Osterweddingen l Der emotionalen Diskussion während der Sülzetaler Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend in Osterweddingenwaren waren mehrere Wortmeldungen von Bürgern während der Einwohnerfragestunde vorausgegangen. So demonstrierten rund 80 Mitglieder des Altenweddinger Sportvereins für den Erhalt der Turnhalle Am Bahrendorfer Weg. Vereinschef Stefan Lipke wandte sich direkt an die Räte und bat um Unterstützung.

Nach weiteren Bürgern meldete sich Claudia Seidemann zu Wort. Die Langenweddingerin ist Mitglied jener Elterninitiative, die sich für den Erhalt aller drei Grundschulen im Sülzetal stark macht. Obwohl das Kommunalverfassungsgesetz des Landes vorsieht, dass sich Bürger nicht zu Themen äußern dürfen, die Beschlussvorlagen einer jeweiligen Ratssitzung tangieren, räumte Versammlungsleiter Guido Heuer (CDU) Rederecht ein.

Appell für Erhalt

Mit viel Herzblut appellierte Seidemann an die Räte, die Grundschule Langenweddingen zu erhalten. „Bitte suchen sie nach anderen Lösungen, um den maroden Haushalt zu sanieren“, sagte sie unter anderem. Des weiteren hob sie die Vorteile der Einrichtung hervor und brachte ihre Befürchtungen nach einem Sterben des Dorflebens zum Ausdruck, sollte die Grundschule in Langenweddingen einmal nicht mehr existieren. Anschließend verteilte die Mutter einen offenen Brief, in dem die Elterninitiative aber auch die Schüler ihre Forderungen zum Ausdruck bringen.

In einer anschließenden Erklärung erläuterte Norbert Dregger (SPD/FDP) seinen Standpunkt. Mit der Ressource Bildung und Erziehung sollte zukunftsorientiert umgegangen werden. „Dazu gehört auch eine helle, freundliche Lernatmosphäre, in der sich Schüler und Lehrer wohlfühlen können, helle Flure, Fachkabinette, Aufenthaltsräume und sanitäre Einrichtungen, die dem Stand der Zeit entsprechen“, sagte der Lokalpolitiker und warb für einen Neubau, in dem sämtliche Gebäudefunktionen optimal angeordnet werden können. Ziel der Beschlussvorlage sei es, die Gemeindeverwaltung zu ermächtigen, alle für die Umsetzung notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, die die beiden Schulstandorte Osterweddingen und Altenweddingen zu lebenswerten Einrichtungen macht. Über mehrere Monate hätten die beiden Fraktionen beraten und es sich nicht leicht gemacht. „Auch mir fällt diese Entscheidung richtig schwer, aber ich bin überzeugt, dass es letztendlich die richtige sein wird“, sagte Dregger, der selbst in Langenweddingen wohnt.

Haushaltslage ist entscheidend

Gebetsmühlenartig ratterte auch Bürgermeister Jörg Methner (SPD) seine Sätze der vergangenen Wochen herunter und stellte die schlechte Haushaltslage in den Mittelpunkt. „Wir müssen wieder handlungsfähig werden. Das ist nicht einfach“, betonte der Rathausschef. CDU-Fraktionschef Alexander Herms hob die Gemeinschaftsarbeit beider Fraktionen hervor, die zu dieser Beschlussvorlage geführt habe. Sie sei unter Anwendung vieler Gesichtspunkte wie beispielsweise Demografie, Schülerzahlen und Schulwege erarbeitet worden. Ziel sei es, die Grundschullandschaft im Sülzetal zukunftsfähig zu machen.

Gemeinderätin und Langenweddingens Ortsbürgermeisterin Jutta Spurek (Die Linke) kündigte an, gegen die Beschlussvorlage zu stimmen. „Wie sollen wir einen Neubau in Osterweddingen und die Sanierung in Altenweddingen schaffen, wenn nicht klar ist, ob wir dafür Fördermittel bekommen“, fragte sie in die Runde. Guido Heuer dagegen hält einen Schulneubau aus betriebswirtschaftlicher Sicht für haushaltskonsolidierend. Marco Falkenberg (CDU) sagte: „Wenn wir weiter so machen, bleiben die Schulen bis auf Weiteres marode Bruchbuden.“

Nacht etlichem Hin und Her rief Versammlungsleiter Guido Heuer zur Abstimmung. So stimmten 13 Räte für die Beschlussvorlage von CDU und SPD. Jutta Spurek und Hartmut Pfahl (Die Linke) stimmten gegen den Vorstoß, Friedrich Rabe (Die Linke) und Ingo Reichenbach (SPD-FDP) enthielten sich ihrer Stimmen.