Domersleben l Die Erzieherinnen Katrin Kraushaar und Petra Meyer sitzen mit ihren Kindern auf einem bunten Teppich und spielen. Die quirlige Truppe der Krippenkinder im Alter von einem bis drei Jahren lässt sich von den beiden Frauen gerne leiten und mit Spielen beschäftigen. Bis Nancy Hildebrandt den von der Vormittagssonne durchfluteten Raum betritt und den Kindern „Hallo!“ sagt. In diesem Augenblick gehört der Frau mit den blonden Haaren die uneingeschränkte Aufmerksamkeit der Knirpse, die ihren freundlichen Gruß mit einem Lächeln auf den Gesichtern beantworten.

Nancy Hildebrandt (40) ist Geschäftsführerin der Bördekita gGmbH, der Trägergesellschaft der Integrativen Kita „Der kleinen Domersleber“. Die Kindertagesstätte hat in der Martin-Selber-Straße von Domersleben vor wenigen Wochen ihren Betrieb aufgenommen. „Zurzeit betreuen wir 18 Kinder im Alter von einem bis sechs Jahren. Unsere Kapazität liegt bei maximal 36 Kindern, jeden Monat kommen mehr Anmeldungen hinzu“, sagt die Geschäftsführerin.

Keine Konkurrenz

Sechs Plätze davon sind für Kinder reserviert, die einer frühpädagogischen Betreuung bedürfen. Das seien Kinder, die in ihrer Entwicklung ihren Altersgenossen eineinhalb bis zwei Jahre hinterher sind. Diese Mädchen und Jungen werden von einer Heilpädagogin und einer Heilerziehungspflegerin betreut, die auf die besondere Förderung eingehen. „Jedes Kind wird da abgeholt, wo es in seiner Entwicklung steht“, beschreibt Nancy Hildebrandt den heilpädagogischen Ansatz der Kita. Dabei sind die Kinder in die alltäglichen Abläufe bei den „kleinen Domerslebern“ völlig integriert und erfahren auch dadurch eine zusätzliche Förderung. Spezielle Einrichtungen wie behindertengerechte Waschbecken oder Toiletten sind auf die Bedürfnisse der Kinder zugeschnitten. Welches Kind mit besonderer Förderwürdigkeit die Domersleber Kita besuche, entscheide die Frühförderstelle der Arbeiterwohlfahrt Oschersleben/Wanzleben oder das Sozialamt des Bördekreises.

Geöffnet hat die Kita von 6 bis 18 Uhr. Nancy Hildebrandt und ihre vier Mitarbeiterinnen betreuen Kinder aus Domersleben, Groß Rodensleben, Wanzleben, dem Sülzetal und aus der Hohen Börde, die die Einrichtung besuchen.

„Wir sind eine kommunale Einrichtung in freier Trägerschaft“, gibt Nancy Hildebrandt zu verstehen. Die Bördekita gGmbH als Trägergesellschaft befinde sich unter dem Dachverband des Paritätischen. Wie jede andere Kindertagesstätte auch, würden „Die kleinen Domersleber“ entsprechend des Kinderförderungsgesetzes ihr Geld vom Land Sachsen-Anhalt und der Einheitsgemeinde Stadt Wanzleben-Börde beziehen. „Wir sehen uns nicht als Konkurrenz zu den anderen Kindertagesstätten, sondern als Ergänzung“, sagt Nancy Hildebrandt.

Kita-Plätze der Stadt fast ausgelastet

„Es war immer ein Traum von mir, eine Kindertagesstätte zu eröffnen“, sagt Nancy Hildebrandt. Die Mutter von zwei Kindern und einem Pflegekind in der Familie arbeitete zuvor als Leiterin einer kommunalen Kindertagesstätte in Magdeburg. Nach einer beruflichen Neuorientierung habe die Erzieherin studiert und ihren Bachelor in Frühpädagogik und Management gemacht. Vier Jahre habe es gedauert, bis die Kita nach dem Umbau von früheren Räumen einer Baufirma in der Martin-Selber-Straße eröffnen konnte. Das Geld für den Ausbau habe der Domersleber Christian Hetke als Investor zur Verfügung gestellt, der nunmehr die Räume an die Kita vermiete. „Er war von unserem Konzept überzeugt und sagte, ich baue euch eure Kita“, sagte Nancy Hildebrandt.

„Die Kita ‚Der kleinen Domersleber‘ bereichert das Angebot an Kindertagesstättenplätzen in der Stadt Wanzleben-Börde“, sagt Kai Pluntke, Leiter des Amtes Ordnung und Soziales in der Einheitsgemeinde. Besonders das Angebot an integrativen Plätzen sei hervorzuheben, weil davon in den Wanzleber Kitas nur wenige vorhanden seien. Wie Pluntke verdeutlicht, seien die etwa 430 Kita-Plätze in den Einrichtungen der Kommune, der freien Träger und bei Tagesmüttern nahezu komplett ausgelastet. Bislang sei es der Stadt Wanzleben immer gelungen, den Bedarf von Eltern nach Kita-Plätzen zu sichern. „Wenn auch nicht immer direkt am Wohnort“, wie Pluntke sagt.