Wanzleben l Wenn der 62-Jährige Bernd Hahn in der Chronik der Wanzleber Feuerwehr blättert, so weiß er, dass er ein Stück dieser Geschichte mitgeschrieben hat. Die 30 Jahre, die er nun bereits als Gerätewart der Feuerwehr tätig ist, waren geprägt von einem enormen Wandel. Sein Arbeitsverhältnis bei der Stadt begann der gelernte Kfz-Mechaniker, der zuvor in einer Trabant-Werkstatt in Wanzleben gearbeitet hat, genau zwei Tage vor dem Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 1990 begonnen.

Die rote Fahrzeugflotte war ihm damals keineswegs fremd, war er doch bereits seit 1974 aktives Mitglied der Wanzleber Feuerwehr. Mit dem Löschfahrzeug, dem Tanklöschfahrzeug – beides W50 – und der Drehleiter S 4000, die damals im Gerätehaus an der Lindenpromenade standen, war er schon zu manchem Einsatz ausgerückt.

Immer nah am Geschehen

Nachdem er die Wohnung im Gerätehaus bezogen hatte, war er auch immer nah dran am Geschehen – nicht nur wenn die Feuerwehrleute zum Einsatz gerufen wurden. „Ich habe auch alle Bauarbeiten live miterlebt“, erinnert er sich beispielsweise an die Erneuerung der Fenster und des Dachs, den Umbau der sanitären Anlagen oder die Umstellung der Heizung. „Bis 1995 habe ich noch Kohlen geschleppt, um zu heizen“, erzählt er.

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Die alte Fahrzeugtechnik hat im Laufe der Jahre längst ausgedient, hat ihren Platz unter anderem in Museen oder bei privaten Sammlern gefunden. Darunter war auch ein sogenannter LO, den Bernd Hahn und seine Mitstreiter 1992 zum Hilfsrüstwagen umgebaut hatten. Sieben Jahre später wurde der durch einen Unimog, der ohne Ausrüstung aus der Wanzleber Partnergemeinde Augustdorf kam, ersetzt. Doch auch der wurde Jahre später zu klein, da, wie Bernd Hahn sagt, die technische Hilfeleistung immer anspruchsvoller wurde und somit mehr Material voraussetzte. So rollte 2011 der Rüstwagen, der auch heute noch in Dienst ist, auf den Hof der Wanzleber Feuerwehr, übernommen vom Landkreis Börde.

„Ich habe aber einige Fahrzeuge kommen und gehen sehen“, fasst der Gerätewart zusammen. Beispielsweise denkt er da an das Löschgruppenfahrzeug LF 16 TS, das die Wanzleber Kameraden 1992 als erstes „Westfahrzeug“ übernahmen oder die Drehleitern, die immer moderner wurden. So ging die Drehleiter S 4000 im Jahr 1995 als Leihgabe an das Landesfeuerwehrmuseum in Stendal. Bernd Hahn hat sie zwischendurch noch einige Male besucht.

Als Ersatz kam zunächst eine gebrauchte sogenannte DLK 23/12 SE, Baujahr 1982. Für den Kauf einer ganz neuen Drehleiter fehlte damals das Geld in der Stadtkasse. Mit dieser Drehleiter verbindet Bernd Hahn auch die Erinnerungen an seinen längsten Einsatz. Als Maschinist war er auf der Drehleiter unterwegs, als im November 1999 das Groß Germersleber Schloss in Flammen stand. Etwa 15 Stunden waren Bernd Hahn und seine Kameraden damals im Einsatz. „Ich habe aber in den Dienstjahren viel erlebt, von großen Bränden bis zu schweren Unfällen war alles dabei“, sagt der 62-Jährige, der seine hauptamtliche Tätigkeit immer mit dem Ehrenamt verbunden hat.

Die Drehleiter wurde dann nach insgesamt fast 30 Jahren Dienstzeit in den Ruhestand geschickt, als im November 2011 eine neue Drehleiter, eine sogenannte DLA(K) 23/12, im Gerätehaus ihren Platz fand. Sie konnte mithilfe von Landesfördermitteln für die Feuerwehr der Einheitsgemeinde Stadt Wanzleben-Börde neu angeschafft werden.

Aber egal, wie die Technik sich auch gewandelt hat, mit den Fahrzeugen musste der Gerätewart sich immer auskennen. Mit den W50 Anfang der 1990er-Jahre ebenso wie mit den heute zumeist mehrere 100 000 Euro teuren Löschfahrzeugen. Fahrzeugpflege ist eine der Hauptaufgaben, die den Gerätewart Bernd Hahn 30 Jahre lang begleitet hat. Seit der Gründung der Einheitsgemeinde vor zehn Jahren kümmert er sich nicht nur um die Technik der Wanzleber Feuerwehr, sondern auch um die der zwölf anderen Ortsfeuerwehren. Meldet sie unter anderem zur jährlichen Überprüfung an und überwacht die TÜV-Termine. Wenn ein Werkstatttermin ansteht, bringt er sie dorthin und holt sie auch wieder ab.

Ebenso ist die Atemschutztechnik der Kameraden bei Bernd Hahn in guten Händen. Diese muss jährlich sogar zweimal zur Überprüfung. „Und nach Ausbildungen oder Einsätzen kümmere ich mich darum, dass die Geräte wieder einsatzbereit sind“, fügt er hinzu.

Dass auch die Feuerwehrleute seine Arbeit zu schätzen wissen, haben die Wanzleber Kameraden bewiesen, als sie ihn zum runden Dienstjubiläum mit einem Geschenk überraschten.