Wanzleben l So lautet zumindest die Einschätzung der Lehrer an den Grund- und weiterführenden Schulen in der Stadt Wanzleben-Börde (Volksstimme berichtete). Doch wie sehen das die Schüler? Anne Pötzsch und Carlo Thielecke vom Börde-Gymnasium Wanzleben erzählen von ihrem Schulalltag in den eigenen vier Wänden. Aufgabenblätter per Email, auf moodle, in der Schulcloud oder zum Abholen vor Ort. Die Grund- und weiterführenden Schulen in der Einheitsgemeinde haben für das Distanzlernen unterschiedliche Wege gewählt. Dabei haben alle Schüler eines gemeinsam. Sie müssen zu Hause selbstständig ihren Alltag strukturieren, um die Schulaufgaben lösen. „Man braucht sehr viel Disziplin“, sagt Anne Pötzsch, die in die elfte Klasse des Börde-Gymnasiums Wanzleben geht. Der Distanzunterricht biete Vorteile, aber auch einige Nachteile. „Es war anfangs relativ schwer“, sagt die Schülerin aus Niederndodeleben. Weil diese Form des Unterrichts völlig neu war, musste sie zunächst eine Routine entwickeln. „Es gab halt niemanden wie in der Schule, der einem vorschreibt, dass man das jetzt alles machen muss“, sagt die 16-Jährige.

Vieles läuft einheitlicher

Der Schülersprecher des Börde-Gymnasiums, Carlo Thielecke aus Ummendorf, sagt, dass die zweite Phase des Distanzunterrichts deutlich besser funktioniert als die erste. Vorher hätten die Schüler auf unterschiedlichen Wegen Aufgaben erhalten, beispielsweise per Email und über moodle. „Das läuft jetzt einheitlicher“, so der 15-Jährige.

Mehr Einheitlichkeit wünscht sich Anne Pötzsch auch bei den Abgabefristen. „Einige Lehrer möchten, dass wir die Aufgaben in der Zeit erfüllen und abgeben, in der wir regulär Unterricht hätten“, sagt sie. Andere würden bis zum Ende der Woche Zeit oder gar keine Frist angeben, wieder andere zu Videokonferenzen einladen und dort Aufgaben besprechen. „Das wird sehr unterschiedlich gehandhabt.“

Gefahr des Aufschiebens besteht

Offenbar ist es nicht einfach, es in dieser Sache allen Schülern recht zu machen. Während Carlo Thielecke Abgabefristen zum Ende der Woche für alle Aufgaben bevorzugt, um sich das Arbeitspensum selbst einzuteilen, gefällt es Anne Pötzsch besser, wenn die Lehrer die Aufgaben zeitnah einfordern. Die 16-Jährige: „Man muss die Aufgaben dann halt wirklich machen und kann sie nicht aufschieben.“ Ansonsten bestehe die Gefahr, dass sich zu viele Aufgaben am Ende der Woche anhäufen, die alle auf einmal erledigt werden müssen.

Aber auch das sei kein Problem mehr, wenn irgendwann Routine und Struktur eingekehrt ist, weiß Anne Pötzsch. „Dafür müsse man sehr diszi-pliniert sein.“ Um auch zu Hause eine Lern-Routine zu entwickeln, hat die Elftklässlerin sich einige Strategien zurecht gelegt, um den Schulalltag in den eigenen vier Wänden zu strukturieren. „Ich versuche zum Beispiel nicht zu lange zu schlafen.“ Sieben Uhr möchte sie in der Woche täglich aufstehen, „auch wenn das nicht immer funktioniert“, gibt sie zu. Das sei natürlich nur sinnvoll, wenn man sich dann auch schnell an die Aufgaben setzt. „Ich versuche, vorher nichts anderes zu machen und mich nicht ablenken zu lassen“, sagt sie. Außerdem priorisiert die Schülerin: „Die Aufgaben, die am wichtigsten sind, erledige ich zuerst. Wo die Fristen länger sind, da verschiebe ich auch mal was nach hinten.“ Sie gibt zu, dass die Strategie nicht immer aufgeht und die Disziplin manchmal nachlässt. „Ich saß auch schon mal an einem Freitag vor einem Berg Aufgaben, die am selben Tag eingereicht werden mussten.“

Serverkapazitäten sollten verbessert werden

Verbesserungswürdig finden sowohl Carlo Thielecke als auch Anne Pötzsch die Serverkapazitäten und die Internetversorgung. „Moodle stürzt regelmäßig wegen Überlastung ab“, sagt Anne. Besonders montags, aber auch am ersten Schultag nach den Winterferien, habe niemand auf die Plattform zugreifen können. Es laufe laut Pötzsch zumindest im Börde-Gymnasium alles über moodle. „Wenn das nicht funktioniert, dann kann man wirklich gar nichts erledigen.“ Carlo Thielecke sagt ebenso: „Da muss nachgesteuert werden, nicht nur bei moodle gibt es Probleme, auch Videokonferenzen haben selten funktioniert.“

Positiv ist Anne Pötzsch aufgefallen, dass die Rückmeldungen zu den Schulaufgaben oft relativ persönlich sind. Darin sieht sie einen großen Vorteil des Distanzlernens. „Die Lehrer kontrollieren die eingereichten Aufgaben von allen fast immer“, so die Schülerin. Im Präsenzunterricht trage im Regelfall nur ein Schüler die Lösung vor. Jetzt bekomme jeder ein Feedback zu seinen Lösungen. Carlo Thielecke, der in die neunte Klasse geht, bestätigt, dass er ab und zu eine persönliche Rückmeldung erhält. „Das ist natürlich das Perfekte.“ Viel öfter komme es jedoch vor, dass der Lehrer dann über moodle die einheitliche Lösung präsentiert, nachdem alle ihre Aufgaben eingereicht haben.

Meist werden eigene Endgeräte genutzt

Anne Pötzsch ist in der glücklichen Lage, dass sie einen eigenen Laptop besitzt. Auch unter ihren Mitschülern würden die meisten ein eigenes Gerät benutzen, sagt sie. Im Haushalt von Carlo Thielecke gibt es zwei Laptops: „Wir wechseln uns ab, das funktioniert eigentlich ganz gut.“

Auf den Präsenzunterricht ab 1. März blickt Anne Pötzsch mit gemischten Gefühlen. Einerseits gefalle ihr der Unterricht vor Ort natürlich besser als nur von zu Hause aus zu lernen. Andererseits würden jetzt viele Tests anstehen, „das wird dann sicher erstmal etwas stressig.“ Carlo Thielecke sieht den Beginn des Präsenzunterrichtes im Hinblick auf die immer noch hohen Infektionszahlen kritisch. Zwar freue er sich auf seine Klassenkameraden und auf das Lernen in der Gruppe. „Aber objektiv mit Blick auf die Pandemie habe ich so meine Bedenken.“ Ein großes Lob spricht Carlo allen Lehrern aus, die auch im Distanzunterricht jederzeit ein offenes Ohr hatten und Fragen beantwortet haben.