Wanzleben l Wenn Abstände zwischen den Glühweinbuden klaffen, Besucher gezählt werden und Pfeile die Gehrichtung auf dem Weihnachtsmarkt anzeigen, dann ist Corona.

„Der Aufwand steht in keinem Verhältnis“, sagt Tino Bauer, Wanzlebens Ortsbürgermeister und spricht den Satz, den sicher die wenigsten gern hören wollten: „In der Stadt Wanzleben wird kein Weihnachtsmarkt stattfinden.“ Auf facebook schaltete Bauer eine Umfrage in der Ortsgruppe „Die Wanzleber“, nach der sich circa 80 Prozent der Teilnehmer gegen die Veranstaltung eines Weihnachtsmarktes aussprachen. „Das hat die Entscheidung natürlich mit beeinflusst, aber ausschlaggebend waren die strengen Auflagen wegen der Coronapandemie.“

Richtungskonzepte nach dem Einbahnstraßenprinzip oder die Erhebung von Kontaktdaten seien zwingender Teil der Organisation. Ordner müssten sicherstellen, dass Gruppen die Mindestanzahl von zehn Personen nicht überschreiten. Abstände zwischen den Buden seien vorgeschrieben. Eine spezielle Herausforderung würde laut Bauer die Planung der sanitären Anlagen darstellen. Auf diese Weise gehe die besondere Atmosphäre des Weihnachtsmarktes verloren. Darum und aus Vernunftsgründen hätten sich auch viele Vereine gegen den Weihnachtsmarkt ausgesprochen, so der Ortsbürgermeister. „Ohne den Einsatz der Vereine geht es nicht. Sie sind das Herzstück bei einer Veranstaltung wie dieser.“

In Seehausen hingegen sei während der Ortschaftsratssitzung für einen Weihnachtsmarkt an einem Tag Ende November entschieden worden, teilt Ortsbürgermeister Eckhard Jockisch mit. „Die Vereine werden an ihren Buden selbst auf die Einhaltung der Schutzmaßnahmen achten. Auf Kinderauftritte verzichten wir ganz. Die Buden werden in angemessenem Abstand zueinander stehen“, so Jockisch.

Rene Gehre aus Bottmersdorf/Klein Germersleben zeigt sich zögerlich. Der Ortsbürgermeister: „Wir warten immernoch ab, was im Dezember erlaubt sein wird.“ Sollte ein kleiner Markt stattfinden, dann würde das sehr kurzfristig entschieden und bekannt gegeben. Gehre gibt zu bedenken: „Wenn nur wenige Ortsteile einen Weihnachtsmarkt veranstalten und das langfristig ankündigen, dann würden sicher zu viele Besucher kommen, als das Hygienekonzepte eingehalten werden können.“ Helge Szameitpreuß, Ortsbürgermeister von Domersleben, schätz die Lage ähnlich ein: „Nach jetzigem Stand verzichten auch wir auf den Weihnachtsmarkt in diesem Jahr. Wir halten das für die vernünftigste Lösung.“

Laut Thomas Kluge, Bürgermeister der Einheitsgemeinde Wanzleben Börde, kam aus Eggenstedt die Mitteilung, dass der Markt auch dort ausfällt. Die Groß Rodenslebener und Klein Wanzleber behielten sich die Entscheidung weiter vor, so Kluge. Das tut auch Martin Niemann, Ortsbürgermeister von Remkersleben. „Eigentlich wollen wir den Weihnachtsmarkt nicht ausfallen lassen“, sagt er. Es gäbe schon einige Ideen, wie eine ähnliche Veranstaltung kleiner unter Einhaltung der Coronamaßnahmen organisiert werden könne, aber bisher gebe es noch nichts Konkretes, so Niemann.

In den Ortsteilen findet der Markt traditionell an einem Tag, in der Stadt Wanzleben hingegen über die gesamte Weihnachtszeit hinweg mit sehr viel mehr Besuchern statt. Die Voraussetzungen sind in der Einheitsgemeinde dementsprechend sehr unterschiedlich. Dort, wo mehrere hundert Menschen täglich über Wochen zusammen Glühwein trinken, ist das Risiko vielfacher Ansteckungen sehr viel höher. Tino Bauer tröstet in die Zukunft: „Zum Feiern gibt es im nächsten Jahr wieder viele Möglichkeiten, hoffentlich unter besseren Voraussetzungen.“