Klein Wanzleben l „Hier sehen Sie, dass man mit Leader sehr viel machen kann“, sagte Knut Freese am Fuße der Klein Wanzleber St. Johannis Kirche. Der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates konnte am Donnerstag etliche Mitarbeiter von Ministerien des Landes Sachsen-Anhalt, verschiedener Landkreise, des Landesverwaltungsamtes und der Ämter für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten im Zuckerdorf begrüßen. Die Behördenvertreter vereinte das Leader-Netzwerk, das sich um die Förderung des ländlichen Raums kümmert.

Leader unterstützt mit Fördergeld, das unter anderem von der Europäischen Union kommt, Investitionen in Gebäude, Freiflächen, aber auch bürgerschaftliches Engagement und nicht investive Projekte wie zum Beispiel das Erstellen von Konzepten. Damit soll die Entwicklung auf dem Lande beim Gestalten des Lebens- und Arbeitsumfeldes unterstützt werden. Die Stadt Wanzleben-Börde gehört neben der Einheitsgemeinde Sülzetal und der Gemeinde Bördeland im Salzlandkreis zur Lokalen Arbeitsruppe „Bördeland“. Den Vorsitz hat Wanzlebens Bürgermeister Thomas Kluge (parteilos).

Exkursion aufs Land

Die Behördenmitarbeiter mit Klaus Klang, Staatssekretär im Finanzministerium an der Spitze, hatten ihre Büros verlassen, um bei einer Exkursion auf dem flachen Lande bei den Experten vor Ort zu erkunden, wie die Leader-Förderungen wirken. Mit Leader-Fördermitteln und Geld der Kirche waren in den vergangenen Jahren im evangelischen Gemeindezentrum St. Johannis Klein Wanzleben etliche bauliche Veränderungen vorgenommen worden. Unter anderem die Sanierung und Neugestaltung des Treppenaufganges und der Eingangstür, die Neuverfugung der gesamten Fassade, die Erneuerung von Fußböden, der Elektroanlage und des Heizkessels. Damit habe sich die Kirche wieder zum Mittelpunkt des Dorflebens entwickelt, schätzte Gemeindekirchenratsvorsitzender Knut Freese ein. Er verwies unter anderem auf eine Damenrunde, die sich jeden Donnerstag im Gemeindezentrum zum Kartenspielen treffe. Neben „Jockis Klönstube“ nur ein Beispiel, wie die bauliche Hülle des Gemeindezentrums mit Leben erfüllt werde. Damit sei das 1850 erbeute Gemeindezentrum heute der Veranstaltungsort des Zuckerdorfes.

Doch die Kirchengemeinde Klein Wanzleben hat noch mehr vor und dafür wiederum Fördermittel aus dem Leader-Programm beantragt. Bis 2020 soll im Schatten von St. Johannis ein offener Kirchgarten für alle Klein Wanzleber entstehen, nicht nur für die konfessionell gebundenen. Er soll als Treff- und Verweilpunkt für alle dienen, die dort Ruhe und Einkehr finden oder sich an den blühenden Pflanzen und dem leckeren Obst erfreuen möchten, erläuterte Freese den Teilnehmern der Exkursion. Das gesamte Projekt kostet 153 000 Euro und soll zu 75 Prozent durch Leader gefördert werden. Der Rest sind Eigenmittel der Kirche.

Anlegen einer Streuobstwiese

Das Vorhaben, das noch in diesem Jahr begonnen werden soll, sieht unter anderem das Anlegen einer Streuobstwiese mit Bäumen, Wasserlauf und blühenden Stauden vor. Hinzu kommt ein Stellplatz für Bienenvölker und das Anlegen eines Lern- und Genusspfades für alte und neue Kräuter, Naschobst und Blumen. „Auch die Bienen-Arbeitsgemeinschaft der Grundschule Klein Wanzleben soll ihre neue Heimat im Kirchgarten finden, ebenso sollen die Senioren aus dem Altenheim und die Kinder der Kita ‚Ria Runkel‘ eingebunden werden“, verdeutlichte Freese.

Alle Bereiche des Klein Wanzleber Kirchgartens, die Wege zum Gotteshaus St. Johannis und zum evangelischen Gemeindezentrum sollen im Zuge des Umbaus barrierefrei gestaltet werden, so dass sie für mobilitätseingeschränkte Menschen problemlos zu bewältigen seien. „Durch die Verbindung des Kirchgartens mit dem Pfarrgarten entstehen im Zuckerdorf Klein Wanzleben unterschiedliche Themenareale mit enormen Erlebnispotenzial“, war sich Freese sicher.

Strategie ist weiter aktuell

„Die Lokale Aktionsgruppe ‚Bördeland‘, das sind drei Gemeinden aus zwei Landkreisen. Diese kreisübergreifende Struktur hat sich bewährt“, schätzte Wanzlebens Bürgermeister Thomas Kluge als Vorsitzender ein. Es gebe eine gute Zusammenarbeit zum gegenseitigen Vorteil für die Gemeinden und deren Bürger. Die aktuelle Strategie unter der Überschrift „Guter Boden für gute Ideen“ sei weiterhin aktuell. Die Akteure in der Lokalen Aktionsgruppe „Bördeland“ seien sich nach Kluges Einschätzung einig darüber, dass Leader weiter geführt werden müsse, da der ländliche Raum eine Perspektive brauche. Dabei sei weniger Bürokratie durchaus hilfreich, forderte Kluge. „Leader leistet einen Beitrag zur Attraktivität der Orte und zur Verbundenheit mit der Heimat“, war er sich sicher. In der Aktionsgruppe „Bördeland“ blicken die Akteure optimistisch in die Zukunft.

„Wir freuen uns, dass es uns gelungen ist, Verwaltungs- und Bewilligungsbehörden auf Landesebene mit Verantwortlichen aus den Aktionsgruppen unter Beteiligung von Akteuren aus Politik und Kommunalverwaltungen für den Erfahrungsaustausch an einen Tisch zu bekommen“, stellte Heike Winkelmann als Sprecherin der Leader-Manager fest.