Wanzleben l Eine Branche, die schon lange von zunehmender Digitalisierung, insbesondere dem Online-Handel und Anbietern wie Amazon bedroht wird, erlebt in der Coronakrise leichten Aufwind und Anerkennung. „Wir verkaufen gerade schon etwas mehr“, sagt Margit Muschker, die den Buchladen in der Wanzleber Schulstraße betreibt. Es erscheine ihr, als hätten die Leute begriffen, was es bedeutet, wenn der Einzelhandel gänzlich verschwindet. Einen nachhaltigen Effekt verspricht sich die Buchhändlerin davon aber nicht. „Letztendlich wird der Online- den Einzelhandel verdrängen“, vermutet sie.

Die 63-Jährige stammt ursprünglich aus Genthin, wo sie den Beruf der Buchhändlerin erlernte und damit ihrer Schwester nacheiferte. Anschließend studierte sie Buchhandel und Verlagswesen in Leipzig. Ab 1980 bis zur deutschen Wiedervereinigung war sie die Leiterin des Geschäfts in der Wanzleber Schulstraße, das in der DDR zum sogenannten Volksbuchhandel gehörte. „Damals gab es hier nicht mal eine Toilette, das war was.“ 44.000 Einwohner seien über die kleine Buchhandlung mit Literatur versorgt worden.

1990 ging Margit Muschter in die Selbständigkeit und kaufte den Laden, „einer der wenigen, der das große Sterben der Buchläden Mitte der Neunziger überlebt hat“, zeigt sich die Inhaberin erleichtert.

Den Laden habe sie 1994 großzügig ausgebaut. „Bis dahin bestand der Verkaufsraum aus zwei kleinen Zimmerchen, eine betretbare Fläche von etwa 10 Quadratmetern“, erinnert sich Margit Muschter. Voller Bücher hätten die Regale gestanden. „Früher bedeutete Buchhandlung noch Buchhandlung“, so die Wanzleberin. Heute besteht ihr Sortiment auch aus Schreibwaren, Zeitschriften, Zeitungen und Geschenkartikeln.

„Ich habe meinen Beruf viel und lange gelernt“, sagt die 63-Jährige. Mit ihrem Sortiment versucht sie, auch hohen Ansprüchen gerecht zu werden und der nach Muschters Meinung zunehmenden Trivialisierung der Literatur etwas entgegen zu setzen.

Insbesondere Kinder möchte sie ans Lesen heranführen. „Wir arbeiten eng mit den Grundschulen und Kitas der Stadt Wanzleben-Börde zusammen.“ Vor zwei Jahren habe Muschter zum Beispiel eine Tafiti-Aktion in ihrem Buchladen veranstaltet. „Tafiti ist eine Kinderbuchfigur, ein Erdmännchen, dass auf subtile Weise wichtige Werte vermittelt“, sagt die Wanzleberin. Dazu waren die Kinder der Wanzleber Kitas und Grundschüler eingeladen, sich mit Tafiti vertraut zu machen. Auch mit der Bibliothek arbeite Margit Muschter eng zusammen.

Privat nimmt sie oft und gern selbst ein Buch zur Hand. „Ich bin lesesüchtig“, sagt sie. Aus diesem Grund und weil sie ihren Beruf auch als Berufung versteht, geht ihr das langsame Sterben des Buchhandels nahe. Vor der Wiedervereinigung habe es im damaligen Bezirk Magdeburg, zu dem Wanzleben gehörte, 45 Buchhandlungen gegeben. „Heute kommen wir auf etwa 15 bis 20“, betont die Buchhändlerin. Der einst krisensicheren Branche gehe es schlecht. „Doch Gott sei dank hat der Buchhandel noch immer einen Stellenwert“, betont sie. Das zeige die Pandemie. Schließlich dürften die Buchläden auch im harten Lockdown weiterhin öffnen.

In ihrer Tätigkeit als Buchhändlerin hat Margit Muschter schon Zeiten erlebt, in denen eine einwöchige Schließung das Aus bedeutet hätte. „Das ist zum Glück nicht mehr der Fall, selbst wenn ich kurzzeitig schließen müsste“, sagt Margit Muschter, die morgen auf den Tag genau seit 40 Jahren ihre „Berufung“ ausübt.