstücksfonds Sachsen-Anhalt GmbH (GSA) die Areale im Industriegebiet Osterweddingen vermarkte. Das sei damals so vereinbart worden. Die GSA sei der Eigentümer. Dort liefen alle Fäden zusammen.

Hier intervenierte Wolfgang Kettner, Mitglied im Ortschaftsrat Osterweddingen: „Es war der größte Fehler, dass hier heute eine Landesgesellschaft das Sagen hat.“ Bottling stimmte ihm hierbei zu. ihr reichten die Angaben Methners nicht aus. Der Bürger wolle informiert werden. „Wir wollen wissen, wie der Hase läuft – gerade auch bei Amazon.“ Der Wirtschafts- und Entwicklungsplaner der Gemeinde Sülzetal, Fred Fedder, versprach, dass er das Gespräch zum Anlass nehme, um sich erneut um Fakten zu bemühen.

Auch Liane Samland, stellvertretende Bürgermeisterin von Osterweddingen, fragte nach der Anbindung an die B 81, und ob hierbei Amazon ins Boot geholt werden könne. „Das sollten wir tun, kackfresch“, stimmte ihr der Osterweddinger Andreas Fellner zu.

Um die Beruhigung des Verkehrs durch eine bessere Leitung zu erreichen, führe die Verwaltung der Gemeinde bereits seit vier Jahren Gespräche mit den Firmen, erklärte Fedder. Ziel sei es, ein Verkehrsleitsystem aufzubauen. „Das ist nun in Bewegung gekommen. Im Haushalt 2019 ist es mit eingeplant.“ Mit Blick auf den Charakter eines landesbedeutsamen Industriegebiets verlangte er auch mehr Engagement der Landesregierung und auch aus der Stadt Magdeburg.

Abschließend lobt Bottling im Namen der BI die Verwaltung. „Sie haben uns heute hier Rede und Antwort gestanden. Sie werden uns aber nicht mehr los. Die Anfahrt zum Industriegebiet und die Lebensqualität im Ortskern dürfen nicht getrennt werden. Beides muss sicher gestellt sein!“