Erster Einsatz für drei Ortswehren in 2013 - In Zisterne in Bergen fehlen 4000 Liter

Eiskalter Einsatz bei Schornsteinbrand: Kameraden diskutieren Löschwasserproblem

Von Sabrina Trieger

Zum ersten Einsatz des Jahres sind in der Nacht zum Donnerstag die Feuerwehren Remkersleben, Groß Rodensleben und Wanzleben gerufen worden. In Bergen brannte der Schornstein der "Gieseckschen Villa". Während die Kameraden bereits die Löschtechnik aufbauten, schliefen im Haus noch drei Personen. Sie blieben unverletzt.

GroßRodensleben/Bergen l Zu einem Brand sind in der Nacht zum Donnerstag gegen 3.30 Uhr die Einsatzkräfte aus den Feuerwehren Groß Rodensleben und Remkersleben alarmiert worden. In Bergen brannte der Schornstein der "Gieseckschen Villa". Vier Kameraden aus Groß Rodensleben und neun der Remkersleber Wehr stellten vor Ort fest, dass bereits die Außenverkleidung des Schornsteins brannte und die Flammen drohten auf den Dachstuhl überzugreifen. "Als wir eintrafen, sahen wir, dass im Haus Licht brannte. Es mussten sich also Personen im Inneren befinden. Das war Minutensache. Der Dachstuhl stand kurz davor, von den Flammen angegangen zu werden. Und das während noch drei Personen im Haus schliefen. Die Bewohner selbst hatten das Feuer nicht bemerkt", erklärte der stellvertretende Stadtwehrleiter Andreas Uhde. Wer das Feuer gemeldet hat, konnte er nicht sagen. "Wir sind über die Rettungsleitstelle alarmiert worden."

Die drei Bewohner konnten rechtzeitig und unbeschadet das Gebäude verlassen.

Sofort nach dem Eintreffen der Wehren war ein Trupp unter Atemschutz und einem C-Rohr in das Dachgeschoss der Villa geeilt. 3.48 Uhr wurde die Drehleiter aus Wanzleben nachgefordert.

Daraufhin rückte das Tanklöschfahrzeug sowie die Drehleiter mit insgesamt neun Kameraden in Wanzleben aus. Stadtwehrleiter Burkhard Wegner folgte ihnen mit dem Kommandowagen. "Weitere acht Einsatzkräfte hielten sich im Gerätehaus in Wanzleben bereit, um bei Bedarf weitere Technik, wie das LF 16-TS mit einer 600 Meter B-Schlauchleitung, nach Bergen bringen zu können", erklärt der erfahrene Feuerwehrmann Kai Pluntke.

Währenddessen wurde von den Einsatzkräften vor Ort eine stabile Löschwasserversorgung aufgebaut. "Allerdings war das bei den eisigen Temperaturen und aufgrund der unzureichenden Löschwasserversorgung in Bergen ein Problem. So dass zunächst die rund 4000 Liter aus den Tankinhalten der drei Löschfahrzeuge ausreichen mussten", merkte Pluntke an.

Der Rußbrand konnte vom Korb der Drehleiter aus schnell gelöscht werden. "Das von den Fahrzeugen im Tank mitgeführte Löschwasser hat am Ende knapp ausgereicht", berichtet Uhde.

Während der Löscharbeiten hatten bereits die Kameraden aus Groß Rodensleben damit begonnen, am in Richtung Dreileben gelegenen Pumpenhäuschen ein Standrohr zu setzen, um die Fahrzeugtanks befüllen zu können.

Andreas Uhde, der in Magdeburg als Berufsfeuerwehrmann tätig ist, übt nach dem Einsatz in Bergen Kritik an der Löschwasserversorgung. "Das Problem ist, dass der Druck auf der Hydrantenleitung nicht ausreicht. Um das zu ändern, müsste das Netz grundlegend erneuert werden. Da das Löschwasserproblem in Bergen bekannt ist, wurde vor noch nicht all zu langer Zeit eine 5000 Liter fassende Zisterne hinter der Bushaltestelle eingebaut, die meiner Meinung nach jedoch viel zu klein ist. 5000 Liter sind so gut wie nichts. Hinzu kommt, dass sich in der Zisterne aktuell nur noch 1000 Liter Wasser befinden. Wir müssen nun prüfen, ob sie ein Leck hat." Dafür müsse der Tank neu befüllt werden.

Die Kontrolle des eventuell defekten Behälters hätten die Groß Rodensleber Kameraden bereits für das Wochenende angekündigt, gab Uhde an.

Nur Wasser aus den Tanks

Im Notfall hätten die Kameraden im weiteren Einsatzverlauf zum Löschen Wasser aus dem Teich in Bergen, wie bei einer Übung im vergangenen Jahr trainiert, "zapfen" können. "Für die Zeit solch eines Versorgungsaufbaus muss dann erst einmal das Wasser, wie bei dem Villa-Brand in Bergen, aus den Fahrzeugtanks reichen", erklärt Pluntke.

"Um im Notfall helfen zu können, brauchen die Wehren funktionstüchtige Technik und vernünftige Voraussetzungen, wie eben eine stabile Löschwasserversorgung", sagte Uhde. So sei es auch wichtig, die Löschwasserteiche in den einzelnen Ortschaften zu pflegen und zu warten. "Der in Eggenstedt hätte beispielsweise schon längst saniert sein sollen."

Astrid Berger, Brandschutzbeauftrage bei der Stadt erklärte gestern: "Bedingt durch die Witterung konnten hier die Sanierungsarbeiten noch nicht ausgeführt werden. Sobald es das Wetter zulässt, wird der Eggenstedter Löschteich erneuert." Deshalb sei das Becken am Ortsrand mit einem Fassungsvermögen von rund 150000 Litern bereits ausgepumpt worden.

Um bei dem "Villa"-Einsatz an die letzten Glutnester heranzukommen, musste die Verkleidung am Schornstein mit Einreißhaken, Äxten und einer Motorkettensäge entfernt werden. Der Eigentümer lässt das ehemalige Gutshaus derzeit ausbauen. "Die Trupps im Inneren des Hauses sicherten mit der Wärmebildkamera ab, dass der Brand nicht ins Dachgeschoss übergreifen konnte", berichtet Pluntke. Um 6.30 Uhr konnte der erste Einsatz des Jahres für die drei Ortsfeuerwehren beendet werden. Die Höhe des entstandenen Schadens konnte gestern nicht beziffert werden.

Der zuständige Schornsteinfeger Hans-Jürgen Slotta gab gestern nach der Besichtigung der Heizungsanlage auf Nachfrage an, dass es sich bei dem Brand um einen sogenannten Rußbrand im Schornstein gehandelt habe. "Dazu kann es kommen, wenn man nasses Holz verbrennt. Dann lagert sich Teer ab, der irgendwann anfangen kann zu brennen", erklärte der Fachmann. "Hier zeigt sich wieder, wie wichtig es ist, nur trockenes Brennmaterial zu verwenden."

Im Gebäudebereich der beiden Mietparteien sei kein Schaden entstanden. "Das Haus ist wieder beheizt und bewohnbar", teilte Slotta mit.