Thomas Kluge (58) ist seit mehr als einem Jahr im Amt des Wanzleber Bürgermeisters. Die Volksstimme sprach mit dem Parteilosen über Erfolge in der Kommunalpolitik der Einheitsgemeinde, das Verhältnis zu den Bürgern, die Stimmung im Stadtrat und den Ortschaftsräten sowie über kommende Aufgaben.

Volksstimme: Herr Kluge, haben Sie es betreut, das Amt des Bürgermeisters der Stadt Wanzleben-Börde vor einem Jahr auf sich genommen zu haben?
Thomas Kluge: Ich habe den Schritt, vom Landkreis wegzugehen und mich als Bürgermeister der Stadt Wanzleben-Börde zu bewerben, keine Minute bereut. Diese Aufgabe ist anspruchsvoll, attraktiv und die Entscheidungswege sind kurz und ergebnisorientiert. Ganz nach meinem persönlichen Motto: nicht hätte, würde, könnte – sondern handeln.

Was waren die Schwerpunkte Ihrer Arbeit im ersten Jahr als Bürgermeister?
Es war ein erfolgreiches Jahr für die Stadt. Unter dem Motto Gutes erhalten, weniger Gutes besser machen, wurden viele Themen zielorientiert bearbeitet. Es ist uns gelungen, die Haushalte 2017 und 2018 aufzustellen und zu verabschieden. Damit ist die Handlungsfähigkeit der Stadt hergestellt. Zudem ist Wanzleben dabei, in aktiven Arbeitsgruppen ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept aufzustellen. Dieses Konzept stellt den Leitfaden der Entwicklung in den kommenden Jahren der Einheitsgemeinde dar. Die Ergebnisse werden die erforderlichen und gewollten Entwicklungen widerspiegeln.

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Was ist Ihnen und dem Stadtrat Wanzleben in diesem ersten Jahr Ihrer Amtszeit nicht gelungen?
Es ist nichts gescheitert. Wir sind auf dem richtigen Weg. Mehr Geld in der Stadtkasse ist immer wünschenswert, aber so müssen wir die Prioritäten richtig setzen. Es wurden die richtigen und wichtigen Weichen gestellt hin zu einer modernen Stadt. Die Ziele sind formuliert. Das Tempo, sie zu erreichen, bestimmen auch die Finanzen. Dabei sind schwankende Steuereinnahmen ein großes Problem für die Kommune und hemmen Entwicklungen oder verhindern sie sogar. Deshalb ist auch die Fortschreibung unseres Haushaltskonsolidierungskonzeptes so wichtig.

Wie würden Sie die Atmosphäre der Zusammenarbeit im Stadtrat und die mit den Ortschaftsräten beschreiben?
Die Zusammenarbeit mit dem Stadtrat ist kritisch und konstruktiv. Es besteht ein Vertrauensverhältnis und wir können uns aufeinander verlassen. Die Beratungen mit den Ortsbürgermeistern haben sich bewährt. Wir stimmen uns über Vorhaben ab, beraten Maßnahmen. So kann der Ortschaftsrat seine Arbeit darauf ausrichten. Und auch die spezifischen Themen können beachtet werden, es sind ja nicht alle gleich. Die Vorschläge aus den Ortschaftsräten sind realistisch und beachten die Finanzlage. Natürlich erfährt die Stadtverwaltung auch von den kleinen Unzulänglichkeiten, die vor Ort als störend empfunden werden. Aber in allen Ortschaften und Ortsteilen bringen sich die Räte ein und bestimmen die Entwicklung vor Ort mit, sei es für den Sport, die Kultur oder die Spielplätze. Die Einstellung zur Stadt Wanzleben Börde und den Ortschaften ist meiner Einschätzung nach deutlich positiv. Ein herzlicher Dank gilt auch meinen Kolleginnen und Kollegen in der Stadtverwaltung. Sie sind motiviert, stehen neuen Ideen und neuen Aufgaben aufgeschlossen gegenüber und übernehmen neue Bereiche. Und wir arbeiten wirklich kollegial zusammen.

Ist es Ihnen gelungen, die Kontakte zur Wirtschaft in die gewünschte Richtung zu lenken?
Die Wirtschaftsförderung ist bei mir im Rathaus Chefsache. Es ist mir gelungen, durch persönliche Gespräche und Veranstaltungen, die Kontakte zur heimischen Wirtschaft herzustellen. Unternehmer wollen nicht nur Steuerzahler sein, sie sind aktiv im Stadtrat, in den Ortschaftsräten und in den Ortschaften. In der Kindertagesstätte Groß Rodensleben gibt es als Dank für die Unterstützung ein Handwerkerfrühstück. Die Themen des Breitbandausbaus und der Nachwuchsförderung für die Betriebe und Handwerker sind unsere Schwerpunkte. Ich freue mich außerdem über die Zusammenarbeit im Arbeitskreis ‚Schule Wirtschaft‘, in dem Kräfte gebündelt und Interessen zusammengeführt werden, um die Jugendlichen aus unserer Region bei ihrer Berufswahl zu unterstützen. Wir veranstalten am 27. August eine Berufsmesse in Wanzleben. Ich hoffe bereits jetzt auf eine breite Resonanz aus der Wirtschaft und dem Handwerk, damit die Messe ein Erfolg für Jugendliche und Betriebe wird. Auch beim Bau von neuen Eigenheimen sind wir ein gutes Stück voran gekommen. In Wanzleben, Klein Wanzleben und Hohendodeleben ist das Interesse von Häuslebauer vorhanden und wir werden das Machbare auch umsetzen.

Wie schätzen Sie die Arbeit der Ehrenamtlichen in der Stadt ein?
Die Arbeit der Feuerwehren und Vereine, in denen sich viele Menschen für die Allgemeinheit ehrenamtlich engagieren, ist in Wanzleben und den Ortsteilen herausragend. Die Einen machen die Stadt sicher, die Anderen machen sie bunt sowie lebens- und liebenswert. Immer, wenn ich die tollen Veranstaltungen der Vereine besuche oder von den Seniorenverbänden eingeladen werde, wird deutlich gesagt, dass die Ortschaften die Heimat ist, in denen sich die Leute wohl fühlen. Diese Zufriedenheit ist ein ganz wichtiger Faktor. Das Bekenntnis zum Ort führt zum Mitmachen für den Ort. Das ist jetzt schon nicht leicht, aber es lohnt sich, dafür zu arbeiten.

Was merken die Bürger von den Veränderungen in ihrer Stadt?
Wer bewusst durch seinen Ort geht und positiv denkt, der erkennt, dass wir eine tolle Stadt Wanzleben-Börde sind. Die Bürger sind sehr interessiert an der Entwicklung in ihrem direkten Lebensumfeld und nehmen zum Beispiel aktiv an der Fragebogenaktion zum Stadtentwicklungskonzept teil. Dabei stehen die Punkte Feuerwehr, ärztliche Versorgung und Kinderbetreuung ganz oben auf der Skala. Gerade für Eltern sind der Erhalt der Freibäder, der Parks und der Grünanlagen sehr wichtig. Die Einwohner melden sich ebenso zum Thema Sauberkeit und Sicherheit zu Wort, sprechen Stadträte und den Bürgermeister direkt an, um auf Missstände und Verbesserungsmöglichkeiten aufmerksam zu machen. Themen, die den Bürgern wichtig sind, sind auch dem Stadtrat und der Stadtverwaltung wichtig. Die Probleme der Bürger Ernst zu nehmen sowie ihre Meinungen und Ideen aufzunehmen, schafft bei ihnen Zuversicht. Keiner erwartet, dass alles von jetzt auf gleich gemacht werden kann, aber eine Zielstellung soll schon vorhanden sein.

Sind die Kommunalwahlen im Jahr 2019 für Sie bereits ein Thema?
Wahlkampf und das Bemühen um die Bürger sollte auf kommunaler Ebene fünf Jahre für Stadträte und sieben Jahre für Bürgermeister sein, denn das sind die Dauer der Wahlperioden. Wir können uns nicht sechs Wochen vor der Wahl hinstellen und erklären, nun machen wir wirklich alles besser. Vielmehr müssen wir immer und die gesamte Zeit der Wahlperioden im Blick haben, was den Bürgern vor Ort wichtig ist. Die mitunter kleinen Wichtigkeiten müssen von den Kommunalpolitikern beachtet werden. Denn diese sind es oftmals, die auch finanziell geleistet werden können. Daran erkennen die Einwohner unter anderem, dass die Verwaltung für die Bürger da ist.