Bestandsgefährdete Grundschulen in der Stadt Wanzleben-Börde

Domerslebens Ortsbürgermeister Helge Szameitpreuß schlägt Aufhebung der Einzugsbereiche für Wanzleber Grundschulen vor

Josephine SchlüerKlein Wanzleben/Domersleben

In die Grundschulen in der Stadt Wanzleben-Börde werden in Zukunft zu wenige Kinder gehen, um deren Bestand dauerhaft zu sichern. Die Klein Wanzleber Ortsräte haben während ihrer Sitzung bereits ein Signal gesetzt, dass sie kein Interesse daran haben, Teilstandort eines Schulverbundes zu werden. Einen Schulversuch für einen Verbund mit einem Haupt- und zwei Teilstandorten hatte der Leiter des Sozialamtes, Kai Pluntke, vorgeschlagen (Volksstimme berichtete).

Auch in Domersleben zeigten sich die Ortsräte am Mittwochabend während der Sitzung von dieser Idee alles andere als begeistert. „Schulverbünde sehe ich als Schließung durch die Hintertür“, so Domerslebens Ortsbürgermeister Helge Szameitpreuß. Schon allein, weil die Eltern dabei nicht mitziehen würden, wenn Kinder aus zwei Jahrgängen gemeinsam unterrichtet werden. Das ist nur eine wahrscheinliche Auswirkung des Schulversuchs. Auch gäbe es nur einen Schulleiter für die drei Standorte. Der Ortsbürgermeister nannte darum einen weiteren Lösungsansatz, um beide Grundschulstandorte zu erhalten.

Zunächst erinnerte Szameitpreuß: Beruhend auf einem Stadtratsbeschluss aus der vergangenen Legislaturperiode wurde der Einzugsbereich für den Standort Hohendodeleben geändert. Seitdem gehen die Einschüler aus Klein Rodensleben nicht mehr in die Domersleber, sondern in die Hohendodelebener Grundschule, was sich jetzt negativ auf die Schülerzahlen auswirkt. Dass dieser Beschluss nicht mehr umkehrbar ist, ist dem Ortsbürgermeister bewusst. Nach eingehender Studie des Landesschulgesetzes habe er jedoch eine Möglichkeit entdeckt, die gefährdeten Standorte zu sichern. Diese erfordere jedoch Solidarität seitens der anderen nicht bestandsgefährdeten Grundschulen.

Der Ortsbürgermeister schlägt die Aufhebung der Schuleinzugsbereiche für vier Grundschul-Standorte der Stadt Wanzleben-Börde vor. Wanzleben selbst würde er dabei ausklammern, weil sich für die Grundschule „An der Burg“ ohnehin nichts ändern würde.

„Der Gesetzgeber gibt vor, dass der Schulträger Kapazitätsgrenzen und Ausfallkriterien für Schulen festlegen und damit bestimmen kann, wer in eine Schule gehen kann“, so Szameitpreuß. Auswahlkriterien können dabei die räumliche Nähe sein, der Geschwisterbonus oder auch ein Losverfahren. Vieles sei möglich. Die Einzugsbereiche könnten aufgehoben, die Kapazitätsgrenzen verändert und die Grundschulstandorte in zwei Paare aufgeteilt werden, Seehausen und Klein Wanzleben sowie Domersleben und Hohendodeleben. Dann würden die Paare in Zukunft jeweils auf über 30 Einschüler pro Jahr kommen, wodurch theoretisch 15 Schüler jährlich an jedem Standort eingeschult werden können. 15 Schüler mindestens gibt das Land für einen Standorterhalt vor. „Schuleinzugsbereiche und Kapazitätsgrenzen kann man per Satzung ändern“, sagte Szameitpreuß.

Mehraufwand für Eltern und Gemeinde

Die Umsetzung dieses Vorschlages erfordere natürlich einen Mehraufwand für die Stadtverwaltung und Flexibilität seitens der Eltern. Der Bürgermeister erklärt es an einem Beispiel: „Unterschreitet Domersleben in einem Jahr die Zahl von mindestens 15 Einschülern, könnte man in diesem Jahr veranlassen, dass aus einer Gesamtmenge von hypothetisch fünf Einschülern etwa in Klein Rodensleben, dann zwei Kinder in die Hohendodelebener und drei in die Domersleber Grundschule gehen könnten.“ So könnten die Zahlen dauerhaft konstant gehalten werden. Für den Vorschlag von Helge Szameitpreuß sprachen sich alle acht anwesenden Ortschaftsräte in der Sitzung am Mittwochabend aus.

Der Leiter des Sozialamtes der Stadt Wanzleben-Börde war ebenfalls am Mittwochabend in Domersleben anwesend um die Möglichkeit des Schulversuchs zum Schulverbund mit einem Haupt- und zwei Nebenstandorten vorzustellen. Er nahm den Vorschlag des Ortsbürgermeisters auf: „Das ist zumindest eine Idee“, sagte er. Nun müsse die Stadt prüfen, ob der Vorschlag rechtlich umgesetzte werden kann, so Kai Pluntke.