Osterweddingen l Nachdem die Ortschaftsräte und auch die Ausschüsse des Sülzetals sich schon ausführlich mit dem Thema „Schulverbund“ beschäftigt hatten, traf nun auch der Gemeinderat bei seiner Sitzung im Feuerwehrhaus in Osterweddingen vor über 60 Gästen seine Entscheidung.

Am Ende einer leidenschaftlichen Debatte stimmten am Dienstagabend zwölf Abgeordnete für den Weg eines Schulverbunds, sechs Ratsmitglieder sprach sich dagegen aus.

Schulverbund bedeutet, dass eine Schule aus mehreren Standorten besteht. Die Teilstandorte sind keine selbstständigen Schulen mehr. Der Hauptstandort muss mindestens 80 Schüler haben, jeder Teilstandort mindestens 40. Ein Schulverbund hat nur eine Lehrerschaft, eine Schulleitung und eine Gesamtkonferenz. An einem Grundschulverbund werden alle vier Schuljahrgänge unterrichtet. Es muss ein Lehrkonzept erarbeitet werden, das mit dem Träger abgestimmt werden muss.

Drei Schulen - drei Konzepte

Gleich zu Beginn der Beratung machte Ratsmitglied Andreas Ristau (SPD) keinen Hehl aus seiner Beurteilung des CDU-Antrags zu der Einrichtung eines Schulverbunds im Sülzetal. „Ich verstehe die Hektik nicht, mit der wir das hier behandeln. 2020 können wir den Antrag stellen, und dann kann der neue Rat sich auch damit im Vorfeld intensiv beschäftigen. Das jetzt auf der Grundlage dieses Antrags zu entscheiden, gleicht einem Schuss ins Nebulöse.“

Grundsätzlich begrüßte Ristau die Vielfalt, die „sich den Bürgern des Sülzetals durch drei Grundschulen mit drei Konzepten bietet“. Diese Vielfalt würde mit einem Modell des Verbunds sicherlich leiden. Von einem „Kirchturmdenken“ könne da gar nicht die Rede sein, denn diese Entscheidung sei für die Menschen vor Ort wichtig. Ratsmitglied Ristau: „Wir müssen die Grundschulen so lange wie möglich in den Orten erhalten.“

Auch skeptisch ging Ratsmitglied Friedrich Rabe (Die Linke) mit dem Antrag ins Gericht. „Kinder in der Grundschule brauchen die soziale Nähe – auch zu ihren Lehrern. Diese dürfen nicht zwischen verschiedenen Standorten hin und her pendeln. Die Einbindung der Lehrer in den sozialen Lebensraum ist unverzichtbar.“

Erst Bildungs-, dann Geldfrage klären

Grundsätzlich präge die falsche Reihenfolge der Fragestellungen diese Debatte, kritisierte Rabe. Das Geld dürfe nicht die Art der Bildung bestimmen. Vielmehr müsse zunächst die Bildungsfrage und dann die Geldfrage geklärt werden.

Für Wolfgang Kettner (KHV-OSV) ist die Frage des Schulverbunds gar nicht so sehr entscheidend. „Wichtig ist doch der Zustand der Schulen und der ist katastrophal. Hier brauchen wir endlich finanzielle Hilfe. Hat das Modell des Schulverbunds Einfluss auf die Entscheidung, ob wir in den Genuss der Förderung durch Stark III kommen?“

Bürgermeister der Gemeinde Sülzetal, Jörg Methner (SPD), erklärte daraufhin, dass er erst vor wenigen Tagen im Bildungsministerium in Magdeburg gewesen sei, und es „sehr gute Chancen gibt, dass das Sülzetal genau diese Förderung bekommt“.

Wie Langenweddingen finanzieren?

Der Antrag für die Stark-III-Förderung beruhe aber auf der Grundlage von zwei Schulstandorten, betonte Bürgermeister Methner weiter. „Wenn wir nun den Weg des Schulverbunds mit drei Standorten gehen, müssen wir dafür auch die nötige Finanzierung sicherstellen.“ Aus den Räten müssten nun Vorschläge kommen, wie das Sülzetal den Standort Langenweddingen finanzieren könne.

Ratsmitglied Ingo Reichenbach (SPD) stimmte hierbei dem Bürgermeister zu. „Im Bauausschuss haben wir mehr die Kommunalaufsicht im Blick gehabt. Wenn wir so einen Verbund beschließen, müssen wir im bereits beschlossenen Konzept zur Haushaltskonsolidierung nacharbeiten, um Gelder für den Erhalt der dritten Grundschule zu haben.“

Nach einem Gespräch mit dem Bildungsministerium sagte Norbert Dregger (SPD) an dieser Stelle der Beratung im Gemeinderat, dass ihm in Magdeburg ebenfalls gesagt worden sei, dass „ein Schulverbund die Aussichten auf eine Stark-III-Förderung sogar eher noch stärken würde“.

Konkrete Modelle entwickeln

Gegenüber der Volksstimme beurteilte die Vorsitzende des Fördervereins der Kindertagesstätte Langenweddingen, Nicole Schladitz, den Ratsbeschluss als positiv. „Unser Ziel haben wir erreicht. Nun muss aber über das konkrete Modell gesprochen werden.“

Auch der Vorsitzende des Gemeinderats, Guido Heuer (CDU), freute sich, dass „der Gemeinderat die Chance ergreift, das Modell des Schulverbunds zu nutzen, um alle drei Grundschulstandorte abzusichern“.

Die Bürgermeisterin von Langenweddingen Jutta Spurek (Die Linke) meinte, dass solch ein Schulverbund letztendlich „die einzige Gelegenheit ist, alle drei Standorte für die Grundschulen im Sülzetal zu erhalten“.

Für diese klare und kurze Position erntete Ratsmitglied Spurek großen Applaus von den Besuchern.