Netz-Gebilde für Menschen ungefährlich - Naturszenario am Wegesrand: Kahle Äste wie im Herbst
Gespenstisch: Blattlose Bäume an der L50 Gespinstmotte frisst sich als Vogelfutter satt
Mitte Juni fehlt den Obstbäumen entlang der L50 zwischen Schleibnitz und Wanzleben das Blattwerk. Wie knöcherne Geisterbäume stehen sie am Straßenrand. Im Wanzleber Steinbruch sorgt derweil die Gespinstmotte für Geisterstundenstimmung. Was aussieht wie klebrige Zuckerwatte, wirkt mystisch, ist aber für Wanderer ungefährlich.
Wanzleben l Die in dichte, weiße Netze eingesponnenen Weißdornsträucher fallen beim Spaziergang durch den Wanzleber Steinbruch auf. Verantwortlich für das gespenstische Szenario sind die Raupen der Gespinstmotten. "Die sind jetzt überall unterwegs", hatte Pflanzen- und Kräuterexpertin Claudia Schreiner aus Remkersleben nach dem Spaziergang am Wochenende durch den Steinbruch mit Vogelbuch- autor Dr. Ernst Paul Dörfler erklärt. "Die Gespinstmotte ist Nahrung für Singvögel", erklärte auf Volksstimme-Nachfrage Tomas Brückmann vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. "Die Larven und Gespinste sind für den Menschen ungefährlich und dienen den Vögeln als Futter. Trotz starker Fraßschäden ist eine Bekämpfung nicht unbedingt notwendig", sagte er.
Die Gespinstmotte könnte laut Claudia Schreiner auch der Grund dafür sein, dass zum Beispiel den Obstbäumen entlang der L50 zwischen Wanzleben und Schleibnitz bereits Mitte Juni das Blattwerk fehlt. "Die Raupen scheinen einen unersättlichen Hunger zu haben", sagt die Heilpraktikerin. Bei Obstbäumen kann nach einem starken Befall die Ernte komplett ausfallen. Spätestens Ende Juni, wenn sich die meisten Mottenlarven verpuppt haben, ist der Spuk für dieses Jahr vorbei.
Natürlicher Feind ist der Vogel
Die Gespinstmotten stellen eine eigenständige Familie der Schmetterlinge dar. In Mitteleuropa kommen etwa 90 Arten vor. Die Biologie der Tiere ist recht ähnlich. Am weitesten verbreitet sind Apfel-Gespinstmotte, Pfaffenhütchen-Gespinstmotte, Pflaumen-Gespinstmotte sowie Traubenkirschen-Gespinstmotte. Die unscheinbaren Falter haben eine Flügelspannweite von ca. 20 Millimeter. Die weißen Vorderflügel sind mit vielen kleinen schwarzen Punkten versehen. Sie erscheinen im Hochsommer und legen ihre Eier in Gelegen zu 40 bis 80 Stück an den Zweigen ihrer Wirtspflanzen ab. Nach drei bis vier Wochen schlüpfen die Eiraupen. Sie verharren bis zum Frühjahr unter einem Schutzschild. Mit dem Austrieb verlassen sie ihre Verstecke und beginnen mit dem Fraß. Anfangs fressen die kleinen Raupen an bzw. in den Knospen und jungen Blättern. Erst mit zunehmendem Alter beginnen sie mit dem Kahlfraß unter den charakteristischen Gespinsten. Ende Juni ist die Entwicklung der meist graugelben bis zwei Zentimeter groß werdenden Larven mit der Verpuppung abgeschlossen - und der Kreislauf beginnt erneut. Natürliche Feinde sind vor allem Vögel, Schlupfwespen sowie diverse Krankheitserreger, informiert Diplom-Biologin Stefanie Hahn von der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft.