Ummendorf l Ausgangspunkt des Vorhabens ist der 1996 erstmals vom Börde-Museum initiierte historische Handwerkermarkt. „Dieser Markt wird mit Unterbrechungen bis heute als Burgfest fortgesetzt“, so Museumsmitarbeiterin Gesche Neumann. „Das vorrangige Ziel ist dabei, den Besuchern historische Handwerksfertigkeiten vorzuführen und Wissen zu vermitteln.“ Das gelte auch und im besonderen für diese Neuauflage des Mittelalterspektakels, das nicht nur für das Museum und Ummendorf eine Premiere bedeutet: „Die Darsteller der orientalischen Mittelalterszene sind über ganz Deutschland verstreut. Ein zentrales Treffen mittelalterlicher Orientdarsteller hat es bislang noch nicht gegeben.“

Während auf dem Burggelände also wie gehabt europäische Mittelalterlager, urgeschichtliche Handwerker und Marktstände präsentiert werden, befindet sich auf der Festwiese am Sportplatz das Orientlager. Dort entführen mehr als hundert Aussteller in die Welt von tausendundeiner Nacht, wobei man keinesfalls nur Klischees bedienen und plakative Effekthascherei betreiben will: „Alle Vorführer und Vereine haben bereits jahrelange Erfahrung und waren vielfach bereits selbst in den Ländern ihrer Darstellung unterwegs und können somit aus erster Hand berichten“, erklärt Gesche Neumann. Und weiter: „Recherchen wurden von den einzelnen Darstellern betrieben und viele Gespräche mit Muslimen und Menschen aus dem Orient geführt, so dass mit Fehlinformationen aufgeräumt werden kann und für die Besucher ein Erkenntnisgewinn möglich ist.“

Orientalischer Einfluss ist historisch

Generell seien im Zuge der Flüchtlingskrise seit 2015 vermehrt Fragen und Diskussionen darüber entstanden, wo bereits in der Vergangenheit Kontakte, Austausch und damit verbunden gegenseitige Einflussnahme zwischen Orient und Okzident vorlag. „Tatsächlich gibt es viele Bereiche, in denen seit dem Mittelalter der Einfluss des Orients auf unsere abendländische Kultur nachweisbar ist“, heißt es vom Börde-Museum. „Die Etablierung des modernen Zahlensystems mit arabischen Ziffern, medizinische und technische Kenntnisse sowie Errungenschaften seien hier nur beispielhaft genannt neben unzähligen Lebens- und Genussmitteln wie Aprikosen oder Marzipan, die ihren Ursprung allesamt im orientalisch-arabischen Raum haben.“

Gespannt blicken die Akteure nun aufs kommende Wochenende mit dem festlichen „Rendezvous“ zwischen Abendland und Morgenland. Einen Vorgeschmack darauf lieferte schon das Ummendorfer Burgtheater mit dem prächtig ausstaffierten Stück „Die Tausendundzweite Nacht“.

„Das bei Besuchern bekannte und beliebte Burgfest wird durch das besondere Motto ‚Orient trifft Okzident‘ um eine Attraktion reicher“, ist Gesche Neumann sicher. Unter dem Titel „Oriens Germaniae – Deutschlands Orient“ wird Ummendorf am 18. und 19. August Schauplatz für das deutschlandweit erste Orient- und Sarazenenlagertreffen.

Mitmachspiele, Märchen und Mokkabar

An beiden Tagen gibt es für die Besucher ein Programm mit Schaukämpfen, Tänzen, Theatersequenzen und Falknerdarbietungen. Mitmachangebote wie etwa Bogenschießen oder orientalische Spiele – Pachisi, Schach, Backgammon oder Kalaha – runden das Angebot für Groß und Klein ab. Tee- und Märchenzelte laden zum Verweilen ein und bieten einen Einblick in die mittelalterliche Welt des Orients. Neben den Darstellern der orientalischen Mittelalterszene aus ganz Deutschland werden auch Händler, Handwerker und edle Ritter aus der Region ihre Waren und Künste präsentieren. Und freilich ist auch für Leib- und Magengenüsse gesorgt, bestätigt Gesche Neumann: „Neben klassischen deftigen und süßen Köstlichkeiten werden in diesem Jahr auch traditionell orientalische Süßspeisen und eine Mokkabar das Angebot bereichern.“

Unterstützt und finanziert wird das Projekt durch den Landkreis Börde, Lotto Sachsen-Anhalt, die Gemeinde Ummendorf, die Kreissparkasse Börde, Avacon und Marktkauf Oschersleben. Geöffnet ist an beiden Tagen von 11 bis 18 Uhr. Der Eintrittspreis beträgt für Erwachsene sieben Euro, ermäßigt drei Euro. Kinder unter sechs Jahren haben freien Eintritt.