Walker spricht mit Bürgermeister Klenke über Zukunft des Burghofs

Der Landrat auf Antrittsbesuch in Oschersleben

Von Mathias Müller

Landrat Hans Walker machte seiner Heimatstadt Oschersleben bei einem offiziellen Arbeitsbesuch und einem Gespräch mit Bürgermeister Dieter Klenke seine Aufwartung. Zusammen besuchten sie die Baustelle auf dem Burghof.

Oschersleben l Landrat Hans Walker (CDU) nimmt in den ersten Tagen seit seinem Amtsantritt Termine im Stundentakt wahr. "Natürlich widme ich meine uneingeschränkte Aufmerksamkeit der Leitung der Kreisverwaltung", erklärt Walker, der am Donnerstag zu einem Arbeitsbesuch bei Oscherslebens Bürgermeister Dieter Klenke (parteilos) weilte. "Daneben möchte ich aber auch mit den Bürgermeistern der Gemeinden ins persönliche Gespräch kommen, um zu erfahren, an welchen Stellen der Schuh drückt", nennt Walker den Grund für seine Tour zu den Verantwortlichen in den Kommunen des Kreises.

Daraus, dass der Oschersleber Walker eine besondere Bindung zu seiner Stadt hat, macht er kein Geheimnis. "Mir sind die Probleme, oft stecken finanzielle Sachzwänge dahinter, natürlich nicht fremd. Es ist mir aber wichtig, mit den kommunalen Verantwortungsträgern vor Ort in regelmäßigen Abständen persönlich ins Gespräch zu kommen."

Wenn Walker auf das Burggelände am Nickelkulk zu sprechen kommt, ist er in seinem Element. Schon in seiner Eigenschaft als Geschäftsführer der Oschersleber Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft Bewos als 100-prozentiger Tochter der Stadt, hat er sich tiefgründige und fundierte Gedanken über die gestalterische und städtebauliche Entwicklung Oscherslebens mit Schwerpunkt Burggelände gemacht. "Hier bin ich mir mit den Verantwortungsträgern der Stadt Oschersleben einig, man muss dieses Konzept weiter verfolgen."

Deshalb nutzte der Landrat seinen Arbeitsbesuch am Donnerstag, um mit Bürgermeister Klenke und dem neuen Bewos-Geschäftsführer Thomas Harborth die Baustelle auf dem Burghof zu besichtigen. "Wir sichern gerade das Dach des alten Speichers und des angrenzenden Frauenhauses", erklärt Harborth seinen Gästen aus der Politik. Dazu sind die drei Männer die engen Treppen des Speichers empor gestiegen, um im vierten Geschoss zu sehen, dass das historische Gebäude zurzeit kein Dach mehr hat. Dieses drohte wegen Altersschwäche zusammenzubrechen, weshalb es von Bauarbeitern abgetragen wurde. "Alle Holzbalken im Inneren werden durch eine Stahlkonstruktion ersetzt", erläutert Harborth den weiteren Schritt bei der Sicherung des historischen Gebäudes. Die Sicherung kostet alles in allem 700000 Euro und wird aus der Städtebauförderung durch Bund und Land finanziert. Die Arbeiten werden bis Mitte nächsten Jahres dauern.

Bei der weiteren Wiederbelebung des historischen Stadtkerns plant die Bewos, die Eigentümerin der Kernburg und der Vorburg ist, im Speicher und im Frauenhaus Büro- und Archivräume zu integrieren. Mögliche Mieter sind der Landkreis Börde und die Stadt Oschersleben. "Wir haben große Teile unseres Archivs in der Verwaltungsaußenstelle Hadmersleben", sagt Klenke. Weil die Stadt das Haus verkaufen will und es eine Interessentin gibt, muss ein neues Archiv her.

"Auch beim Kreis steht weiterhin die Option, das neue Archiv auf der Oschersleber Burg per Mietvertrag zu nutzen", macht Walker deutlich. In der Kreisverwaltung gebe es eine Arbeitsgruppe Standort, die sich zurzeit mit der Entwicklung der Landrats-amtspräsenzen in Haldensleben, Wolmirstedt und Oschersleben beschäftigt. Hintergrund sei, so der Landrat, dass der Pachtvertrag für das Hauptverwaltungsgebäude in der Haldensleber Gerickestraße 104 am 31. Dezember 2014 auslaufe und der Kreis in der Immobilienfrage zu einer Lösung kommen müsse. Optionen seien die Verlängerung des Pachtvertrages, der Kauf des Hauses in der Gerickestraße und die anschließende Sanierung oder der Neubau eines Landratsamtes in Haldensleben. Die Arbeitsgruppe Standort beleuchte alle Optionen und werde dem Kreistag Vorschläge zur Abstimmung unterbreiten. Darin eingebettet Betrachtungen für die Außenstellen Oschersleben und Wolmirstedt. Im Zuge der nächsten Bauarbeiten an der alten Burg will die Bewos die Anzahl der Geschosse von vier auf drei plus Dachgeschoss reduzieren. "Weil die Räumhöhen zu gering sind", nennt Harborth den Grund für den radikalen Eingriff in den alten Baukörper.

Im Inneren werden Stahlträger die neue Konstruktion tragen, das alte Mauerwerk wird damit nicht belastet. Das obere Geschoss soll Büros beherbergen, die beiden darunter das Archiv. Im Erdgeschoss ist eine öffentliche Nutzung wie durch einen barrierefrei zu erreichenden Veranstaltungssaal geplant. Im Keller ist eine gastronomische Nutzung denkbar. "Wir sehen die Entwicklung von Kernburg und Vorburg im Kontext und versprechen uns zum Beispiel bei der Erschließung mit Straßen und Versorgungsleitungen Synergieeffekte", blickt Harborth in die Zukunft.