Wanzleben l „Wir haben am Anfang nicht damit gerechnet, welches Ausmaß das annimmt“, sagte Patrick Motsch, Chef der Partyband „einzig & artig“, mit Blick auf die Corona-Pandemie. Im September vergangenen Jahres hatte die Band ihre letzte Veranstaltung. Alles sei heruntergefahren worden, sagte Motsch. Keine Veranstaltungen, keine Proben, kein Geld. In Kontakt blieb die Gruppe trotzdem – aber nur online. Die Bandmitglieder würden dennoch zu Hause für sich üben, sagte er weiter. Allerdings sei das nicht das Gleiche, denn das Gefühl von Zusammensein fehlt einfach.

Doch selbst wenn die Clubs geschlossen und Partys nicht stattfinden können, hält das einige Musiker nicht davon ab, ihre eigene Party zu schmeißen. Sogenannte Streaming­events bieten viele an. Dafür entschied sich auch der Blumenberger DJ Franky zu Beginn der Pandemie. Er organisierte solche Partys für zu Hause. Auf Facebook und anderen Plattformen konnten die Nutzer live dabei sein, wenn Frank Lüers Musik im heimischen Garten oder Wohnzimmer auflegt und sie konnten per Chat oder Kommentar auch Kontakt mit ihm aufnehmen. Doch nun ruhe die Musik erst einmal, sagte Frank Lüers. „Die Zeit ist nicht so da und der persönliche Kontakt fehlt einfach“. Er vermisse es, Musik zu machen und auch er habe nicht damit gerechnet, dass sich diese Situation so lange hinziehen würde. Und dass sie so „dramatisch“ und „sehr übel“ für die Szene sei.

Band lebt vom Live-Geschäft

Nicht alle Musiker sind auf den Zug der Online-Partys aufgesprungen. So zum Beispiel „einzig & artig“ „Die Band lebt vom Live-Geschäft und wir wollen die Bühne und das Publikum“, erklärte Motsch.

Die Bandmitglieder Kathi, Patrick, Jens, Tobi und Simon arbeiten hauptberuflich in der Partyszene. Irgendwann kam der Punkt, an dem klar wurde, dass in der nächsten Zeit kein Geld mit Partyauftritten verdient werden kann. Als der Terminkalender leer war, musste man sich Gedanken machen, wie es weiter geht, sagte der Bandchef. Es musste ein Plan  B her. Jedes Bandmitglied hat sich einen neuen Job gesucht, sagt er weiter. So hat Kathi von der hauptberuflichen Sängerin zur Buchhaltung gewechselt. In diesem Bereich habe sie früher auch schon einmal gearbeitet. „Die Krise regt zum Nachdenken an“, sagte Motsch. Man sollte ein zweites „Standbein“ haben, falls so eine Situation wieder eintritt.

Krise regt zum Nachdenken an

Ob die Band nach der Pandemie wieder zusammenkommt, sei nicht zu 100 Prozent sicher. „Wir wissen nicht, ob jeder von ihnen bereit ist, dann alles für die Musik aufzugeben“, sagte der Chef. Die Mitglieder haben sich über die Zeit etwas neues Berufliches aufgebaut. Im Moment können sie es allerdings nicht erwarten, endlich wieder loszulegen, meinte Motsch.

Für den Wanzleber Dennis Mahr, der seit 2016 hauptberuflich im Veranstaltungsservice und als DJ tätig war, kommt eine Rückkehr in diesen Bereich höchstwahrscheinlich nicht infrage. Im März 2020 hat er gezwungenermaßen aufhören müssen. Nebenbei war er vor allem im Januar und Februar für einen Hausmeisterservice tätig. Dort war es ihm möglich, im März in Vollzeit zu arbeiten. Darüber war Mahr sehr froh, schließlich hatte er sonst keine Einnahmequelle. Seit Juli ist er nun als Elektroniker unterwegs, sagte der 42-Jährige. „Der finanzielle Spielraum ist aber weg“, sagte er weiter. Von dem Geld lassen sich die notwendigen Kosten decken - unter anderem für sein Lager oder die Technik.

Für die Zukunft kann er sich nicht mehr vorstellen, in dieser Branche hauptberuflich wieder einzusteigen. Ein Grund dafür sei, dass vom Staat einfach keine oder nicht genug Förderungen kämen. Würde er erneut in eine solche Situation geraten, „dann wird es richtig böse“ und er müsse vielleicht sogar Insolvenz beantragen. Abschwören möchte Mahr der Branche allerdings nicht und er wird wahrscheinlich, wenn es wieder erlaubt ist, nebenberuflich weitermachen. Vor allem wäre dies als zweites Standbein nötig, sagte er.

Vorsichtiger Blick in die Zukunft

Auch DJ Franky und Bandchef Patrick Motsch hoffen, dass Veranstaltungen bald wieder möglich sind. „Für uns wäre es das erfolgreichste Jahr seit Bandgründung geworden“, sagte Motsch. Allerdings werde das in diesem Jahr wohl nicht mehr möglich sein. Doch vielleicht können am Ende 2021 wieder Live-Veranstaltungen stattfinden, hofft er. Und so geht es auch Frank Lüers. Denn er legt oft auf Privatfeiern auf und wurde für einige schon gebucht, die im vergangenen Jahr natürlich verschoben werden mussten. Termine für 2021/22 stehen, doch ob diese auch stattfinden werden, bleibt abzuwarten. Dennis Mahr hingegen vermutet, dass die große Pleitewelle jetzt erst kommen wird.