Groß Rodensleber stellen zum Ortsjubiläum mit viel Aufwand historische Szenen nach

Gedanken gehen hunderte Jahre zurück

Von Constanze Arendt-Nowak

In die Zeit früherer Generationen haben sich einige Groß Rodensleber zur 1125-Jahr-Feier des Ortes versetzt. Das Publikum ließ sich gern auf die besondere Zeitreise mitnehmen.

GroßRodensleben l Seit Rodensleben im Jahr 888 erstmalig in einer Lehensurkunde des Klosters Corvey erwähnt worden ist, haben viele Generationen an der Geschichte mitgeschrieben. Jede Generation hat große Ereignisse erlebt, die zeitweilig den Ort geprägt haben, über die nachfolgende Generationen aber vielleicht schon nicht mehr gesprochen haben. Und auch das Papier der Chronik ist geduldig - solange, bis einer vorbeikommt, der die Geschichte erkunden will und intensiv darin blättert.

Dieser eine war der Groß Rodensleber Matthias Pomrenke, dem, als die 1125-Jahr-Feier seines Heimatortes kurz bevorstand, eine Idee kam. Auslöser war, wie er selbst sagte, eine Geschichte, die ihm die alten Groß Rodensleber Helga und Hans Kuthe erzählt hatten. Es war die Geschichte von der Rückkehr von Hans Kuthes Vater aus dem Krieg, nachdem er zwei Jahre vermisst worden war.

"Die Beiden könnten meine Großeltern sein und die Geschichte hat mich sehr bewegt", berichtete Matthias Pomrenke. Er habe zudem bedauert, dass diese Geschichten eines Tages verlorengehen, und so sei die Idee für den besonderen Dorfrundgang zum Ortsjubiläum unter dem Titel "Geschichten erzählen Geschichte" entstanden.

Die Geschichte, die den sprichwörtlichen Stein ins Rollen brachte, wurde als eine von sechs Geschichten mit eingebaut. Walter Kuthe kehrte zurück nach Groß Rodensleben.

Viele "Dorfrundgänger" - auch aus den Nachbarorten - ließen sich an zwei Abenden von der Idee begeistern und zogen von Hof zu Hof, wo so manche Überraschung wartete. Die Akteure hatten kaum Mühen gescheut, um die Szenerie der Zeit anzupassen. So wurde bei Wartenbergs hinter verschlossenem Tor an die Pest im 30-jährigen Krieg erinnert und bei Lauenroths auf dem Hof bollerte die alte Dreschmaschine.

Vor der Kirche bereitete sich der Pfarrer auf einen Gedenkgottesdienst anlässlich eines Brandes in der Kirche vor und nahe des Friedhofs wurde ein Hagelfest gefeiert.

Die "Dorfrundgänger" wurden von historischen Persönlichkeiten, die ein Stück Rodensleber Geschichte mitgeschrieben hatten, geführt: Mühlenbesitzer August Kuthe (dargestellt von Hans Kuthe), Stellmacher Friedrich Naumann (alias Matthias Pomrenke) und König Arnulf (alias Irene Helmecke / Rolf Szibzick). Das Ziel war für alle der Festplatz, denn hier sollte die Feuerwehr mit historischer Spritze einen Brand löschen. Nach "Drehbuch" eine lustige Angelegenheit.

Lustig mutete es auch an, als die Landfrauen Andrea Brodrück, Karin Heinrichs, Petra Lippelt, Irmtraud Quaiser, Regina Hosenthien, Sabine Fischer und Ramona Bertram das Publikum am Sonnabendnachmittag in das Jahr 1916 entführten. Das Essen war knapp und jeder Gast am Tisch war einer zuviel. "Wie werden wir Tante Auguste aus der Stadt wieder los" war die zentrale Frage, die den Sohn des Hauses sogar zum Stehlen brachte. Das Publikum hatte bei dem plattdeutschen Stück in stilechter Kulisse reichlich zu schmunzeln.

Dass auch sie schon Plattdeutsch sprechen können, zeigten die Jüngsten des Ortes, die die Kita "Bussibär" besuchen, in ihrem Programm aus Liedern, Gedichten und Bauernregeln. Und vielleicht sind sie es ja, die dann die 1150-Jahr-Feier vorbereiten.