Die Mitwirkenden am Film „Der letzte Brief“ :

Robert Hirschmann (Langenweddingen): Regie, Kamera, Idee

Calvin Luc Freier (Ummendorf): Musik

Jack Aubrecht (Langenweddingen): Schauspieler

Fabian Straube (Dodendorf): Schauspieler, Green Screen

Elise Houtmeyers (Dodendorf): Schauspielerin

Daniel Schäfer (Magdeburg): Schauspieler, Organisation

Johannes Rahn (Langenweddingen): Schauspieler

Jade Skorsetz (Osterweddingen): Maske

Justus Lohmann (Langenweddingen): Assistent

Leon Zimprich (Langenweddingen): Assistent

Langenweddingen l Der vierminütige Film "Letzter Brief", der den Jugend-Video-Preis von Sachsen-Anhalt in diesem Jahr gewann, hat etwas von einer bewegten Scherenschnitt–Animation. Tatsächlich aber werden die Figuren von Schauspielern dargestellt, auf Konturen,Perspektiven, Mimik und gesprochenes Wort wird gänzlich verzichtet. Dafür wird um sehr mehr auf zwar wenige, dafür jedoch kräftige, plakative Farben gesetzt.

In der ersten Szene sitzen zwei Jugendliche am Feuer – ein idyllischer Moment, so scheint es. Doch plötzlich erscheint eine dritte Person auf der Bildfläche und gestikuliert. Daraufhin schnappen sich die beiden Jugendlichen ihre sieben Sachen. Doch auf den Kopf kommt der Helm und die Hände nehmen Gewehre. Nicht an einem idyllischen Lagerfeuer sitzen die beiden jungen Männer, sondern als Soldaten an einem Kriegsschauplatz.

Es kommt, wie es so oft in einem Krieg kommt: Einer der beiden stirbt. Während er in den Armen seines Kameraden sein Leben aushaucht, hat er noch die Kraft, ihm einen Brief zu übergeben. Es sind die letzten Zeilen seines Lebens, Zeilen des Abschieds auf immer, geschrieben an seine Geliebte, die zu Hause wartet.

Bilder

Nicht der erste Film

Dies ist nicht erste Film von Robert Hirschmann. „Ich habe mir von meinem Jugendweihegeld eine Spiegelreflexkamera gekauft. Das war im Sommer 2014. Von da an hat alles irgendwie seinen Lauf genommen“, erinnert sich der 18-jährige Gymnasiast. Schon vorher habe er ein paar Videos gedreht, so dass seine Freunde ihn dazu ermuntert hätten, seine Neigung weiter auszubauen.

„Als die neue Kamera dann endlich da war, haben wir uns zusammengesetzt und viel herumprobiert. Alle hatten darauf Lust“, erzählt Robert. So seien Kurzfilme entstanden, die zumeist im Freien gedreht wurden. Dabei habe jeder seine Aufgabe gehabt, vom Schauspiel über Ton, Musik oder Maske.

Bis 2015 haben sie an mehreren Projekten wie an einem Wettbewerb eine großer privaten TV-Station teilgenommen, haben weiter herumexperimentiert und ihre Erfahrungen in Sachen Kamera, Regie, Drehbuch, Musik und Schauspiel gesammelt. Auch mit der sogenannten Green-Screen-Technologie. „Der Hintergrund ist im Prinzip durchsichtig“, erklärt Robert Hirschmann. Gedreht wird vor einer grünen Leinwand, die dann im Computer als freie Fläche erscheint. „Und diese Flächen können wir mit Bildern, Zeichnungen, Videos und sogar Spezialeffekten wie Feuer füllen“, sagt Calvin Freier, der gerade neben Robert am Rechner sitzt und eigentlich für Musik verantwortlich ist. Dabei fällt auf, dass der Monitor besonders breit erscheint. „Das ist richtig. Den habe ich mir für meine speziellen Bedürfnisse zugelegt“, erklärt Robert Hirschmann.

Produktion im Heim-Studio

Dann erinnert er sich, wie die Arbeiten am Film „Der letzte Brief“ begonnen haben, also eben jenem Streifen, für den Robert und sein Team jüngst ausgezeichnet worden sind. „Die Post hatte zu einem Wettbewerb über das Thema ‚Brief’ aufgerufen“, erzählt der Langenweddinger. Einen normalen Film mit Dialogen und Mimik beispielsweise wollte er nicht produzieren und sich trotzdem irgendwie dem Thema nähern.

„Da schien uns die Green-Screen-Technologie am sinnvollsten“, erzählen die Jungfilmemacher weiter. So seien der Wettbewerb und die Idee in Gruppen diskutiert sowie die Aufgaben verteilt worden. „Weil ich sowieso in meinem Studio zu Hause produziere, wollte ich auch die Musik zu ‚Der letzte Brief’ machen“, erzählt der 19-jährige Calvin. So seien auch die anderen Aufgaben verteilt worden, „wer passt wo am besten hin.“

Dann hat Teamchef und Regisseur Robert ganz wie die Profis ein sogenanntes Storyboard erstellt, also die eine oder andere Szene schon mal optisch aufbereitet, um zu schauen, wie sie später aussehen soll. Ansonsten habe so viel nicht vorbereitet werden müssen. „Das Meiste ist während dem Dreh selbst passiert, alles an einem Tag“, berichtet Robert Hirschmann weiter.

Gymnasium als Drehort

Drehort war, wie schon so oft zuvor, das Gymnasium in Wanzleben. Hier gehen alle Teammitglieder zur Schule, hier haben sie sich kennengelernt. „Allerdings war das kein Schulprojekt, alles ist auf unseren Mist gewachsen“, erzählen Robert und Calvin weiter. Das Gymnasium als Drehort und Loslegen gleich nach dem Unterricht – besser gehe es einfach nicht. „Selbst der Flügel stand direkt neben der Kulisse. So kam mir die Idee, die Musik erst am Drehort entstehen zu lassen. Das Ergebnis ist super, alles hat einfach gepasst“, sagt Calvin.

So ist das junge Filmemacherteam froh und dankbar, von der Schule unterstützt zu werden. „Die Truppe um Robert beschäftigt sich viel mit der Thematik, obwohl dies nicht Teil des Unterrichts ist“, bestätigt unter dessen Schulleiterin Susan Pichottky gegenüber der Volksstimme und fügt nicht ohne Stolz hinzu: „Wir unterstützen die Schüler und freuen uns um so mehr über das Engagement, wenn sie auch noch so erfolgreich sind.“

Tatsächlich haben Robert Hirschmann und sein Team ihren Beitrag bei mehreren Wettbewerben eingereicht, auch bei der Post. Hier erreichten die Schüler aus der Börde bundesweit „nur“ den vierten Rang. Dafür sahnten sie beim Jugendvideopreis Sachsen-Anhalt gleich zwei Mal ab: In der Kategorie „Newcomer“ ging der erste Preis in Höhe von 500 Euro sowie der Publikumspreis in die Börde. Juror und Filmemacher Florian Ziegler lobte vor allem das gelungene formale Experiment, „in dem mit ganz einfachen Mitteln und auf besonders kreative Art und Weise ein Kriegsschauplatz lebendig wird, der den Zuschauer emotional berührt und kunstvoll in die Szenerie einlädt.“

Dann wenden sich Robert Hirschmann und Calvin Freier wieder dem extrabreiten Monitor auf dem Schreibtisch zu. Schließlich planen die Filmemacher schon den nächsten Coup. Doch mehr verraten wollen sie noch nicht.