Sülldorf l Bereits der erste Teil des Vortrages hatte vor einigen Monaten zahlreiche Einwohner von Sülldorf in den Bann gezogen. Aufgrund der Vielzahl der Bilder wurde die historische Zeitreise damals nach zwei Stunden Vorführung mit dem Ende der achtziger Jahre abgebrochen. Auch diesmal waren zum zweiten Vortragsteil mehr als 50 Sülldorfer jeden Alters in den Räumen der Gaststätte erschienen, die somit im wahrsten Sinne des Wortes bis zum letzten Platz gefüllt war. Alfred Niemann zeigte sich erfreut, denn er hatte weit mehr als 600 Bilder für seine Vorträge gesammelt. Und weit mehr als ein Jahr hatte er dann auch an Vorbereitungszeit für die Sichtung des Materials und die Einordnung früherer Ereignisse gebraucht.

Der Sülldorfer Hobbyfotograf entführte die Zuschauer zuerst in das Jahr 1987, als Sülldorf gerade seine 1050-Jahr-Feier beging. Fotografische Momentaufnahmen von damals projezierte er mit seinem Beamer an die Wand und stellte gleich darauf Bilder aus derselben Perspektive aus der heutigen Zeit gegenüber. Obwohl viele den Wandel miterlebten, zeigten sich die Besucher erstaunt, was sich doch alles mit der Zeit verändert hat.

Marode Straßen und verfallene Häuse

Angetan hatten es dem Fotografen insbesondere die Straßen des Dorfes. So lichtete er die Bahrendorfer Straße, die Straße Am Weinberg, den Salzblütenweg und die Mittelstraße ab. Die alten Aufnahmen zeigten zumeist Straßen in einem maroden Zustand, gesäumt von verfallenden Häusern und Autos aus der DDR-Zeit. In der Straße Am Weinberg sah man noch den gelben Briefkasten, von dem sich die Bewohner ihre Post abholen mussten, denn diese wurde damals in Sülldorf nicht ins Haus gebracht. Demgegenüber standen Fotos aus der heutigen Zeit von einem aufgeräumten, modernisierten Dorf.

Bilder

Abgelichtet hatte Niemann auch Häuser in der Straße Puppendorf, die Anfang der 50er Jahre von Umsiedlern gebaut wurden, die als Neubauern in Sülldorf eine neue Heimat fanden. Es folgten Bilder von alten Mauern und von historischen Wappen, die in Hauswänden eingelassen waren. Die dokumentierte Niemann auch auf seinen Aufnahmen von den Steinstelen an der Kirchhofsmauer, die ebenso die Wappen der Familien von Angern, von Münchhausen und von Hackeborn zeigen. Beeindruckt waren die Zuschauer auch von den Fotos der Sülzehochwasser von 1947, 2007, 2010 und 2016, als Teile des Dorfes aufgrund starker Regenfälle von dem eigentlich sonst harmlosen Flüsschen Sülze überflutet wurden.

Sozusagen als Zugabe des Abends präsentierte Alfred Niemann den Gästen schwarz-weiße Bilder vom Sülldorfer Karneval 1957 bis 1960, die ihm erst kürzlich von dem Sülldorfer Einwohner Bernhard Schneider zur Verfügung gestellt wurden. Viele der Anwesenden erinnerten sich noch an die damals abgebildeten Personen und riefen laut die Namen in den Raum. Zu sehen waren Gruppenaufnahmen von Kostümierten, von damals noch mit Pferdewagen vorgenommenen Karnevalsumzügen sowie von Büttenreden und rauschenden Faschingsfeiern in der Sülldorfer Festhalle.