Osterweddingen l Große Bagger haben seit Oktober vergangenen Jahres den Börde-Boden im Gewerbepark Sülzetal in Osterweddingen südöstlich der Autobahn 14 und der Bundesstraße 81 in unmittelbarer Nähe des Werkes von f|glass auf einer Fläche von 6,3 Hektar aufgerissen. Wenn die Bauarbeiten im Mai dieses Jahres vollendet sind, dann steht im Sülzetal ein gewaltiges Gewächshaus für Tomaten und Paprika.

Der Kopf hinter dem etwa elf Millionen Euro teuren Projekt ist der Niederländer Jorg van der Wilt. Wie er der Volksstimme bei einem Termin auf der verschneiten Baustelle berichtet, seien an dem Bau der großen Gewächshausanlage zum großen Teil Firmen aus den Niederlanden beteiligt. „Diese Firmen haben weltweit die meisten Erfahrungen im Gewächshausbau“, verdeutlicht der Investor. Wenn das Gewächshaus seinen vollen Produktionsumfang aufgenommen habe, dann würden im Sülzetal bis zu 54 neue Arbeitsplätze entstehen.

Verkauf an Handelsketten

Der Niederländer van der Wilt will in dem Gewächshaus in der Börde Tomaten und Paprika anbauen. Das erfolge nach den Worten des Investors in den Gewächshäusern im regelmäßigen Wechsel der beiden Gemüsesorten. Bei Tomaten rechne er mit einem Ertrag von 55 Kilogramm pro Quadratmeter und Jahr, bei Paprika von bis zu 28 Kilogramm. Zur Produktionspalette gehören rote und gelbe Paprika möglicherweise auch grüne sowie Rispentomaten.

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Abnehmer der Mengen an Tomaten und Paprika aus dem Sülzetal ist die Firma Landgard. Sie sei nach eigenen Angaben Deutschlands führende Vermarktungsorganisation im Gartenbau. Das Unternehmen gehöre zu 100 Prozent den Erzeugern, die Landgard an 365 Tagen im Jahr Topfpflanzen, Schnittblumen, Obst und Gemüse liefern würden. Die Organisation verkaufe die Erzeugnisse dann an Handelsketten und Supermärkte.

Wie Jorg van der Wilt sagt, würden die Tomaten und Pa- prika aus Osterweddingen vornehmlich im Osten Deutschlands vermarktet und an die Kunden verkauft werden. Bis 2010 habe er ein Gewächshaus in den Niederlanden betrieben. Bei einer Fortbildungsreise im Jahr 2011 durch Deutschland habe er sich einige neue Standorte angeschaut und sich schließlich für den Gewerbepark Sülzetal in Osterweddingen entschieden.

Glaswerk liefert auch Abwärme

„Ich habe seit 20 Jahren in den Niederlanden Tomaten und Paprika angebaut“, verweist van der Wilt auf seine großen Erfahrungen im Umgang mit dem Gemüse.

Doch nicht nur die gute Verkehrsanbindung habe den Niederländer davon überzeugt, sich mit seinem Gewächshaus im Landkreis Börde niederzulassen. Auch die unmittelbare Nähe zum Werk von f|glass im Gewerbepark Sülzetal in Osterweddingen habe zu der Entscheidung beigetragen. Die vielen Quadratmeter Glas, die in dem Gewächshaus verbaut werden, produziere der Nachbar f|glass. Die Nähe zum Glaswerk spare Transportwege und die damit verbundenen Kosten.

Zum Heizen des Gewächshauses würden die Gemüsebauern die Abwärme des Flachglaswerkes nutzen. Ebenso das von den Dächern des Werkes anfallende Regenwasser, wie auch das von den Dächern des Gewächshauses selbst. Um die Regenwassermengen speichern zu können, lässt der Niederländer riesige Speicher bauen, die insgesamt ein Fassungsvermögen von 40 000 Kubikmeter Wasser hätten. Insgesamt sei es ein geschlossenes System, was die Wiederverwendung des Wassers ermögliche. Sollte es dennoch unerwarteterweise zu einem Wassermangel beim Gießen des Gemüses kommen, müsse der Betrieb das öffentliche Trinkwassernetz anzapfen. Damit rechne van der Wilt jedoch in der regenreichen Gegend nicht. Auch werde der Niederländer noch ein Blockheizkraftwerk zur Energieversorgung bauen und die Abgase davon im Form von Kohlenstoffdioxid als Dünger für die Pflanzen nutzen.