Wanzleben l An der Gemeinschafts- und Sekundarschule Wanzleben hat eine zweite Werkstatt im Rahmen des Fachdialogs „IT-Schulstrukturen gemeinsam entwickeln“ des Landkreises Börde stattgefunden. Schulleiter, Vertreter des Landkreises Börde als Schulträger, schulfachliche Referenten und Kommunalpolitiker sind in einer landesweiten Initiative zusammengeschlossen, die sich die Digitalisierung des Lernens zum Ziel gesetzt hat.

Der Workshop trug den Titel „Erproben schafft Sicherheit“. Schüler der Gemeinschaftsschule Wanzleben zeigten bei der zweiten Werkstatt unterrichtsbezogene Einsatzmöglichkeiten von Minetest, der benutzeroffenen Variante des 3D-Spiels Minecraft. Die Schüler gaben ihr Wissen nicht nur an die Teilnehmer der zweiten Werkstatt des Fachdialogs zur gemeinsamen Entwicklung einer kreisweiten schulischen Ausstattungsplanung weiter, berichtete Silke Heick, Rektorin der Förderschule für Lernbehinderte in Klein Oschersleben, die in der Initiative mitarbeitet. Die Wanzleber Sekundarschüler zeigten auch Jugendlichen von der Johannes-Gutenberg-Schule in Wolmirstedt, wie im Geschichtsunterricht, in Biologie, in Ethik oder fachübergreifend mit Minetest gearbeitet werden könne. „Der Aufbau eines eigenen Spielservers oder der detailgetreue Nachbau des historischen Bahnhofes in Dresden gehören dabei zum autodidaktischen Know-How der Schülerinnen und Schüler“, sagte Silke Heick.

Lehrkräfte seien, verdeutlichte der Referent Tobias Thiel von der Evangelischen Akademie in Wittenberg, hier vielmehr gefragt, pädagogische Rahmenbedingungen zu schaffen. Minetest ermögliche dabei vor allem auch neben fachbezogenem Lernen den Erwerb sozialer Kompetenzen. Die technischen Voraussetzungen seien relativ leicht an jeder Schule umsetzbar, da eben nicht zwingend ein Breitband-Internet vorausgesetzt werde.

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Eigenverantwortung ist wichtig

Eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien sei dabei die zugestandene Eigenverantwortung der Schule, beispielsweise hinsichtlich des Besitzes von Administrationsrechten, verdeutlichte Silke Heick. Das bestätigten die Schüler der Minetest-AG der Gemeinschafts- und Sekundarschule Wanzleben, Referent Thiel und Jörg Drebenstedt, Techniklehrer der Schule. Dabei würden Schulen andere Anforderungen an IT-Strukturen als Verwaltung oder Unternehmen stellen, betonen der Experte für Schul-IT aus der Schweiz, Dr. Basil Stotz, der Schulleiter der Johannes-Gutenberg-Schule Helmut Thiel und der Verantwortliche für die Qualität schulischer Medienkonzepte am Landesschulamt Dr. Sören Messerschmidt einhellig. Neben beispielsweise 600 Parallelzugriffen gehe es um die gemeinsame Nutzung von Endgeräten, einen ausgeprägten Einsatz von Multimediaanwendungen und die Geschwindigkeit und Verfügbarkeit von Programmen angesichts begrenzter Nutzungsfenster.

Bei der Kurzpräsentation zeigten Schüler der Wolmirstedter Johannes-Gutenberg-Schule ihr eigenentwickelten Kühlungssystem für Computer und führte die Theatergruppe der Ganztagsschule Wanzleben eine künstlerische Interpretation von schulischer Medienbildung auf. Dabei sei nach Ansicht von Silke Heick deutlich geworden, dass Jugendliche neben vielen guten Ideen, hoher Einsatzbereitschaft und technischer Kompetenz neben einer an Schulen angepassten IT-Struktur vor allem gute pädagogische Rahmenbedingungen bräuchten.

Dabei gehe es auch um das Erstellen von Innovationssteckbriefen. Darin zeigten verschiedene Schulen acht konkrete Erprobungsmöglichkeiten zur Entwicklung einer schulischen Medienbildung auf. Diese Steckbriefe wurden zum Ende der Veranstaltung von Monique Michl vom Landkreis Börde, die regelmäßig an den Veranstaltungen des Fachdialogs teilnimmt, und von Christine Baran von der Medienberatung des Landes Sachsen-Anhalt, übergeben.

Landesschulamt unterstützt

Auch Dr. Sören Messerschmidt, der den Dialog seitens des Landesschulamtes unterstützt, erhielt die ersten Innovationssteckbriefe. Im Nachgang werden diese Anregungen zudem dem Referat 16, digitale Bildung im Ministerium für Bildung, und an Marco Langhof, Vorsitzender des Digitalisierungsbeirates der Digitalen Agenda des Landes Sachsen-Anhalt, sowie Steffi Trittel, Bürgermeisterin der Gemeinde Hohe Börde, und Mitglied im Digitalisierungsbeirat, übergeben.

„Wir rufen alle Schulen des Bördekreises auf, innovative Ideen in die nächsten Werkstätten, die in gemeinsamer Verantwortung von Vertretern des Landesschulamtes, Schulträgers, des Landesinstituts für Schulqualität und Lehrerbildung Sachsen-Anhalt und der Schulpraxis vorbereitet werden sollen, einzubringen“, sagte Silke Heick. Die IT-Branche suche händeringend nach Fachkräften. Eine Chance, die die Schüler des Kreises ergreifen könnten.