Wanzleben l Das Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Wanzleben wurde zur Kommandozentrale. Bei einer Übung kam die örtliche Einsatzleitung unter der Führung von Stadtwehrleiter Burkhard Wegner zusammen, um den Ernstfall nach einer angenommenen Naturkatastrophe zu proben. Unter seiner Leitung koordinierten Führungskräfte den Einsatz der 13 Ortsfeuerwehren der Stadt Wanzleben und des Bauhofes.

Bei der Übung gingen in der örtlichen Einsatzleitung im Minutentakt die Schadensmeldungen ein, die die Wanzleber von der Integrierten Leitstelle des Landkreises Börde in Haldensleben bekamen. In der Kreisstadt liefen die Notrufe aus den Orten des Kreises ein. Unter anderem die aus den Ortschaften der Einheitsgemeinde Stadt Wanzleben-Börde. Die örtliche Einsatzleitung in Wanzleben nahm über Funk Kontakt zu den Ortsfeuerwehren auf und setzte diese zur Hilfeleistung in Bewegung. „In Hohendodeleben Baum auf Dach gestürzt, eine Person vermisst“, hieß eine der vielen Meldungen, die die Wanzleber von der Haldensleber Leitstelle erhielten und dementsprechend die Hilfe vor Ort koordinierten.

Pilotprojekt des Landkreises

Dabei setzte sich in Wanzleben kein Feuerwehrfahrzeug in Bewegung. Es war allein eine Übung der Führungskräfte der örtlichen Einsatzleitung, die am Schreibtisch stattfand. Zeitgleich übten die örtlichen Einsatzleitungen in Oschersleben, in der Westlichen Börde und die Integrierte Leitstelle in Haldensleben.

„Wir befinden uns in einer Probephase, die ein Jahr dauern wird“, verdeutliche Kai Pluntke, Kreisbandmeister des Landkreises Börde und Leiter des Ordnungsamtes der Stadt Wanzleben. An diesem Pilotprojekt des Kreises würden sich zurzeit acht Gemeinden auf freiwilliger Basis beteiligen. Da es sich beim Brandschutz um eine Aufgabe der Gemeinden im Zuge der kommunalen Selbstverwaltung handele, könne der Kreis die Teilnahme nicht anordnen.

Für Pluntke lagen die Vorteile dieses Systems jedoch auf der Hand. Üblicherweise würden die Feuerwehren direkt von der Leitstelle in Haldensleben alarmiert werden. Jedoch komme es bei Stürmen und Unwettern zu einem Massenanfall von Alarmierungen, die die Leitstelle abwickeln müsse und sie an ihre Leistungsgrenze bringe. Deshalb sei es sehr von Vorteil, wenn die Leitstelle des Kreises in den örtlichen Einsatzleitungen einen festen Ansprechparter habe, der dann die Ortsfeuerwehren in Bewegung setze. Dabei sei die Ortskenntnis weiterhin von Vorteil. Der Ausnahmezustand nach sogenannten „Umweltlagen“ trete erst nach einer entsprechenden Warnung des Deutschen Wetterdienstes in Kraft.

Ihre erste Bewährungsprobe hatte die örtliche Einsatzleitung in Wanzleben beim Unwetter in Juni 2017. Damals waren erstmals alle 13 Feuerwehren gleichzeitig im Einsatz. „Wir brauchen die örtliche Einsatzleitung“, schätzte Wanzlebens Bürgermeister Thomas Kluge (parteilos) als oberster Dienstherr der Feuerwehren ein. Nur durch die zentrale Koordinierung sei es möglich, die vielen Einsätze bei Großschadenslagen effektiv abzuarbeiten.